4x4-Antrieb : Der Schnee ist weg, der Allrad bleibt

Der Insignia besitzt mit dem adaptiven Allradantrieb eines der modernsten Vierradsysteme, die in Serie angeboten werden. Wir erklären, wie so eine Technik funktioniert.

von
326444_3_xio-fcmsimage-20100305152312-006001-4b9113d0e71aa.heprodimagesfotos811120100123insignia1.jpg
Neue Lage. Gut möglich, dass der harte Winder, den ein oder anderen Insignia-Interessenten in Mecklenburg-Vorpommern überzeugt...

Die Hardware stammt vom schwedischen Spezialisten Haldex. Ein ähnlich effizientes Gesamtsystem, das von der kanadisch-österreichischen Firma Magna kommt, hat auch BMW zu bieten. Die Opel-Spezialisten haben die spezielle Software selbst entwickelt und drei Winter lang abgestimmt.

Nur einen Wimpernschlag braucht die Elektronik, um nach Erkennen einer kritischen Situation die Kraft blitzschnell an die entsprechenden Räder zu verteilen. Im Gegensatz zu herkömmlichen mechanischen Allradantrieben ändert sich der Kraftfluss hier innerhalb von 80 Millisekunden. Ständig! Stufenlos von fast Null bis nahezu 100 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse und sogar noch zwischen den Rädern der Hinterachse. Die nötigen Informationen erhält das adaptive Allradsystem, das es nur in Verbindung mit dem elektronisch geregelten FlexRide-Fahrwerk (sonst 980 Euro Aufpreis) gibt, über das ESP-Modul, das Motorkontroll-Modul sowie über das Fahrwerkskontroll-Modul. Die Module wiederum erhalten ihre Signale von Sensoren, welche Gierrate, Beschleunigung, Lenkwinkel, Raddrehzahlen, Gaspedalstellung, Motordrehzahl und Drehmoment erfassen.

Alle Infos werden vom Steuergerät blitzschnell ausgewertet; demnach wird das Drehmoment dann verteilt. „Es ist ein großer Vorteil des Opel-Systems“, erklärt Andreas Holl, Leiter der Insignia-Fahrwerksentwicklung und einer der „Väter“ des adaptiven Allradantriebs, „dass eine kritische Situation wie durchdrehende Vorderräder gar nicht erst entstehen muss , damit eine entsprechende Regelung eingeleitet wird“. Die Rede ist also quasi von einem eingebauten Frühwarnsystem. Und selbst bei einem bevorstehenden „Kavalierstart“ wird bereits im Vorfeld ein Teil der Antriebskraft zu den Hinterrädern delegiert.

Dafür ist ein aufwändiges System zuständig. Die Kraft gelangt vom Vorderachsdifferential über die Kardanwelle zu einer hydraulischen Lamellenkupplung, die elektronisch gesteuert wird. An der Hinterachse sorgt ebenfalls eine hydraulische Lamellenkupplung dafür, dass entweder das rechte oder linke Rad mit dem besseren Grip bis zu 100 Prozent des nach hinten geleiteten Drehmoments erhält. Dabei kann die Elektronik nicht nur das Drehmoment für den Vortrieb auf die Räder verteilen, sondern auch das so genannte Motorschleppmoment. Was heißt das? Beim Gaswegnehmen wird die Motorbremsleistung automatisch von den Vorder- auf die Hinterräder übertragen; das wirkt stabilisierend. Wie bei ganz leichtem Bremsen.

Das Ergebnis des Zusammenspiels von Elektronik und Mechanik überzeugt uns: Der 220-PS-Insignia kann sogar noch am Berg anfahren, wenn drei der Räder auf Eis stehen und nur eines der Hinterachse nicht. Selbst bergab lässt sich das Auto auf der vereisten Piste so um die aufgestellten Pylonen lenken, als fahre man auf Schotter. Zauberei? Nein, die Winterreifen sind normale Pirellis von der Stange. Ohne Spikes. Keine Tricks. Der Grund ist schlicht und einfach dieses adaptive Allradsystem, das den Insignia auf Schnee wie auf Schienen fahren lässt und selbst auf Eis noch so, dass die Hände am Lenkrad trocken bleiben.

Weil bei normaler Autobahnfahrt die Hinterachse fast null Kraft zugeteilt bekommen, hält sich der zusätzliche Verbrauch in engen Grenzen: Nur 0,6 Liter mehr für ein hohes Maß an zusätzlicher Sicherheit. Und mit einem Aufschlag von zirka 2500 Euro hält sich auch der Mehrpreis in noch akzeptablen Grenzen.

Noch hat die Sache einen Haken: Den sicherheitsfördernden Allrad bekommt man bis dato nur für die teuren Benziner: den Zwei-Liter-Turbo mit 220 PS (ab 35 685 Euro) und serienmäßig für den 2,8-Liter-V6-Turbo mit 260 PS (ab 37 980 Euro) sowie den OPC mit 325 PS (ab 44 900 Euro). Doch nun folgt die gute Nachricht: Ab 2010 kommen nicht nur Liebhaber exklusiver und teurer Insignias in den Genuß dieses Systems. Opel denkt endlich an die Normalos, die weniger ausgeben können oder wollen – und an Vielfahrer: Im Sommer soll es den Insignia auch mit der meistverkauften Motorisierung als 4x4 geben: Den 2.0 CDTi mit 160 Diesel-PS (ab 27 500 Euro).Rainer Ruthe

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar