Auto : Abstieg mit Ansage

Allmählich sickern Hybridautos in die unteren Klassen durch – höchste Zeit, das Angebot zu sortieren

Heiko Haupt

Doppelt hält besser: Darauf setzen die Hersteller von Hybridautos – indem sie herkömmliche Motoren mit elektrischen Aggregaten kombinieren. Das Ziel: geringerer Verbrauch und damit eine sinkende Umweltbelastung. Nachdem jahrelang über kommende Hybridmodelle gesprochen wurde, wird das Thema jetzt zunehmend Realität. Erste Exemplare sind unterwegs, und mit diesem Jahr wird sich die Zahl der Neuerscheinungen weiter merklich erhöhen. Neben vielen Nobelmodellen in Hybridversion sind erste erschwingliche Ausführungen darunter.

„Der Hybrid wird in den nächsten zehn Jahren die Autowelt umkrempeln“, lautet die Prognose von Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Er bezeichnet Hybridmotoren sogar als „wichtigste Innovation des Fahrzeugantriebs der letzten 50 Jahre“ – und als eine immer größere Konkurrenz für Modelle mit bloßem Benzin- oder Dieselmotor. Bereits 2015 rechnet Dudenhöffer mit weltweit vier Millionen Hybrid-Neuwagen. Das wäre immerhin schon ein Anteil von sechs Prozent an den gesamten Personenwagen-Neuzulassungen. Im Jahr 2020 werden voraussichtlich schon 22 Millionen Hybridautos weltweit verkauft. Der reine Elektroantrieb wird laut dem Experten auch dann noch hinterherhinken. Gerechnet wird mit zwei Millionen verkauften Elektrofahrzeugen.

Wie in der Autowelt üblich, gibt es wirklich Neues anfangs oft in wirklich teuren Fahrzeugen. Zwar baut Toyota schon lange das kompakte Hybridmodell Prius, und auch Honda hat mit dem Insight bereits einen kompakten Hybrid im Angebot. Die deutschen Hersteller allerdings beginnen in der Oberklasse, Beispiele sind die Hybridversion der S-Klasse von Mercedes oder auch der BMW 7er in alternativer Ausführung. Auch was in diesen Monaten zu den Händlern kommt, ist eher etwas für gut gefüllte Konten. Das gilt vor allem für den neuen Touareg von Volkswagen und die neue Cayenne-Generation von Porsche. Da beide im Grunde auf identischer Technik basieren, gleichen sich auch die Angaben für die Hybriden: Zum Einsatz kommt je eine Kombination aus V6-Benziner und Elektromotor, die Leistung wird mit 380 PS angegeben, was 242 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich macht. Auch beim Verbrauch – jedenfalls den Werksangaben dazu – gibt es keine Differenzen: 8,2 Liter und ein CO2-Ausstoß von 193 g/km. Ein Unterschied zeigt sich dagegen in den Preislisten: VW gibt seinen Hybrid-Touareg für 75 765 Euro ab, Porsche für 78 636 Euro.

Wer ein Hybridmodell für deutlich weniger Geld sucht, wird auch in naher Zukunft nur bei ausländischen Herstellern fündig werden. So will Toyota neben dem Prius vom Spätsommer an auch das Kompaktmodell Auris als Hybridversion ausliefern. Die Preise sollen bei 22 950 Euro beginnen. Dafür gibt es neben serienmäßiger Klimaautomatik den „Hybrid-Synergy-Drive“ (HSD) mit 136 PS. Er soll dafür sorgen, dass der Hybrid-Auris nur 3,8 Liter verbraucht (89 g/km).

Wie in der letzten Mobil-Ausgabe berichtet, will Honda bringt Honda im Juni den CR-Z heraus: Äußerlich ein sportlich gezeichnetes Coupé, sorgt unterm Blech ein Hybridantrieb mit 124 PS für einen Verbrauch von etwa 5 Litern und einen CO2-Ausstoß von 117 g/km. Die Preise der Basisversion sollen bei knapp 22 000 Euro beginnen. Von 2011 an wird Honda dann wohl auch den Jazz als Hybridversion anbieten.

2011 sind von deutschen Herstellern Hydride zumindest unterhalb der Oberklasse beziehungsweise der großen SUV zu erwarten. So hat Mercedes für Anfang 2011 einen Diesel-Hybrid der E-Klasse angekündigt – angetrieben von einer Kombination aus 225 PS starkem Diesel und einem E-Motor mit 20 PS. Das soll einen Verbrauch von 4,1 Litern (109 g CO2/km) ermöglichen. BMW hat mit der Studie „Concept 5 Series ActiveHybird“ eine Idee für einen Hybrid-5er gezeigt, aus der 2011 eine Serienversion entstehen könnte.

Und es kommen noch mehr Modelle: Peugeot und Citroën haben für die kommenden Jahre gleich vier Diesel-Hybride angekündigt; Ford plant einen Hybrid-Focus bis 2012. Und von Opel wird 2011 der Ampera als Plug-in-Hybrid erwartet: als Modell, dessen Batterie sich an der Steckdose laden lässt. Auf erschwinglichere Modelle von VW muss aber wohl noch etwas gewartet werden: Ferdinand Dudenhöffer rechnet mit entsprechenden Versionen von Golf und Passat erst für 2013. dpa

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