Aktion Autotausch: Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid : Laden? Kann, muss aber nicht

Eine Woche Probefahrt mit einem Plug-in-Hybrid im Alltag. Klappt alles wunderbar, bis auf das Laden. Zum Glück geht es auch ohne.

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Interessantes Konzept. Der Outlander ist das Aushängeschild von Mitsubishi. Das Plug-in-Hybrid-System ist durchdacht und mittlerweile sehr ausgereift.
Interessantes Konzept. Der Outlander ist das Aushängeschild von Mitsubishi. Das Plug-in-Hybrid-System ist durchdacht und...Foto: Jessica Krauß

Eigentlich wollte ich mich ja raushalten. Als Redakteur im Automobilbereich ist man ja irgendwie vorbelastet für eine Aktion wie den Autotausch, der von der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, radioeins und dem Tagesspiegel in den letzten fünf Monaten durchgeführt wurde. Im Berufsleben bin ich sicher schon hunderte Autos gefahren, darunter auch einige Elektroautos. Sinn dieser lobenswerten Aktion ist es dagegen, dass sich Menschen mit dem Thema Elektroauto beschäftigen, die noch nicht, oder zumindest wenig damit in Berührung gekommen sind. Dann kam dieses Angebot, den Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid eine Woche fahren zu können. Treffer! Das Auto hat mich schon lange interessiert, ich konnte es aber bisher aus Zeitgründen noch nicht Probe fahren. Also setze ich mich eines Mittwochs ganz korrekt in die S-Bahn nach Steglitz und mache mich auf den Weg zum Autohaus Hadad, um den Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid abzuholen. Es ist sogar der ganz neue.

Der freundliche Herr Riemann erklärt detailliert und kenntnisreich, welche Funktionen das Modell hat, wie der sich laden und am besten fahren lässt. Der Journalist, wie er eben so ist, sitzt aber schon wieder auf glühenden Kohlen in Gedanken beim nächsten Termin. Also fahre ich nach der sehr guten Einführung mit vollständig gefüllter Batterie los, zurück ins Büro. Ich sage es gleich vorweg und schäme mich auch dafür: Es war das letzte Mal in dieser Woche, dass der Mitsubishi Outlander mit einer Steckdose in Berührung gekommen ist. Schande über mein Haupt! Und das als Fachjournalist.

Der Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid spart nicht nur Sprit, sondern auch Bremsbeläge

Trotz der Hektik fahre, oder surre, ich rein elektrisch vom Hof und durch die Stadt. Die 48 Kilometer Reichweite vom Start schrumpfen nur um sechs Kilometer auf dem Weg zurück zum Anhalter Bahnhof, obwohl die Strecke deutlich länger ist. Der Grund ist ein Spiel: Der Outlander lässt sich bei der Rekuperation, also der Rückgewinnung von elektrischer Energie durch Bewegungsenergie, in fünf Stufen einstellen. Von „ich klebe mit meinem Gesicht an der Windschutzscheibe, wenn ich nicht aufpasse“ bis zu „er rollt und rollt und rollt…“. Die Windschutzscheibenstufe bringt natürlich am meisten. Und sie bringt auch am meisten Spaß.

Freiwilliger Boxenstopp: Wer das Rekupier-Spiel beherrscht, kann den Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid permament fahren, ohne eine Ladesäule aufzusuchen. Denn er kann elektrische Energie durch die Nutzung von Bewegungsenergie zurückgewinnen.
Freiwilliger Boxenstopp: Wer das Rekupier-Spiel beherrscht, kann den Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid permament fahren, ohne...Foto: Hersteller

Ich rolle am Sachsendamm von der Autobahn aus auf die Ampel zu: Stufe B5, volle Rekuperation (wofür auch immer das B steht, garantiert hat Herr Riemann mir das erklärt). Doch zu stark, schnell in Stufe B3. Mensch, da schert noch einer ein, wieder zurück auf B5, B4, B3, B2... Punktgenau komme ich vor dem roten Licht zum Stehen. Auf dem Weg zurück habe ich nur zweimal das Bremspedal betätigen müssen, bin fast zehn Kilometer elektrisch gefahren und habe dabei knapp vier Kilometer an Reichweite herausgespielt. Gefällt mir, spart nicht nur Sprit, sondern auch Bremsbeläge, dieses Auto.

