Auto : Alle Mann an Bord: Charterboote dürfen wieder aufs Wasser

Vermieter hatten heftig dagegen protestiert, dass Berliner Behörde plötzlich die Zulassungen verweigerte

Rainer W. During D

Protest lohnt sich. Nach heftigem Widerstand der Betreiber hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) die Zulassungsbeschränkungen für Charterboote vorerst wieder aufgehoben. Nun soll eine Arbeitsgruppe des Verkehrsministeriums und der Wasser- und Schifffahrtsdirektionen endgültige Richtlinien erarbeiten. Die meist kleinen Vermietbetriebe sahen sich in ihrer Existenz bedroht.

Seit Jahren bereichern die Charterboote für bis zu 30 Gäste das Angebot auf Berliner Gewässern. Sie stellen keine wirtschaftliche Konkurrenz für die traditionelle Fahrgastschifffahrt dar, betont der Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Wassersport, Max Hiller. Während die großen Fahrgastmotorschiffe für 100 und mehr Passagiere ausgelegt sind, ermöglichen sie auch kleineren Gruppen eine schwimmende Feier und haben neue Kunden aufs Wasser gebracht, die nie einen „Dampfer“ der Weißen Flotte betreten würden. Dem drohte das WSA Berlin, einen Riegel vorzuschieben. Bisher nutzen die Betreiber eine Nische in der Vielzahl teils widersprüchlicher Verordnungen. So reicht es aus, dass ein Gutachter nach umfassender Sicherheitsprüfung eine höchstzulässige Fahrgastzahl bescheinigt. Doch plötzlich verweigerte das Amt Wasserfahrzeugen bei mehr als zwölf Passagieren die Verlängerung oder Neuausstellung der Bootszeugnisse. Sie sollten nicht mehr als Sportboote, sondern als Fahrgastschiffe eingestuft werden. Das hätte umfangreiche Umbauten zur Folge, die nicht nur den Betrieb unwirtschaftlich machen und die Existenz von rund einem Dutzend Kleinbetrieben gefährden würden. Auch die Ausstattung der oft historischen Boote müsste aufgrund der geltenden Auflagen zerstört werden, sagt Max Hiller. So zählen zur Berliner Charterflotte ein Schlepper aus dem Jahr 1911 sowie ein 1929 gebautes, ehemaliges Direktionsboot der Siemenswerke. „Das wäre der Tod der Mittelklasse“ sagt Betreiber Nils Clausen. Dann gebe es nur noch ganz kleine Sportboote und große „Dampfer“.

Noch im Herbst 2008 hatte die vorgesetzte Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost (WSD) in Magdeburg die bisherige Einstufung bestätigt, so Gutachter Christian Masilge. Als Definition für die Fahrgastschifffahrt habe stets die Beförderung von Personen gegen Einzelentgelte gegolten, die auf die pauschal zu mietenden Charterboote nicht zutrifft. Für die Ablehnung der Beförderung von mehr als zwölf Personen auf vermieteten Sportbooten gebe es keine Rechtsgrundlage. Beim WSA Berlin gibt man Entwarnung. Es bleibe nun doch alles beim Alten, das habe die vorgesetzte WSD Ost in einem Schreiben bestätigt, so Jens-Heinrich Dingler vom Schifffahrtsbüro des Amtes. Dennoch befürchten die Vermieter, dass es sich nur um eine Galgenfrist handelt und ihnen durch neue Bestimmungen bald die Existenzgrundlage entzogen werden könnte. Denn im kommenden Jahr wird für viele der Charterboote die Erneuerung der Zeugnisse fällig. So fordert Max Hiller für den Wassersportverband, dass die bisherige Regelung dauerhaft gilt. Eventuelle Widersprüche mit anderen Verordnungen könnten durch eine erweiterte Sicherheitsausrüstung und entsprechend geschultes Personal kompensiert werden. Rainer W. During

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