• 98 Millionen Euro Aufschlag monatlich: Ölkonzerne schröpfen grundlos Autofahrer

98 Millionen Euro Aufschlag monatlich : Ölkonzerne schröpfen grundlos Autofahrer

Die Autofahrer in Deutschland zahlen einer neuen Studie zufolge jeden Monat rund 100 Millionen Euro zu viel an der Tankstelle. Unter dem Deckmantel steigender Rohölpreise und der Irankrise würden die Ölkonzerne ohne Grund die Preise um durchschnittlich 4,7 Cent weiter erhöhen.

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Autofahrer schauen in die Röhre: Die Ölkonzerne schlagen, einer Studie zufolge, 100 Millionen Euro zusätzlich auf die Preise an den Tankstellen auf.
Autofahrer schauen in die Röhre: Die Ölkonzerne schlagen, einer Studie zufolge, 100 Millionen Euro zusätzlich auf die Preise an...Foto: dpa

Der Hamburger Experte für Energiemärkte und Energierohstoffpreise, Steffen Bukold, errechnet in einer neuen Studie, dass die Autofahrer in Deutschland derzeit durch die hohen Kraftstoffpreise deutlich mehr belastet als notwendig. Dieser ermittelt in einer Untersuchung, die die Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben hatte, einen unberechtigten Aufpreis von 4,7 Cent pro Liter, der sich nicht durch veränderte Rahmenbedingungen rechtfertigen lasse.

Demnach seien 6,6 Cent des Anstieges von 11,3 Cent in den letzten drei Monaten durch höhere Rohölpreise und den andauernd schwachen Euro erklärbar. Den Rest würden die Ölkonzerne im Schatten der aktuellen Situation "einfach aufschlagen", so Bukold. Der Experte errechnet so eine Mehrbelastung von 98 Millionen Euro für die deutschen Autofahrer, die jeden Monat an den Tankstellen anfalle.

Grüne wollen Ölkonzernen "auf die Finger klopfen"

Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband sagte dem Tagesspiegel zu der Studie, dass ihr die Zahlen, die der Untersuchung zugrunde lägen, noch nicht vorlägen. Sie würden sich aber nicht mit den Daten ihres Verbandes decken. Der Rohölpreis sei erst Mitte März auf ein neues Hoch gestiegen und die Einkaufspreise für Endprodukte wie Diesel und Benzin am Rotterdamer Markt seien derzeit höher als im Rekordjahr 2008. Vor allem seien der schwache Euro und der damit ungünstige Kurs zum Dollar für die Rekordjagd an den Tankstellen verantwortlich. Sowohl Geschäfte mit Rohöl als auch mit Endprodukten wie Benzin und Diesel werden weltweit in Dollar abgerechnet.

Städtevergleich des ADAC: Berlin liegt bei den Kraftstoffkosten bundesweit noch im unteren Drittel.
Städtevergleich des ADAC: Berlin liegt bei den Kraftstoffkosten bundesweit noch im unteren Drittel.Grafik: ADAC

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, erklärte zu der Studie, man wolle den Mineralölkonzernen mit der Studie "auf die Finger klopfen". Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, sagte der Saarbrücker Zeitung: "Wir haben keinen funktionierenden Wettbewerb bei den Tankstellen." Das Kartellamt müsse umgehend Möglichkeiten erhalten, "um hier stärker zu kontrollieren und einzugreifen."

Neue Rekordwerte an den Tankstellen machen vor allem Pendlern und Selbstständigen zu schaffen. Der durchschnittliche Preis für Benzin der Sorte E10 lag gestern nach Angaben des ADAC bei 1,681, der Preis für Diesel wurde mit 1,558 Euro im Schnitt ermittelt.

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