Auto : Alles Schiebung: Fiats schräge Nummer

Mehr Sein als Schein: Mit dem Qubo macht Fiat all denen ein Angebot, die Platz brauchen und für Status nicht extra zahlen wollen

Wolfgang Gomoll

Kermit der Frosch hätte sicher seine Freude mit dem neuen Fiat Qubo. Denn die Image-Farbe des Fiat Mini-Vans – ein knalliges Giftgrün – entspricht exakt dem Dresscode des Conférenciers der Muppet Show. Mit dem „Disco Green“ will Fiat junge Käufer ansprechen. Und mit dem ganzen Auto alle diejenigen, die Platz benötigen und in einem Auto nicht in erster Linie das Statussymbol sehen – junge Familien etwa oder Menschen mit raumgreifenden Hobbys.

Die Gene dafür hat er: Denn entwickelt wurde das Modell als Kleintransporter, für die PKW-Variante wurde der Innenraum aufgehübscht und die Federung komfortabler gemacht. Ein Makel ist die Herkunft nicht notwendigerweise: Auch Mitbewerber wie Renault Kangoo, Citroen Berlingo oder Skoda Roomster tragen die Zwittergene in sich, die für viel Platz und günstige Preise sorgen – und einen Hauch mehr Hartplastik im Innenraum als in reinen Pkw.

Und irgendwie ist es ja auch so: In der Vergangenheit sahen Fiats meistens gut aus, hielten aber oft nicht, was die schicke Optik versprach. Die Gefahr besteht diesmal nicht. Beim Neuen ist der Name Programm: Qubo – ein Würfel. Immerhin mildert die freundlich lächelnde Front mit dem weit geöffneten Mund den martialischen Auftritt etwas ab. Und in der Disziplin „Platz“ kann der 3,96 Meter kurze Mini-Van richtig punkten: Vorne und hinten haben Erwachsene viel davon. Dazu bleibt noch ein respektabler Kofferraum von 329 Litern übrig. Für mehr Raum legt man die teilbare Rückbank mit wenigen Handgriffen um. Für kantenlosen Freiraum muss man das Fond-Gestühl allerdings ganz ausbauen. Der Mechanismus ist simpel, aber das Gewicht der rechten, breiteren Seite ist mit 26 Kilogramm (links sind es 14) für eine zierliche Person nicht leicht zu stemmen.

Dass die Fiat-Ingenieure beim Qubo nachgedacht haben, zeigt sich an Kleinigkeiten. Zum Beispiel schwingt die Heckklappe so weit auf, dass selbst gestandene Männer problemlos darunter stehen können – sehr schön beim Laden im Regen. Beim Schließen fällt dann der Kofferraumdeckel ab dem halben Weg selbstständig ins Schloss. Hilft, wenn man die Hände voll hat. Die beiden Schiebetüren sind praktisch und erleichtern das Einsteigen und Beladen.

Möbelmarkt-Dauerkunden können für 40 Euro noch einen versenkbaren Beifahrersitz ordern. Allerdings ist die Polsterung des Sitzes dann dünner. Aber: Gemeinsam mit der ausgebauten Rückbank winkt ein ansehnliches Ladevolumen von 2500 Litern. Apropos Gestühl: Das ist durchaus kommod. Klar fehlt Seitenhalt. Aber der Qubo ist ja kein Sportwagen, die Kurvengeschwindigkeiten sind nicht so hoch, dass man permanent gegen die Fliehkraft geschützt werden müsste. Zumal die Motoren derzeit kein Ausbund an Temperament sind. Vor allem der 73-PS-Benziner zieht nicht die Wurst von der Stulle. Der Diesel mit 75 Pferdestärken hat mehr Dampf, kämpft aber an Steigungen auch seine Kämpfe. Der geplante 90-PS-Selbstzünder dürfte da besser abschneiden.

Allerdings hat der Qubo noch kein ESP. Wer darauf Wert legt, muss bis Dezember warten und 350 Euro Aufpreis bezahlen. Ans Kreuzen auf der Sonderwünsche-Liste muss man sich generell gewöhnen, da die Grundausstattung „Active“ relativ karg ist. Wer etwas Luxus will, wie eine manuelle Klimaanlage oder die geteilte und umklappbare Rückbank, sollte deshalb zur „Dynamic“-Variante greifen. Ebenso unprätentiös wie die Grund-Ausstattung ist das übersichtliche Cockpit, in dem Hartplastik den Ton angibt. Dass das Interieur trotzdem nicht allzu billig wirkt, liegt an der vernünftigen Verarbeitung und den geriffelten Oberflächen des Armaturenbretts. Doch der Qubo will ja keinen Designpreis gewinnen, sondern die Herzen von praktisch orientierten Käufern. Und das klappt, wie bei der Schokolade: quadratisch, praktisch, gut.

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