Abwrackprämie : Jetzt Wagen sie sich

Die Abwrackprämie scheint sich zum Erfolg zu entwickeln. Gekauft wird, was klein und billig ist.

Kai Kolwitz

Ein Chevrolet Matiz für 4990 Euro, ein Fiat Panda fürs gleiche Geld. Ein Renault Clio kommt auf 5990 Euro, sogar einen Smart könnte man jetzt für 7250 Euro mitnehmen. Seit die Abwrackprämie beschlossen ist, gibt’s im vierstelligen Bereich wieder richtig Auswahl – zumindest für alle die, die einen mindestens neun Jahre alten Gebrauchten ihr Eigen nennen. Schnell noch was Altes kaufen für die Prämie ist allerdings nicht: der Wagen muss mindestens neun Monate auf den Käufer zugelassen gewesen sein.

Preisbrecher spielt wieder einmal Dacia: Nimmt man die Prämie in Anspruch, gibt es einen Logan schon ab 4800 Euro. Vorausgesetzt, man bekommt im Moment einen. Denn: „Die werden langsam knapp“, beschreibt Wolfgang Huber die Lage. Der Verkaufsleiter beim Renault- und Daciahändler Autohaus König ist hörbar gut gelaunt. Obwohl er im Stress ist: „In einem normalen Monat verkaufen wir 150 bis 200 Autos. In diesem Monat sind wir schon über 500.“ Was wird genommen? „Twingo, Clio, Dacia, Kangoo“, zählt Huber auf. „Alles, was inklusive Prämie vierstellig oder knapp fünfstellig ist.“ Auch Kollege André Gessner von MAG Autowelt Schüler, wo man Opel, Hyundai und Chevrolet im Angebot hat, kann Ähnliches berichten: Corsa, Agila, Chevrolet Matiz oder Hyundai i10 sind die Modelle, die hier am besten laufen. „Wir sehen einen neuen Kundenkreis, Leute, die wir bisher nicht im Haus hatten.“ Dagegen scheint bei VW auch der Golf zu den Rennern zu werden. Zehn bis fünfzehn Prozent mehr Menschen in den Showrooms habe man schon in den letzten beiden Wochen gehabt, beschreibt Henri Strübing, Geschäftsführer bei Eduard Winter.

Allerdings lohnt es, ein paar Fragen zu klären, bevor man den Alten zugunsten eines Neu- oder Jahreswagens der Presse überantwortet. Die erste: Was wäre mein Wagen eigentlich noch wert? Gerade für nicht zu alte, gängige Modelle, aus denen sich noch viele Teile verwerten lassen, zahlt nämlich auch der Verwerter ein paar Scheine – und die Nachweise gibt es dann trotzdem, die man braucht, um die Prämie zu beantragen. In manchen Fällen könnte es auch sein, dass der alte Wagen bei einem Verkauf auf dem freien Markt mehr bringt als die 2500 Euro, die als Prämie zu holen wären. Einen Anhaltspunkt dafür können Verkaufsanzeigen wie im Tagesspiegel oder in den Autobörsen im Internet bieten. Die Verbraucherzentrale Sachsen rät sogar dazu, dem Händler beim Neuwagenkauf gar nichts vom alten Wagen vor der Haustür zu erzählen, den höchstmöglichen Rabatt herauszuhandeln – und die Prämie im Nachhinein auf eigene Faust zu beantragen.

Und wie sehr sollte man sich beeilen, um noch in den Genuss des Geldes zu kommen? Da als Förderung 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, ist dann Schluss, wenn das Geld weg ist. Unmöglich ist es nicht, dass das schon vor Jahresende der Fall ist. Aber trotzdem raten Experten von übereilten Entscheidungen ab. König-Mann Huber gibt allerdings zu bedenken: „Es ist gut möglich, dass die Hersteller Maßnahmen zur Verkaufsförderung reduzieren, wenn der Umsatz anzieht.“ Sprich: dass die hohen Rabatte der letzten Monate im Zeichen der Prämie wieder zurückgefahren werden. Generell raten Verbraucherschützer dazu, eine Rücktrittsklausel zu vereinbaren, für den Fall, dass mit der Zahlung vom Staat etwas nicht funktioniert.

Chancen eröffnen sich in Sachen Prämie übrigens auch jenseits des Preisbrechersegments: Zwar ist die Lage in den Showrooms der Premiumhersteller nicht so stürmisch wie im unteren Bereich. Aber Leasingraten um die 150 Euro könnte sich auch Dennis Benedetti, Verkaufsleiter beim Audi Zentrum Berlin für einen brauchbar ausgestatteten A3 vorstellen, wenn die Prämie als Sonderzahlung verwendet wird. Und BMW-Mann Alexander Bilgeri hat noch einen Tipp: „Auch wenn man sich für einen Jahreswagen entscheidet, der bei einem Autovermieter war, kann man die Prämie in Anspruch nehmen. Da diese Autos in der Regel mehr gelaufen sind, als ein durchschnittlicher Jahreswagen, lässt sich hier auch die Finanzierung günstiger kalkulieren.“ Bleibt nur noch eins zu erwähnen: Wenn der Alte zuverlässig ist, wenig verbraucht und man ihn einfach mag: Auch in Zeiten der Abwrackprämie gibt es keinen Zwang, ihn wegzugeben.

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