Das Gute an einem Plug-in-Hybriden ist: Man kann laden, muss aber nicht

Der folgende Tag frühmorgens. Die Kinderrunde steht an. Schule und Kita, danach zur Arbeit. Das wäre in Berlin eigentlich keine Angelegenheit für das Auto. Aber unsere Kita liegt am Virchow- Klinikum und ist damit mindestens acht Kilometer entfernt. Mit dem Schlenker zur Schule und dem Weg zurück ins Büro kommen so rund 15 Kilometer zusammen. Heute hoffentlich rein elektrisch. Bei der größeren Tochter fällt das Auto übrigens direkt durch. Der Grund: Ihre Sitzerhöhung passt zwischen die beiden Babyschalen auf der Rückbank. Der Outlander hat ganz schön viel Platz da hinten. Bei erstaunlich vielen Autos klappt das schlecht oder gar nicht. Bei denen muss/darf sie vorne sitzen, was nicht gesetzeskonform und mir zu gefährlich ist. Die Tochter meckert, Papi freut’s, wir fahren los. Das Energieflussdiagramm auf dem Bildschirm in der Mittelkonsole kann sie dann etwas ablenken. Selbst wenn sie während meiner Ausführungen über das Zusammenspiel von Verbrennungs- und Elektromotor schnell wieder abschaltet. „Ja, ja, Du und Deine Autos, Papi.“ Kurz gesagt, den Alltagstest besteht er auch elektrisch. Ohne einmal den Zwei-Liter-Benziner angeworfen zu haben, komme ich im Büro an. Gefällt mir immer besser, dieser Wagen.

Nun hat ja bekanntlich alles ein Ende, und so geht trotz all dem Rekuperieren auch die elektrische Energie im Mitsubishi Outlander dann irgendwann mal zur Neige. Genauer gesagt nach zwei Tagen reiner elektrischer Fortbewegung. Nun folgt die klamme Frage: Wo laden? Meine Mitstreiter bei der Aktion Autotausch haben das Thema ja bereits besprochen. Die Quintessenz: Ist nicht so einfach. Ich bin der typische Laternenparker. Erschwerend kommt hinzu: Die nächste Ladesäule ist gut zweieinhalb Kilometer entfernt. Dafür fehlt morgens die Zeit und – ja, ich gebe es zu – auch der Wille. Das Gute und gleichzeitig Verführerische an einem Plug-in-Hybriden ist ja: Es muss ja auch nicht.

Die morgendliche Kita-Runde genügt, um den Stromspeicher wieder aufzufüllen

An dem Tag habe ich ohnehin einen Termin in Brandenburg, gut 70 Kilometer außerhalb. Das reicht beim besten Willen und vollstem Akku nicht, um rein elektrisch da hinzufahren. Also starte ich im Charge-Modus. So wird der Outlander vollständig vom Benziner angetrieben und speichert überschüssige Bewegungsenergie in die Fahrzeugbatterie. Mein Rekuperier-Spiel kann ich also weiterspielen. Bis zur Ankunft im Fläming ist die Batterie fast wieder vollständig geladen, der Rest wird auf dem Rückweg geschafft. Dann auf „Save“ gestellt. So speichert der Outlander die Energie für später. Auf der Autobahn würde ich sie ohnehin nicht richtig nutzen können, denn jenseits der 120 km/h springt automatisch der Benziner an. Auf dem Land bin ich sogar einige Meter Feldweg im Allrad-Modus gefahren. Dabei treibt der hintere Elektromotor die Hinterachse an und vorne sind wahlweise Elektro- oder Benzinmotor am Werk.

So vergehen die Tage, ohne dass ich zwingend an eine Ladesäule fahren muss. Ist die Batterie fast leer, so genügt meine morgendliche Runde, um den Stromspeicher wieder so weit aufzufüllen, dass der Rest des Tages – und oft sogar auch der Tag danach – wieder rein elektrisch drin ist. Ich weiß, der nette Herr Riemann fände das nicht so gut. Hat er mir doch extra noch einen weiteren Ladeschlüssel für die hauseigene Säule am Potsdamer Platz mitgegeben. Aber der Journalist an sich, zumal wenn er drei Kinder hat, ist ein getriebenes Wesen mit wenig Zeit. Und er ist natürlich auch bequem. So wird der Outlander für mich als Kunde wohl erst mal keine Option sein. Es sei denn, sie stellen irgendwann eine Ladesäule im Umkreis von wenigstens 500 Metern meiner Wohnung auf. Schade eigentlich, denn der Outlander hat mir gut gefallen. Und das, obwohl ich nicht mal ein SUV-Freund bin.

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