Aktion Autotausch: Der Autopapst im VW e-Up : Was für Häuslebauer

Autopapst Andreas Keßler ist im Rahmen der Aktion Autotausch unterwegs mit dem VW e-Up. Das Fahren bereitet Freude, das Laden weniger. Zum Glück trifft er einen Emobility-Profi.

Andreas Keßler
Der kleine VW e-Up nuckelt ganz schön am Akku.
Der kleine VW e-Up nuckelt ganz schön am Akku.Foto: Hersteller

„Kommt da was?“ – Die Stimme kam aus dem Dunkeln und gehörte zu einem Typen namens Frank, der seinen Renault Twizzy an der Säule neben „meiner“ angestöpselt hatte. „Meine" war eine Schnellladesäule, also eine echte Rarität in Berlin. Leider passierte gar nichts, das Display war dunkel. „Kein Wunder, die haben sie gestern erst aufgestellt!“ Frank schien kein Neuling auf dem Elektromobilitätssektor zu sein. „Du kannst mich als E-Mobility-Nerd beschreiben!“ Das ist genau die Art von Gesprächspartner, die man als Elektroautoanfänger braucht: Auch hier kommt es nämlich auf die Kleinigkeiten an – und die stehen leider nicht in den Hochglanzbroschüren der Autohersteller und Stromlieferanten. Auch nicht in denen aus der politischen Ecke, aber das erwartet man ja auch nicht.

Dass die Dinger hervorragend fahren und Beschleunigungswerte liefern, mit denen man fast die Erdkrümmung verlässt, ist das eine. Das andere ist die ewige Suche nach einer Ladesäule und einem Zeitfenster, in dem geladen werden kann. Am Wegesrand liegt beides fast nie, so auch jetzt nicht: Die nagelneue Schnellladestation stand am Bahnhof Südkreuz, wo es einen kleinen „Zapfpark“ für die bahneigenen Flinkster-Mobile gibt. Neben den Flinkster-Säulen gab es auch ein paar für die Allgemeinheit, die dann „nur“ den passenden Zugangsschlüssel braucht. Dieses Ding ist mit einem Stromliefervertrag verbunden und kostet rund 10 Euro. Jeden Monat. Auch dann, wenn man gerade kein Elektroauto zum Laden hat.

VW e-Up wird beim Burgerbrater geladen

Hier stand mein VW e-Up, war fast leer (Restreichweite 8 Kilometer), der Zugangschip war vorhanden, Strom gab es aber trotzdem nicht. Frank wusste Rat: „Da hinten bei McDonald’s ist noch eine Schnellladesäule. Die ist frei und sogar gratis.“ Super Tipp – auf zum Burgerbrater! Die Säule war tatsächlich unbesetzt, das Einstöpseln klappte perfekt, und der Strom strömte. Laut Display wurden 48 Minuten für den Ladevorgang kalkuliert – Zeit für einen Kaffee mit meinem E-Mobility-Nerd.

Andreas Keßler ist Moderator bei der Radioeins-Sendung "Die Sonntagsfahrer" und bekannt als Autopapst.
Andreas Keßler ist Moderator bei der Radioeins-Sendung "Die Sonntagsfahrer" und bekannt als Autopapst.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Mann wusste wirklich viel über das, was in Berlin und drei weiteren „Schaufensterregionen“ mit öffentlichen Mitteln auf die Beine gestellt wird. Ladesäulen sind auch dabei, aber bei weitem nicht so viele, wie nötig wären, um für Großstadtbewohner den Stress aus der Elektromobilität zu nehmen. In Berlin zum Beispiel zicken die Bezirke bei der Standortfrage herum und nehmen von den Aufstellern Miete dafür – was deren Motivation zum Bau weiterer Ladesäulen deutlich dämpft. Was formal richtig ist (Gebühren für die Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes), müsste in der Startphase der Elektromobilität aber anders geregelt werden.

Nach der Suche ist vor der Suche

Der Kaffee war inzwischen kalt und der Akku wieder voll. 150 Kilometer Reichweite, nicht schlecht. Allerdings nach den Parametern des NEFZ berechnet, der auch für die Prospektangaben über den Kraftstoffverbrauch bei Benzinern zuständig ist. Praktisch müsste man also schon wieder nach der nächsten Ladesäule suchen, weil der kleine Up nämlich trotz Super- Eco-Taste ganz schön am Akku nuckelt: 12,5 kWh auf 100 Kilometer – und das auch nur mit sehr, sehr leichtem Gasfuß und ausgeschalteter Heizung.

Was sich hier extrem kurz anhört, reicht aber aus, wenn man als Umlandbewohner den Wagen sowohl zu Hause, als auch am Arbeitsplatz an die Steckdose hängen kann. Für Mietshausbewohner scheidet die schöne Elektromobilität aber leider völlig aus.

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