Ärgernis Autopanne : Helfer in der Not

Eine Panne kommt immer zur falschen Zeit. Gerade für Autofahrer ohne Schutzbrief ist sie unangenehm. Auch sie finden Hilfe - doch die kostet. Allerdings müssen auch Inhaber eines Schutzbriefs unter Umständen in die eigene Tasche greifen.

Tom Nebe
Das Auto streikt - und jetzt? Wer keinen Schutzbrief hat, sollte sich zu helfen wissen und zum Beispiel den zentralen Pannen-Notruf kennen.
Das Auto streikt - und jetzt? Wer keinen Schutzbrief hat, sollte sich zu helfen wissen und zum Beispiel den zentralen...Foto: dpa

Platter Reifen, kein Sprit mehr im Tank, Motor defekt: Eine Panne kann viele Ursachen haben, ist aber jedes Mal sehr ärgerlich. Sie kostet nicht nur Zeit, sondern mitunter auch eine Menge Geld. Einfach hat es, wer einen Schutzbrief eines Automobilclubs oder einer Versicherung besitzt: Ein Anruf bei der entsprechenden Servicenummer - und Hilfe kommt. Das klappt auch mit einer Mobilitätsgarantie. Doch was tun Autofahrer, wenn sie keinen Pannenschutz haben?

Letzter Ausweg Notrufsäule

Nicht immer bekommen sie eine mobile Verbindung ins Internet, um vom Pannenort aus die nächste Werkstatt zu finden. Sie können per Handy jedoch über die kostenfreie Notruf-Nummer 0800/6683663 (NOTFON D) Hilfe anfordern. "Darüber sind Autofahrer aber nicht zu orten", sagt Birgit Luge-Ehrhardt. Sie ist Sprecherin der Dienstleistungs-GmbH der Deutschen Versicherer (GDV DL), die die Notruf-Nummer betreibt.

Autofahrer sollten deshalb in etwa wissen, wo sie sich befinden. "Die Mitarbeiter in der Zentrale haben Straßenkarten, mit denen sie anhand der Beschreibung des Anrufers dessen Standort bestimmen", erklärt Luge-Ehrhardt. Einfacher geht es per Smartphone mit der App "Pakoo", die ebenfalls von der GDV DL betrieben wird: Mit einem Tastendruck werden Nutzer mit der Telefonzentrale verbunden und zugleich geortet.

Die meistgenutzte Notrufsäule steht an der A1 bei Kilometer 184,3. Wie bei allen anderen Säulen auch, wissen die Helfer bei abgesetzten Notrufen sofort, woher sie kommen.
Die meistgenutzte Notrufsäule steht an der A1 bei Kilometer 184,3. Wie bei allen anderen Säulen auch, wissen die Helfer bei...Foto: dpa

Haben Autofahrer kein Handy dabei, müssen sie in der Regel ein anderes Auto anhalten oder einen Fußgänger fragen. Das geht auf der Autobahn nicht. Deshalb stehen dort alle zwei Kilometer Notrufsäulen, die auch vom GDV VL betrieben werden - deutschlandweit sind es fast 17 000. Der Vorteil der Säulen: Sie sind geovermessen. Damit wissen die Helfer sofort den Standort. Weiße Leitpfosten mit schwarzen Pfeilen weisen auf der Autobahn zur nächsten Säule und verhindern, dass man in die falsche Richtung läuft.

Freie Anbieter oder Ad-Hoc-Mitgliedschaft

Egal ob Notrufsäule, NOTFON D oder "Pakoo-App" - der Service ist jeweils kostenlos. Am Telefon entscheiden die liegen gebliebenen Autofahrer, wie die Pannenhilfe konkret geleistet werden soll, so Luge-Ehrhardt. Liegt ein Schutzbrief vor, werden die Servicestellen des Autoclubs oder der Versicherung kontaktiert. "Für alle anderen gibt es eine Liste freier Hilfeanbieter", sagt die Sprecherin der GDV DL. Deren Einsatz müssen Autofahrer dann selbst zahlen.

Oft überlegen Betroffene in solchen Fällen, die Pannenhilfe eines Autoclubs in Anspruch zu nehmen. Um den Einsatz nicht bezahlen zu müssen, wollen sie dann am Straßenrand Mitglied werden. Das geht zum Beispiel beim Auto Club Europa (ACE). "Die Kosten werden nach Abschluss der Mitgliedschaft über uns abgerechnet", sagt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner.

