35 Jahre Suzuki in Deutschland : Gutes Näschen für die Nische

Vom Schmunzelmonster zum Cappuccino - so lässt sich die Modellgeschichte Suzukis beschreiben. Eine gewisse Andersartigkeit zeigt sich sowohl bei den Namen, als auch bei den Autos der Japaner, die seit dem "Eljot" immer wieder das richtige Gespür für die Nische gezeigt haben.

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Der Nischenfuhrpark: Vom LJ 80, über den Swift, Alto und Celerio hat es Suzuki immer wieder geschafft, neue Trends zu erschwinglichen Preisen an den Mann zu bringen.
Der Nischenfuhrpark: Vom LJ 80, über den Swift, Alto und Celerio hat es Suzuki immer wieder geschafft, neue Trends zu...Foto: promo

Nein, es geht nicht um die bekannten Zweiräder von Suzuki, sondern um die einfachen Autos ohne Schnickschnack, dafür günstig und weniger durstig als andere. Und um Autos, die teilweise anders waren, oder sind, oder sein werden. Doch der Reihe nach. Beginnen wir mit dem Anfang, also mit dem LJ 80. Mit ihm bringt Suzuki vor 35 Jahren ein Auto auf den Markt, das es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt: voll geländetauglich, bewusst spartanisch, 39 PS schwach, mit 820 Kilogramm extrem leicht. Und selbst mit dem Reserverad am Heck ist der LJ 80 gerade mal 3,20 Meter lang. Der zuschaltbare Allradantrieb sowie das Zwischengetriebe mit Geländegang und hinterer Differenzialsperre machen den kleinen Offroader tauglich für Schotter, Schlamm und Schnee.

Offroad im Kleinformat

Zum Verkaufsstart gab es zwei Versionen: einen Van und ein Cabrio. Der Verdeckmechanismus war ein Fingernagelkiller, denn jede Menge Druckknöpfe mussten erst gelöst werden, um dann aber ein völlig offenes Cabrio zu fahren. Der LJ 80 bekam seinen Spitznamen Eljot von Walt Disneys bekanntem Filmdrachen „Elliot, das Schmunzelmonster“. Seine Bedeutung? Der LJ 80 macht Allrad-Autos erschwinglich, und er steht zugleich für die Neubesinnung auf das Frischluftvergnügen.

Ein Grund zum Schmunzeln: Mit dem LJ 80 wurden Allrad-Autos erschwinglich und ein neues Frischluft-Fahrgefühl geweckt.
Ein Grund zum Schmunzeln: Mit dem LJ 80 wurden Allrad-Autos erschwinglich und ein neues Frischluft-Fahrgefühl geweckt.Foto: promo

„Maßgeschneidert für den Freizeitmarkt“. Mit diesem Slogan startet nicht nur der LJ 80, sondern damit beginnt 1980 auch die Geschichte von Suzuki in Deutschland. Dass der kleine Kraxler auch nach 35 Jahren nichts von seinem Spaß-Faktor verloren hat, offenbart er bei einer kleinen Testrunde. Mit seinem knatternden Zweitakter beschleunigt er im Zeitlupentempo und die gefühllose Kugelumlauflenkung signalisiert:  Ich bin ein Oldie, der bitte handzahm gefahren werden will! Und das tun wir auch, denn heute ist der witzige Allradler rarer als ein Rolls-Royce aus jener Zeit. Längst erzielen gut erhaltene LJ 80 das Doppelte ihres ehemaligen Neupreises. Suzuki hat 1980 also genau die richtige Nische gefunden.

Das große Geschäft mit Billigautos

Doch die Zeit ändert auch Sichtweisen – und damit zugleich die Modelle. Vier Jahre später findet Suzuki wieder die richtige Nische. 1984 startet der Swift. Er wird das Modell, das sich in der Bundesrepublik zum Bestseller entwickelt – und zwar über Generationen hinweg bis heute.

