Abwrackprämie : Verschrotten? Das kommt uns gerade recht

Tagesspiegel-Kollegen über ihre Auto-Pläne (I)

Carsten Werner (Politik) fährt einen lila VW Golf Kombi, Baujahr 1994



Seit 2500 Euro im Raum stehen für den finalen Verrat an meinem Sondermodell „Pink Floyd“, fühle ich zum ersten Mal bewusst mit meinem Gefährt: Es hat mich so weit gebracht. Es war Mobilbüro, Urlaubsbegleiter, Telefonzelle, Hörkino – immer und überall dabei. Und jetzt soll es – statt Jahr für Jahr 2 000 Euro für Renovierungen zu kosten – plötzlich einfach Geld bringen? Für meinen ersten Neuwagen gar? Vielleicht ist man als „Ü40“ so weit. Steuerberater, Kind, Rücken und Tüv würden sich jedenfalls freuen. Die Hündin würde ihre rollende Hütte nur kurz vermissen. Ich müsste den altgedienten Wagen nicht mal mehr sauber machen. Auch wenn ein schnöder Auffahrunfall nach 240 000 Kilometern stilgerechter wäre: Ich mach’s, glaube ich.

Gitta Pieper-Meyer trennt sich von einem Opel Corsa, Baujahr 1993

Seit Jahren blicken mich die TÜV-Leute mitleidig an: Das ist das letzte Mal! Aber er fährt noch! Seit 16 Jahren sause ich mit ihm durch Berlin. Er war mal Feuerwehrrot. Jetzt schaut er matt weinrot aus. Die Türknöpfe drücke ich nicht mehr runter, wer würde den schon klauen. Die Uhr tickt nicht mehr, der Zigarettenanzünder bleibt immer stecken. Nun kommt er in die Presse. Aus ihm wird bestimmt mal eine schicke Ducati! Und ich kriege 2500 Euro und leiste mir einen Polo.

Stefan Jacobs (Berlin-Redaktion) fährt einen weißen Peugeot 306, Baujahr 1994

Ich fahre gern, aber selten. So selten, dass ich vor jedem Tüv ein paar hundert Euro in meine treue Kiste gesteckt habe, weil ein Neukauf noch unsinniger gewesen wäre. Jetzt, nach 15 gemeinsamen Jahren, kann ich meinem Auto kaum noch in die Augen sehen, weil es zum Wegwerfen zu schade ist. Umweltplakette, kaum Rost und optisch fast wie neu trotz der 180 000 Kilometer auf dem Tacho. Aber nur Wegwerfen sichert die Prämie, die weit über dem Zeitwert liegt. Vielleicht finde ich einen verständnisvollen Verwerter, der alle intakten Teile rettet. Und kaufe als Ersatz mit Staatsknete einen neuen Peugeot 207. Gleiche Marke, Farbe und Größe. Oder ich lasse es – und investiere weiter in den Tüv.

Detlev Jackschenties (Technik) unterhält einen lila Mitsubishi Colt, Baujahr 1999

Der Kleine gehört seit zehn Jahren zur Familie. Wir sind ganz zufrieden, selbst den ein oder anderen (unverschuldeten!) Unfall hat er gut weggesteckt. Aber nächstes Jahr, da wird der Tüv wohl kein Auge mehr zudrücken. Insofern haben wir an einen Neuen erst 2010 gedacht. Jetzt ziehen wir den Wechsel vor. Ein bisschen Bammel haben wir vor dem bürokratischen Aufwand – aber wen interessiert’s, wenn meine Frau die ersten Runden in einem neuen Suzuki Swift oder im Mazda2 dreht.

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