Die Möglichkeit der Ad-Hoc-Mitgliedschaft bieten nicht alle Clubs. Beim ADAC etwa ist das nicht möglich, erklärt Sprecherin Katharina Lucà: "Die Mitgliedschaft muss mindestens einen Tag vorher geschlossen worden sein." In Ausnahmefällen wie einer Notsituation auf der Autobahn hilft der ADAC laut Lucà aber auch schon mal unentgeltlich. "Ersatzteile oder Benzin für den leeren Tank müssen aber auch dann gezahlt werden."

Der Abstecher zum Geldautomat

Nicht selten können die Pannenhelfer vor Ort mit einer kleinen Reparatur den Schaden beheben. Andernfalls muss abgeschleppt werden. Das ist keine günstige Angelegenheit. Die Abschleppkosten pauschal zu benennen, sei nicht möglich, erklärt Ulrike Wenzel vom Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen (VBA). "Es kommt auf die örtlichen Begebenheiten, den Fahrzeugtyp und den Grad der Beschädigung an." Ein Beispiel: Für den Einsatz eines Basis-Abschleppwagens ohne Kran sind laut VBA für den Autofahrer im Schnitt 135 Euro pro Stunde fällig.

Voll erwischt: Bei blockierter Fahrbahn ist eine gute Sicherung und schnelle Hilfe besonders wichtig, um Folgeunfälle zu vermeiden.
Voll erwischt: Bei blockierter Fahrbahn ist eine gute Sicherung und schnelle Hilfe besonders wichtig, um Folgeunfälle zu...Foto: dpa

In der Praxis wird meistens direkt nach der Auftragsausführung bezahlt, erläutert Wenzel. "Sollte dies dem Kunden nicht möglich sein, ist das vorher abzuklären.“ Dann kann direkt überlegt werden, welche Möglichkeiten infrage kommen. Vermittelt etwa der ADAC einem Autofahrer ohne Mitgliedschaft ein Abschleppunternehmen, sei dessen Einsatz bar zu bezahlen, erklärt Lucà. Gestrandete Autofahrer ohne prall gefülltes Portemonnaie werden aber nicht stehen gelassen. "Die Kollegen machen gegebenenfalls einen Schwenker zum Geldautomaten."

Wichtig: Kostenübernahme vorab klären

Ein weiteres Problem: Nicht immer haben Werkstätten sofort Zeit, sich um das Pannenauto zu kümmern. Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) rät dazu, vor dem Auftrag telefonisch zu klären, ob das klappt. Bei Schutzbrief-Inhabern werden Pannenhilfe und Abschleppkosten oft nur bis zu einer bestimmten Obergrenze getragen. Häufig liegt die bei 100 Euro für den Pannendienst und 150 Euro für das Abschleppen, sagt Michael Bruns von der Stiftung Warentest. "Das reicht aber meist aus."

In der Regel ist der Kunde nicht verpflichtet, den Wagen in der Werkstatt reparieren zu lassen, in die er abgeschleppt wurde. "Liegt die Werkstatt weit entfernt vom eigenen Wohnort, bekommt der Kunde einen Mietwagen, mit dem er die Reise fortsetzen kann", erklärt Bruns. Parallel kann er eine weitere Schutzbrief-Leistung nutzen: die Fahrzeugrückholung. Das kaputte Auto wird an den Wohnort verfrachtet, wo er es in der Werkstatt seiner Wahl reparieren lassen kann.

Bei einem Schutzbrief gilt generell: Damit er auch greift, dürfen die Inhaber oft nicht auf eigene Faust eine Werkstatt anrufen oder ein Hotel für die Übernachtung buchen. Denn laut einem Vergleich der Zeitschrift "Finanztest" (4/2015) leisten einige Versicherer nur, wenn der Kunde sich zuerst an sie wendet. Andere bieten in diesen Fällen bessere Leistungen, etwa durch entfallende Obergrenzen für die Pannenhilfe oder den Abschleppdienst.

Besitzer eines neueren Autos haben häufig eine Mobilitätsgarantie. Die gilt allerdings meist nur, wenn das Fahrzeug nach Vorgaben in der Vertragswerkstatt durchgecheckt wird. Halter lesen hier lieber vorher genau die entsprechenden Vertragspassagen durch: "Dort ist eindeutig festgelegt, wann die Mobilitätsgarantie greift und wann nicht", sagt Bruns. Die Bedingungen sind je nach Hersteller sehr unterschiedlich. (dpa)

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