Alfa Romeo Giulietta QV und Mito QV : Donnerbüchsen mit Kleeblatt

Der Aufbruch bei Alfa Romeo startet mit Details. Die haben allerdings auch ihren Reiz, wie Mito und Giulietta QV zeigen.

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Unauffällig bis auf das Kleeblatt: Der Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde.
Unauffällig bis auf das Kleeblatt: Der Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde.Foto: Hersteller

Die Geschichte ist Legende, die Marke auch: 1923 siegte Ugo Sivocci bei der Targa Florio mit einem vierblättrigen Kleeblatt auf der Seite seines RL. Tags zuvor hatte der Rennfahrer die Startnummer 13 gezogen. Für abergläubische Rennfahrer eine Katastrophe. Um dieses Unglück auszubügeln malte das Team besagtes Zeichen auf das Auto von Sivocci. Der Sieg beim Klassiker auf Sizilien ließ den Mythos mit dem Quadrifoglio Verde (QV) entstehen.

Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass die Marke derzeit noch mehr von ihrer Vergangenheit als von der Gegenwart lebt, denn die sieht nicht ganz so rosig aus. Ganze zwei Modelle bieten die Italiener auf dem deutschen Markt an. Die Giulietta ist dabei der Umsatzbringer und steht für 70 Prozent der Verkäufe. Beim Kleinwagen Mito hingegen sieht es mau aus. Gerade noch etwas mehr als 1000 Exemplare wurden im vergangenen Jahr hierzulande zugelassen. Auf 3625 Zulassungen kam der traditionsreiche Autobauer in 2013, insgesamt beträgt der Markenanteil gerade mal 0,1 Prozent.

Alfa Romeo bekommt Rückenwind

Das Potenzial von Alfa Romeo ist in der Branche unbestritten. Nicht umsonst bekundete VW-Patriarch Ferdinand Piëch mehrmals in der Öffentlichkeit sein Interesse an der Marke. Bekommen wird er sie nicht, das hat Fiat-Chef Sergio Marchionne deutlich gemacht. Der verkündete vielmehr Anfang Mai Investitionen in Höhe von rund fünf Milliarden Euro bis 2018 in die Produkte von Alfa Romeo. 600 Ingenieure sollen sich künftig mit der Entwicklung beschäftigen, dreimal mehr als bisher. Das ist eher eine Kampfansage.

Die Alfisti können also aufatmen, denn das Mailänder Urgestein ist noch nicht am Ende. Für den angekündigten Neuheitenschub ist es allerdings noch etwas früh. Daher haben sich die Italiener erst mal daran gemacht, ihre beiden existenten Modelle etwas aufzufrischen. Neu sind dabei vor allem die sportlichen Varianten, die als Markenzeichen das besagte Quadrifoglio Verde tragen. Beim Kompaktmodell Giulietta gab es das Emblem schon länger, beim Mito ist das Sport-Siegel neu hinzugekommen. Auch wenn die Ingenieure erst seit Kurzem am Werk sind oder noch gesucht werden: Auf der technischen Seite hat Alfa seine Sportmodelle schon mal aufgerüstet. Denn das Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen, das die beiden Modelle nun serienmäßig an Bord haben, darf die wichtigste Neuerung angesehen werden. In Kombination mit dem 170 PS starken Antrieb wird so aus dem Mito ein kleiner Renner. Das neue Getriebe schaltet die Gänge zügig und fast ohne Zugkraftunterbrechung durch.

Technische Aufrüstung

So kann der Wagen sich mit der Edel-Konkurrenz aus Deutschland, namentlich etwa dem Audi S1 oder dem VW Polo GTI, noch nicht ganz messen, aber er schließt doch auf. Wer möchte kann den kleinen Italiener auf bis zu 219 Stundenkilometer prügeln und der Sprint auf die 100 km/h gelingt in 7,3 Sekunden. Möglich macht das ein 1,4 Liter großer Turbomotor, den gleichzeitig größer dimensionierte Bremsen, eine direktere Lenkung und ein strafferes Fahrwerk wieder einfangen sollen.

Die Sportversion des Alfa Romeo Mito soll die schwachen Verkaufszahlen des Modell beleben helfen.
Die Sportversion des Alfa Romeo Mito soll die schwachen Verkaufszahlen des Modell beleben helfen.Foto: Hersteller

Der Alfa Romeo 4C gilt nicht nur den Fans der Marke als Vorbote einer neuen, besseren Zeit. Von diesem superleichten und damit extrem dynamischen Sportwagen hat die Giulietta QV den Antrieb geerbt. Der Unterschied zwischen den beiden Autos beim Gewicht ist allerdings direkt auf der Straße spürbar. So agil und handlich wie der 4C fühlt sich die schnelle, kompakte Dame in der Modellpalette nicht an. Dennoch kann das Auto mit dem 240 PS starken Antrieb durchaus höheren dynamischen Ansprüchen genügen. Der Sound, der beim 4C noch naturgetreu aus den Endtöpfen schallt, wird bei der Giulietta allerdings künstlich über einen Sound-Prozessor stimuliert.

Optisch eher dezent

Gefühl im Gasfuß ist jedoch auch beim Kompaktmodell angesagt, denn die 340 Newtonmeter des Antriebs zerren kräftig an der Vorderachse. Ist der Grip dann allerdings gefunden, dann geht es in glatten sechs Sekunden hin zur Schwelle von 100 Stundenkilometern. Wer es denn wissen will, der lotet die maximale Geschwindigkeit von 244 km/h zur Gänze aus. Dann werden allerdings auch die sieben Liter, die als Normverbrauch im Datenblatt stehen, schnell zur Makulatur. Gleiches gilt selbstverständlich für die 5,4 Liter, mit denen der Mito QV als Normverbrauch angegeben ist.

Optisch bleibt es keineswegs beim Quadrifoglio Verde, das auf beiden Seiten der Modelle prangt. Wie üblich bei solchen Sportablegern wurde auch am übrigen Auftritt gefeilt. Innen gibt es Chrom an den Einstiegsleisten und die Pedalerie ist aus Aluminium. Auch die veränderten Anzeigen im Cockpit und das abgeflachte Sportlenkrad sollen die sportlichen Ambitionen ins Innere tragen. Außen ist man hingegen dezenter vorgegangen. Die Arbeit der Designer wird nur Kennern auf den ersten Blick auffallen.

Preislich sortieren sich die beiden Modelle natürlich am oberen Ende der Skala ein. Für den Mito QV werden mindestens 23 500 Euro fällig, die Giulietta im Sport-Dress kostet 32 500 Euro. Zumindest dieser Preis kann durchaus als ambitioniert angesehen werden, liegt er doch bald 4000 Euro über dem Preis für einen Golf GTI. Dafür hat die Giulietta dann allerdings eine ordentliche Serienausstattung, 20 PS mehr unter der Haube und den Hauch des Exotischen. Mit solchen Reizen könnten nicht nur Alfisti in Versuchung geführt werden.

Gentleman mit Sportsgeist
Sportsmann: Der Audi S3 kommt für einen Kompakt-Sportler erst mal relativ unscheinbar daher. In einer Klasse, in der normalerweise Spoiler und Kotflügelverbreiterungen Standard sind gibt der Audi S3 eher den Gentleman.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Markus Mechnich
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