Allwetter-Cabrios : Das Kleine? Den Großen? Alles offen

Unterwegs im Alltag – heute mit zwei Allwetter-Cabrios aus einem Hause.

Eric Metzler

Auf den ersten Blick

sieht man gleich, das sind Geschwister. Trotz eigenständiger Scheinwerfer tragen beide das typische Gesicht der Bayern; markante Niere, breiter Stand, funktionales Armaturenbrett. Dennoch: 1er und 3er stehen für völlig unterschiedliche Typen. Das kleine Cabrio trägt auf Knopfdruck Stoffmütze (braucht keine Persenning, verschindet unter dem festen Verdeckfach), der Große ein Blechdach (faltet sich in den Kofferraum). Beim Einser wirkt die Gürtellinie offen gestanden zu hoch, das macht ein wenig pummelig. Der Dreier ist 22 Zentimeter länger. Die Proportionen stimmen – was uns bei der Parkplatzsuche am Potsdamer Platz allerdings weniger genützt hat als die 22 Zentimeter weniger des Einsers. Geschlossen fabriziert das Auto einen echten Aha-Effekt – es sieht noch eleganter aus als das 3er-Coupé. Da wirkt nichts, aber auch gar nichts aufgesetzt.

Pluspunkte gibt es vor allem für…

den Mut der Münchener, in der Modellpalette beide Cabrio-Philosophien umzusetzen – und zwar konsequent. Da uns philosopische Dachkussionen inzwischen nerven, schwärmen wir von beiden Varianten: Das Textile im 1er lässt sich bis Tempo 40 öffnen und schließen. Bei Passanten produziert das „Mitzieher“ am laufenden Band. Das macht Spaß. Wichtiger aber: Wenns graut, fahren wir zur Umkleide nicht mal rechts ran. Das Stoffdach ist mehrlagig. Das erklärt, warum es selbst bei Tempo 160 vertretbar leise zugeht und warum prasselnde Tropfen von außen innen nicht nerven. Das stählerne Dach des Dreiers glänzt gleichfalls mit perfekter Verarbeitung – weil nichts rappelt, hatten wir mehrere Mitfahrer, die gar nicht bemerkten, in einem geschlossenen Cabrio zu sitzen. Auch der Diesel des 320d wurde von einigen nicht als solcher erkannt, er läuft also für viele Ohren sehr ruhig. Vor allem ist er durchzugsstark: Steigt man um in den 120i, um sich den direkten Vergleich zu er-fahren, kommt man schon ins Grübeln, ob der vierstellige Diesel-Aufpreis nicht doch eine sinnvolle Investition sei.

Weniger Charme hat…

das Einlegen des Rückwärtsganges im manuellen Schaltgetriebe beider Wagen. Selbst nach einigen Tagen Gewöhnung kann es passieren, dass man zu wenig Kraft einsetzt, wenn man den Hebel nach links außen und dann nach vorne schiebt. Unbedarfte setzen dann nicht zurück, sondern im ersten Gang nach vorne. Mal sehen, wann sich ein Arzt für die andauernde BMW-Krankheit findet. Hundertprozentig unschön finden wir die Stummelantenne auf der Heckklappe des 1ers; im 3er ist die Antenne unsichtbar im Fensterglas integriert.

Das spannendste Detail…

ist in beiden Zweiliter-Modellen die Spritspar-Technik, die BMW unter dem Rubrum „Efficient Dynamics“ anbietet. Dazu gehören eine Anzeige im Display, die den besten Zeitpunkt zum Hochschalten anzeigt und eine Start-Stopp-Automatik. Im Leerlauf an der Ampel geht der Motor aus, beim Einkuppeln springt er automatisch wieder an. Anfangs nervt das höllig; nach wenigen Tagen schon ist es kein Problem mehr. Die in der Liste angegebenen Verbrauchswerte erreichten wir trotzdem nicht ganz: 6,2 Liter Alltagsverbrauch im 330 d und 6,7 im 120 i sind aber okay. BMW bietet als erster Cabrio-Produzent eine (40 Zentimeter breite) Durchlademöglichkeit für die (umgelegte) Rückbank an. Vielleicht ein Trostpflaster für einen Kofferraum, der bei zusammengelegtem Dach gerade noch 210 Liter Ladevolumen bietet – das reicht für alles, was nicht dicker als zwei Pullover und größer als eine Reisetasche ist.

Unterm Strich die richtige Wahl für…

Sorgenlose. Für das Kleine sind mehr als 32 000 Euro viel Holz – und der Große kostet ab 43 900 Euro gute sechstausend mehr als das 3er Coupé (was seinerseits schon mit 3000 Euro plus im Vergleich zur 3er Limousine ausgepreist ist). Dass sich beide Autos klasse fahren, ist keine Frage: Vor allem in Kurven hat BMW den Bogen einfach raus. Eric Metzler

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar