Autotausch-Teilnehmer Gerd Appenzeller : Ich habe wirklich was erfahren

Er sieht gut aus, ist nachhaltig produziert und fährt sich gut - Autotausch-Teilnehmer Gerd Appenzeller wird seinen BMW i3 vermissen. Auch wenn er die gleichen Einschränkungen mit sich bringt wie alle Elektroautos.

Daniel Andersohn (l.) und Axel Frommann (m.) von Riller+Schnauck bei der Übergabe des BMW i3 an Gerd Appenzeller (l.), Berater der Chefredaktion des Tagesspiegels. Er wird sein Elektroauto, das er zehn Tage ausprobieren konnte, vermissen. Trotz der Schwächen, die Elektroautos haben.
Daniel Andersohn (l.) und Axel Frommann (m.) von Riller+Schnauck bei der Übergabe des BMW i3 an Gerd Appenzeller (l.), Berater der...Foto: Thilo Rückeis

Also, eines ist klar: Ich werde ihn vermissen. Und meiner Frau wird er auch fehlen, der gar nicht so kleine, unglaublich wendige, spurtschnelle Elektroflitzer von BMW. Sie fährt, nun, wie soll ich das beschreiben, etwas dynamischer als ich und meint, der BMW i3 wäre genau das richtige für sie. Das Auto ist bequem, der Fahrer hat eine optimale Sicht auf die Verkehrssituation, man fühlt sich sicher in dem Wagen. Parkplatzsuche ist kein Problem, dank des sehr kleinen Wendekreises kommt man/frau wirklich in jede Lücke, die 20 cm länger als das Fahrzeug ist. Und pfiffig aussehen tut es auch. Die Designer haben sich Mühe gegeben, den innovativen Antrieb auch in einer alles andere als konservativen Karosserie zu verpacken. Und da wir direkt an der Hauszufahrt eine Steckdose haben, konnte ich den Stromer auch, wann immer nötig, über Nacht wieder aufladen. Allerdings habe ich meine Reichweite, trotz guter Tipps der Kundendienstbetreuer, nicht über die anfänglichen 135 Kilometer hinaus steigern können, und ich versichere, dass das nicht an meinem exzessiven Fahrstil lag.

Die heimische Steckdose: Würde ich nicht in einem Haus, sondern in einer Wohnung in Hermsdorf leben, entfiele diese Auflademöglichkeit. Die nächste Ladesäule steht, das habe ich über eine App heraus bekommen, am Kurt-Schumacher-Platz, mehr als acht Kilometer entfernt. Peter Marx, emeritierter Professor für Elektrotechnik an der Beuth-Hochschule, stimmte in mein Wehklagen über den Mangel an Ladestationen ein und schickte mir viel Info-Material dazu, das ich bei Bedarf dem Senator für Stadtentwicklung gerne zur Verfügung stelle.

Nun kann man natürlich sagen, dass 135 Kilometer Reichweite für ein Stadtfahrzeug ausreichen. Ich finde das nicht. Bei jeder Fahrzielentscheidung erst grübeln zu müssen, ob der Saft noch reicht, gefällt mir nicht. Und dann der Preis. In der Basisausstattung kostet der i3 von BMW 35 000 Euro, den ich im Rahmen der Aktion Autotausch der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, radioeins und dem Tagesspiegel fahren konnte. Das ist für ein Zweitfahrzeug ziemlich viel, denn ich brauche ja auch einen Wagen, um, zum Beispiel meine Töchter in Rotterdam oder Passau besuchen zu können und auch mal einen Urlaub an einem Ort zu machen, der mehr als 135 Kilometer von Berlin entfernt ist.

Wie gesagt: Vermissen werden wir ihn trotzdem. Und vielleicht entwickelt sich das mit der Reichweite ja noch.

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