Alfas Kleine : Schön fahren ja, schönfärben nein

Alfa laufen die Kunden weg. Neue Offenheit und Ideen wie ein Beinahe-Allrad sollen die Marke retten.

Eric Metzler
alfa mi.to
Mit dem Mi.To will Alfa das Geschäft wieder ankurbeln. -Foto: Alfa Romeo

Ach Alfa. Man könnte heulen wie am Ende einer tragischen Liebesgeschichte. Immer noch tragen viele Anhänger sportlicher Autos die Marke in ihren Herzen; schwärmen vom Design, vom Sound, vom Gefühl, die Straße als Straße zu erleben – von doppelten Nockenwellen, Giulia, Bertone, Rund- und Kantenhauber-Spider. Aber das ist lange her. Inzwischen sinken die Verkaufszahlen Jahr für Jahr. Gerade mal 11 000 Autos stehen für 2007 in den Büchern. Dass darunter im Branchenvergleich auch noch extrem viele Tageszulassungen und Mietwagen von Alfa-Händlern sind, macht die Sache nicht besser. Denn: Autos quasi an sich selbst zu verkaufen, nur um in der Statistik am Ende nicht völlig blank dazustehen, das ist „reine Geldvernichtung“. Das sagt selbst Alfas Deutschland-Chef Christopher Nicoll.

Und das sitzt. Die Selbstkasteiung markiert für Alfa eine Zeitenwende. Seit dem Einstieg des 38jährigen im letzten Sommer ist es vorbei mit dem Schönfärben und Schönrechnen. Nicoll weiß, wo er steht, unten, ganz unten im Tal. Aber anders als seine vielen Vorgänger im letzten Jahrzehnt redet er zwar leise, aber nicht drumherum. Demnach hat Alfa nicht nur schlechte Zahlen, sondern vor allem „unglaublich miese Werte in der Kundenzufriedenheit“. In England war das 2006 genauso. Dann kam Nicoll, analysierte die Krise – und begann danach mit einer brutalen Aufräumaktion, deren erste Erfolge sich inzwischen zeigen. Das Muster für den deutschen Markt liegt also auf dem Tisch, inzwischen ist es beschlossen und budgetiert.

Dabei dreht sich alles um die „sehr wohl messbare“ Kundenzufriedenheit. Nach der richtet sich künftig die Marge der Händler, nicht mehr nach dem Umsatz. Für den einzelnen Händler soll dabei mehr herausspringen, nicht weniger. Dafür verordnet die Zentrale allen Läden ein neues, einheitliches Erscheinungsbild. Alfa-Kunden werden nicht mehr von Fiat- oder Lancia-Verkäufern „mitbedient“, sondern in eigenen Bereichen „marken-exklusiv betreut“. Marketing- und vertriebstechnisch mag das gut klingen – was aber nützt es, wenn es bei der Güte von Produkt und Service hapert? Viele Alfa der letzten Jahre waren mangelhaft verarbeitet, und auf entsprechende Reklamationen wurde mancherorts von oben herab reagiert. Sowas bleibt hängen beim Kunden. „Sie haben Recht“, sagt Nicoll, „wir müssen tatsächlich verlässlicher werden“. Deshalb macht das Alfa-Werk bei Neapel zum Beispiel zwei Monate lang dicht. Die Produktion wird umgekrempelt, das zeige, wie ernst man es meine mit der Qualitätsverbesserung. Außerdem werden die Garantien verlängert, die Werkstätten dazu besser mit Ersatzteilen versorgt.

Bis sich Nicolls Therapie in gesünderen Bilanzen niederschlägt, kann es allerdings noch etwas dauern. Bis dahin soll der Mi.To für gute Laune und gute Zahlen sorgen. Der Kleinwagen, der eigentlich Junior heißen sollte, kommt im Spätsommer und wird aus dem eigenen Hause mit Vorschußlorbeeren überfrachtet. Zugleich besinnt sich Alfa auf seine historischen Wurzeln: So wird für den Golf-Rivalen 147 und für das Coupé GT das Symbol „Quadrifoglio Verde“ wiederbelebt. Im Rennsport ist das vierblättrige Kleeblatt Legende, seit Fangio 1951 in einem Alfa 159 Weltmeister wurde – nun ziert es den 147 und den GT als Zeichen einer neuen Ausstattungslinie. Für Freunde exklusiver Details wie Leder oder Zweizonen-Klima verbirgt sich hinter dem Signet vor allem dann ein satter Preisvorteil bis zu 4800 Euro, wenn man einen Quadrifoglio Verde in Kombination mit dem 1.9 Turbodiesel-Direkteinspritzer bestellt.

In dieser Konfiguration haben der 147 und der GT auch serienmäßig eine technische Neuerung an Bord, die es nach unserem Fahreindruck in sich hat: Q2. Mit diesem Sperrdifferential (siehe Kasten unter diesem Beitrag) verändern sich die Fahreigenschaften der Fronttriebler in Grenzsituationen drastischer, als wir dies ohne den Einsatz von Allrad für möglich gehalten hätten. Ob schnell gefahrene Kurven, unvermittelte Ausweichmanöver oder Fahrbahnen, die teils glitschig sind – Q2 verhindert das Untersteuern, hält das Auto außerdem deutlich länger ruhig und spurstabil. Dass der Effekt im direkten Vergleich zu gleich motorisierten Alfa ohne Q2 so krass ausfällt, freut uns auch, weil das System rein mechanisch funktioniert. In Zeiten der elektronischen Helfer- und Zipperlein ist das vielleicht ein bisschen anachronistisch. Aber für eine Automarke, die dabei ist, sich neu zu sortieren und alte Stärken zu reaktivieren, finden wir genau diese Tatsache zeitgemäß.

ALFA 147
Es gibt nur noch drei Linien (147, Corse, Quadrifoglio Verde). Die Motorenpalette reicht vom 1.6 TS 16 V (Benziner mkt 105 PS) bis zum 1.9 JTDM 16 V (Turbodiesel mit 150 PS).
Die Preise beginnen bei 17 590 Euro, das Spitzenmodell kostet 24 030 Euro. Das Modell ist mit drei oder fünf Türen zu haben.

ALFA GT
Auch hier hat Alfa auf drei Linien abgespeckt (Progression, Distinctive, Quadrifoglio Verde). Bei den Motoren hat man die Wahl zwischen dem 2.0 JTS 16 V (Benziner mit 165 PS, wahlweise mit automatisiertem Schaltgetriebe) und dem 1.9 JTDM 16 V (Turbodiesel, 150 PS).
Die Preise beginnen bei 28300 Euro, das Spitzenmodell Distinctive kostet genau 32000 Euro. (eric)

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