A4 allroud quattro : Ein Audi für Abwege

Mit dem dem neuen A4 bewegt sich die Ingolstadter auf unwegsamem Terrain. Als erstes Modell darf er die weiterentwickelte Allradtechnik von Audi nutzen.

Peter Maahn
Ab ins Freie. Die Audi-Konzeptschneider haben den A4 auf rustikal getrimmt.
Ab ins Freie. Die Audi-Konzeptschneider haben den A4 auf rustikal getrimmt.Foto: Promo

Das aus zahllosen Kochsendungen bekannte „Man nehme“ gilt auch in den Entwicklungsküchen der Autokonzerne. Man nehme also einen ganz normalen Kombi mit Allradantrieb, spendiere ihm einen Hauch mehr luftige Freiheit unterm Boden, verziere das Ganze rundum mit allerlei urigen Kunststoffteilen und schreibe eine englische Bezeichnung ans Heck. Cross Country heißt es seit 1996 bei Volvo, Alltrack zum Beispiel bei VW oder eben auch Allroad bei Audi. Das klingt nach Abenteuer auf Abwegen, nach Ausflügen abseits fester Straßen.

Neuestes Beispiel des raffinierten Kundenfangs ist der Audi A4 mit dem langen Nachnamen „allroad quattro“, der ab Sommer hinter den Schaufenstern parkt und jetzt zu ersten Testfahrten bereitstand. Genspender ist der wohlbekannte Kombi des Erfolgsmodells A4, bei Audi Avant genannt. Natürlich hat er Allradantrieb, unterscheidet sich aber durch diverse Zusatzteile vom Normalo mit den vier Ringen.

Eine Dachreling sorgt für optische Erhabenheit des 4,75 Meter langen Wagens, graue Umrandungen der Radhäuser vermitteln ebenso Robustheit wie die gleichfarbigen unteren Schweller. Am Heck wird der silberne Unterbodenschutz sichtbar, dessen Einkerbungen an den Diffusor eines Sportwagens erinnern sollen. Das Allroad-Gesicht wird durch kühn gezackte Scheinwerfer geprägt, deren Form durch die LED-Tagfahrlichter betont wird. Nur die Querfeldein-Version darf sich mit vertikalen Chromlamellen im Kühlergrill schmücken. Das Kofferraumvolumen beträgt 505 Liter; bei umgelegter Rückbank sind es respektable 1510 Liter.

So weit, so gut, der Ausflug auf Schotterstraßen, verschlammte Waldwege oder auch mal quer über die nasse Wiese kann beginnen. Doch Vorsicht, das Designergeschick macht aus einem braven Kombi noch keinen Geländewagen. Denn der Allroad hat nur 3,4 Zentimeter mehr Bodenfreiheit, ist also für unwegsames Terrain nicht wirklich geeignet. Aber das bisschen Mehr kann durchaus reichen, einer dicken Stein-Schramme im unteren Blech zu entgehen. Wer aber wirklich abseits der Straße seine Berghütte oder den Hochstand im Wald erreichen will, wird sich doch eher einen hochbeinigen SUV in die Garage stellen.

Doch der neue A4 im Abenteuer-Look bietet dennoch Neues. Als erstes Modell darf er die weiterentwickelte Allradtechnik von Audi nutzen, die unter der Bezeichnung „Ultra“ bald auch in anderen Quattro-Modellen Einzug halten wird. Immer noch haben nämlich Autos mit permanentem Allradantrieb Nachteile beim Verbrauch, weil eben auch im Normalbetrieb viele Teile bewegt werden müssen, die eigentlich gar nicht gebraucht werden.

Der bordeigene Rechner übernimmt die Kraftverteilung an alle Räder

Hier setzen die Techniker an, lassen den Audi meist nur mit Frontantrieb unterwegs sein. Die zahlreichen Komponenten im Heck werden in den einstweiligen Ruhestand verbannt. Registrieren die zahlreichen Sensoren, dass der hintere Antrieb nicht nötig ist, hängt eine Kupplung die Kardanwelle einfach ab. Gleichzeitig wird mit einer zweiten Kupplung an der Hinterachse das sogenannte Tellerrad stillgelegt. Da er sich nicht mehr ständig durch ein Ölbad wühlen muss, wird dadurch Sprit gespart. In Summe rund 0,3 Liter auf 100 Kilometer. Klingt wenig, bringt in Summe recht viel.

Die Elektronik erkennt aber in Bruchteilen von Sekunden, wann der Vorwärtsdrang der hinteren Räder wieder gebraucht wird, und macht aus dem Fronttriebler umgehend wieder einen vertrauten Quattro. Leider aber gibt es diese Neuheit erst mal nur für den Benziner im Programm des neuen Audi A4 allroad. Die viel begehrteren Dieselversionen folgen in Kürze.

Als Fahrer muss man sich um das technische Treiben übrigens nicht kümmern. Der bordeigene Rechner übernimmt die jeweils ideale Kraftverteilung an alle Räder, berechnet bei Kurvenfahrten, wann eine Rutschpartie droht, und hat immer auch den Fahrstil des Menschen hinterm Lenkrad im Sensor-Auge. Dabei spielt auch eine Rolle, welcher Fahrmodus eingestellt ist. Wird die sportliche Variante gewählt, kommt die Hinterachse früher ins Spiel als im Komfortbetrieb. Auch eine elektronische Regelung der Stoßdämpfer kann nun im Querfeldein-Audi bestellt werden.

In der langen Aufpreisliste finden sich nahezu alle feinen Extras, die auch bei den anderen A-4-Modellen für Begehrlichkeit sorgen. Interessant ist vor allem ein Assistent für das Rückwärtsfahren mit einem Anhänger. Per Drehrad wird die Richtung gewählt, in die sich das Gespann bewegen soll. Das zielgenaue Lenken übernimmt der Bordrechner. Aber auch andere Helfer sind im Angebot. Beispiele sind Assistenzsysteme fürs Ausweichen bei einer Notbremsung, beim Abbiegen oder automatisches Bremsen bis Tempo 80 bei einer drohenden Kollision (auch Fußgänger werden erkannt). Natürlich lässt sich der Allroad mit dem Internet verbinden und dient Mitreisenden als W-Lan-Hotspot. Der Fantasie und dem Geldbeutel sind kaum Grenzen gesetzt.

Die Preise beginnen bei 44 750 Euro für den Zweiliter-Diesel. Der Benziner mit Turboaufladung und der neuen Allradtechnik kostet 4000 Euro mehr. Insgesamt kann unter fünf Diesel-Versionen und ebenjenem Zweiliter-Benziner gewählt werden. Wer sich also dem Trend zum eckigen SUV entziehen will und bereit ist, sein Konto etwas heftiger zu belasten, hat mit so einem Allroad durchaus eine zivilere Alternative. Auch wenn unterm Strich ein ganz normaler Kombi völlig ausreichen würde.

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