Auto : A? Klasse?

Mercedes hat seine Kompakten aufgefrischt. Am spannendsten sind die Start-Stop-Automatik und der Gastank im B 170 NGT

Angeblich sind sie ja Auslaufmodelle. Zumindest hat das vor kurzem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet. Unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld des Unternehmensvorstands hieß es da, Nachfolger für A- und B-Klasse seien nicht geplant. Stattdessen solle in Zukunft eine weiter gefasste Modellfamilie mit Cabrio, Offroader, Coupé und Minivan um Kunden buhlen.

Das klingt spannend. Aber sollte es stimmen, dann würde Mercedes eine ganze Reihe trauriger Kunden zurücklassen – denn Mercedes’ Kleinste haben zwar so stark polarisiert wie kaum ein anderes Modell der Schwaben, doch gerade Ältere schätzen am „Elch“ (Szenejargon) und seinem großen Bruder den bequemen Einstieg, die hohe Sitzposition und das gemessen an den Außenabmessungen große Platzangebot.

Doch bei Mercedes hat man bereits betont, dass all das auch den Nachfolgern erhalten bleiben soll. Und Gefahr, als A- oder B-Käufer bald in einem aus der Zeit gefallenen Gebrauchtwagen herumzufahren, besteht sowieso nicht: Frühestens 2011 sollen Nachfolger kommen, in welcher Form auch immer – und in diesen Tagen hat Mercedes den Baureihen noch einmal eine Auffrischung verpasst. Rein optisch passierte das ziemlich genau nach Facelift-Handbuch: Neue Stoßfänger, neue Scheinwerfer und Rückleuchten, neue, stärker gepfeilte Haube nebst Grill, neue Außenspiegel und neue Felgen. Dazu die Innenräume noch etwas aufgehübscht, fertig sind Mercedes A und B des neuen Modelljahres.

Viel wichtiger allerdings: Die Überarbeitung haben die Schwaben auch genutzt, um sich in Sachen Verbrauch und Ökologie besser in Szene zu setzen. Wichtigster Punkt dabei dürfte die Start-Stopp-Automatik sein, die Mercedes nun für die beiden kleinsten Benziner A/B 150 und 170 im Angebot hat (siehe Kasten). Das System schaltet den Motor bei Stopps im Stau und an der Ampel ab und sorgt so für geringere Verbrauchswerte – und für ein zumindest am Anfang originelles Fahrgefühl, so eine Art „Ups, abgewürgt“, bis man sich daran gewöhnt hat, dass der Antrieb genauso schnell wiederkommt, wie er gegangen ist.

Für Diesel-Fans gibt es den A 160 CDI mit Sparpaket namens „Blue Efficiency“, durch das sich der Wagen mit 4,5 Litern (EU-Fahrzyklus) begnügen soll. In der B-Klasse übernimmt dagegen ein Erdgasantrieb die Rolle des Sparwunders: Der B 170 NGT lässt sich sowohl mit Benzin wie auch mit Gas fahren und dürfte damit nicht zuletzt im Taxigewerbe viele Freunde finden. Und mit Elfenbeinlack und Schild auf dem Dach ist ja jetzt schon ein nicht ganz unwesentlicher Teil der Produktion unterwegs. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Mercedes die B-Klasse ans Gewerbe deutlich günstiger abgibt als an private Kunden.

Und: „Da kann man nichts kaputtmachen“, kommentiert der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen Tegel, wo die Übergabe des Test-B’s anberaumt ist. Stimmt schon, gemessen am teureren Taxi-Rivalen E-Klasse ist das B-Cockpit ein ganz klein wenig weniger filigran ausgefallen. Dafür dürfte es keinen anderen Wagen dieser Außenabmessungen geben, auf dessen Rückbank Passagiere so viel Platz haben. Allerdings: Was für den Ritt vom Helmholtzplatz nach Schöneberg in der Samstagnacht eine gute Wahl ist, kann auf längeren Strecken immer noch eine gewisse Ermüdung hervorrufen. Denn leider hat sich am Fahrwerk der B-Klasse im Zuge des Facelifts nichts geändert: Der Wagen rollt hart ab, stuckert auf Querfugen. Es gibt schon einige Mitbewerber, in denen man es sich gemütlicher machen kann als in der B-Klasse. Offenbar ist das immer noch das Erbe des unseligen Elch-Tests – straffe Abstimmung, um den Wagen trotz hohen Schwerpunkts sicher in der Spur zu halten. Beim A ist der Effekt weniger deutlich, aber immer noch spürbar.

Kombiniert man das dann noch mit dem raubauzigen Zwei-Liter-Benziner im Test-B, der akustisch einem Diesel schon recht nahe kommt, dann macht das den Fahreindruck nicht unbedingt besser. Nicht vergessen: Die B-Klasse spielt preislich in einer Liga, in der sich bereits Mitbewerber wie ein Passat Variant tummeln. Zwar bietet der Mercedes zumindest bei umgeklappter Rückbank noch einmal deutlich mehr Platz als der Wolfsburger – trotzdem, gerade Menschen mit hohen Ansprüchen an Handling und Fahrkomfort sollten den B vor der Kaufentscheidung besser ausgiebig Probe fahren.

Entscheidungshilfe pro A- und B-Klasse könnte allerdings die Tatsache geben, dass im Zuge des Facelifts einiges an Technik in die Modelle implantiert wurde, mit der größere Teile der Mitbewerber noch nicht aufwarten können. So gibt es für die beiden Modelle jetzt einen Einparkassistenten, der den Wagen selbstständig in die Lücke kurbelt – nur Gas und Bremse muss der Fahrer selbst noch bedienen. Der 3,88 Meter langen A-Klasse reichen dazu zum Beispiel 5,18 Meter Parkfläche, eine Lücke also, mit der man sich von Hand schon einmal schwertun kann. Mit 800 Euro extra ist die Parkhilfe dabei nicht einmal übermäßig teuer. Auch Multimedia- und Navigationssystem mit Sprachbedienung sind verfügbar, wollen mit minimal 2300 Euro allerdings auch erst einmal bezahlt werden.

Keine Frage: Mercedes hat seine Autos noch nie deshalb verkauft, weil man das billigste Angebot in der Klasse hatte. A und B machen da keine Ausnahme: Gut 19000 Euro sind für den A als Benziner minimal fällig, für den Diesel müssen sogar gut 21000 Euro angelegt werden. Beim B stehen für den kleinsten Benziner 23400 und den Diesel sogar 27000 Euro zu Buche. Sonderangebote sind das nicht – und die Entscheidung „Lieben oder hassen?“ dürfte weiterhin eine ganz persönliche sein. Aber: besser polarisieren als allen nur egal zu sein.

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