Ins Schwarz-Rot-Goldene getroffen: 1984 startet der Swift, der sich in der Bundesrepublik zum Bestseller entwickelt – und zwar über Generationen hinweg bis heute.
Ins Schwarz-Rot-Goldene getroffen: 1984 startet der Swift, der sich in der Bundesrepublik zum Bestseller entwickelt – und zwar...Foto: promo

Dass die Japaner sich zu Spezialisten für kostengünstige Klein- und Kleinstwagen entwickelt haben, hat sich mittlerweile sogar  bis Wolfsburg rumgesprochen. VW und Suzuki vereinbarten im Dezember 2009 eine Partnerschaft. Volkswagen beteiligt sich für rund 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Suzuki. Im Gegenzug investiert Japans viertgrößter Autobauer bis zur Hälfte des erhaltenen Kaufpreises in VW-Aktien. Es ging um Entwicklung und Bau eines Billigautos für den indischen Markt, das den Suzuki Alto ablösen und in Indien umgerechnet zwischen 2900 und 3600 Euro kosten sollte – etwa doppelt so viel wie der Tata Nano, das billigste Auto der Welt.

Das Billigauto von Suzuki und VW sollte für etwa denselben Preis später auch in Europa angeboten werden. In Indien ist die Suzuki-Tochter Maruti mit weitem Abstand Marktführer. VW dagegen spielt dort bisher so gut wie keine Rolle. Doch inzwischen ist dieser Deal geplatzt. Suzuki hat  mit dem neuen Kleinstwagen Celerio quasi ein Billigauto im Angebot. VW hat noch immer keines.

Eine klitzekleine Nische: Mitte der neunziger Jahre bringt Suzuki das 3,30 Meter kurze Cabriolet Cappuccino auf den Markt. Doch nur 120 Exemplare des Spaßautos fanden in Deutschland einen Abnehmer.
Eine klitzekleine Nische: Mitte der neunziger Jahre bringt Suzuki das 3,30 Meter kurze Cabriolet Cappuccino auf den Markt. Doch...Foto: promo

Der neue Hoffnungsträger

Und noch eine klitzekleine Nische fanden die Suzuki-Leute Mitte der neunziger Jahre mit dem zweisitzigen Micro-Cabriolet Cappuccino. Nur 120 Exemplare des 3,30 Meter kurzen und 725 Kilogramm leichten Spaßautos kamen auf den deutschen Markt. Der Clou am japanischen Open-Air-Flitzer ist sein einzigartiges Vier-Wege-Dachkonzept: Je nachdem, welche Elemente des dreiteiligen Hardtops man entfernt, ist der Cappuccino ein Coupé oder Voll-Cabrio. Er kann aber auch zum Targa umgebaut werden, oder er tritt mit T-Bar auf. Der Dreizylinder-Turbomotor mit Ladeluftkühlung holt aus nur 657 Kubikzentimeter Hubraum 64 PS, was einer damals beeindruckenden Literleistung von mehr als 100 PS entspricht. Schade nur, dass er keinen Nachfolger bekommen wird.

Unter dem noch etwas kryptischen Namen iM-4 hat Suzuki auf dem Auto-Salon in Genf 2015 sein neues Concept-Car vorgestellt. Das Mini-Fahrzeug basiert auf der neuen A-Plattform und bietet neben einem Allradsystem eine hohe Bodenfreiheit
Unter dem noch etwas kryptischen Namen iM-4 hat Suzuki auf dem Auto-Salon in Genf 2015 sein neues Concept-Car vorgestellt. Das...Foto: promo

Dafür wird es einen anderen modernen Nachfolger geben, denn die Entwickler haben wieder eine Nische gefunden, in die sie vorpreschen können. 2016 startet der vorerst iM-4 genannte Kleinst-SUV. Und der hat wieder etwas Besonderes zu bieten, so wie der vor 35 Jahren gestartete Eljot. Der Neue kommt in der 3,75-Meter-SUV-Klasse mit einem Turbo-Dreizylinder-Hybrid und  Allradantrieb. Diese Kombination gab es bislang so noch nicht. Damit könnte möglicherweise wieder eine neue Spezies geschaffen werden. Die Japaner haben die Kurve gekriegt, vom spartanischen Eljot zum lifestylischen iM-4 mit modernem Antrieb. Vielleicht heißt er auch Eljot?

 

 

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