Elektroautos in Berlin : Das Aufladen von E-Autos soll einfacher werden

Unterschiedliche Abrechnungssysteme, wenig Freiheit für den Nutzer: Die Ladeinfrastruktur für Elektroautos hat noch Nachholbedarf. Ein Konzept soll sich dabei bewähren.

David-Emanuel Digili
Ohne Vertrag kein Saft. Die hohe Zahl der öffentlichen Ladesäulen (500) in Berlin ist zunächst beeindruckend. Allerdings müssen erst Verträge abgeschlossen werden.
Ohne Vertrag kein Saft. Die hohe Zahl der öffentlichen Ladesäulen (500) in Berlin ist zunächst beeindruckend. Allerdings müssen...Foto: dpa

Leise surrt es durch die Straßen Neuköllns, das Elektroauto, direkt vorbei am Park am Wildenbruchplatz. In den Herbstfarben Berlins erstrahlt er, bunte Blätter decken die Wiesen in kräftiges Rot und strahlendes Gelb, die immer lichter werdenden Bäume lassen nun Raum für mehr Licht. Der sonst eher unauffällige Park lädt zu einem kurzen Spaziergang ein – besonders wenn nebenan direkt eine Ladesäule steht. Genau richtig, um das Auto während eines kurzen Herbstspaziergangs wieder aufzutanken. Wenn es denn der richtige Stromanbieter ist. Denn trotz der jüngsten Fortschritte im Bereich der Elektromobilität: Ein komplett einheitliches Ladesystem gibt es auch 2014 noch nicht.

In Berlin teilen Vattenfall und RWE nahezu den gesamten Markt für das Aufladen von Elektroautos unter sich auf. „Im Moment sind wir in einer Situation, in der es für den Nutzer noch nicht einmal möglich ist, an jeder Ladesäule problemlos sein Elektroauto aufzuladen“, sagt auch Oliver Schwedes, Leiter des Fachgebiets für Integrierte Verkehrsplanung an der Technischen Universität Berlin. Er beklagt: "Schon vor fünf, sechs Jahren, als die großen Energiekonzerne den Vertrag mit der Berliner Senatsverwaltung gemacht haben, wurde vereinbart, dass alle Emobility-Nutzer ihre Autos an allen Säulen aufladen können sollen." Das wurde allerdings bis heute nicht umgesetzt. Der Gesetzgeber solle da endlich Richtlinien vorgeben, meint Schwedes.

Unterschiedliche Anbieter, unterschiedliche Systeme

Das Prinzip ist einfach: Elektroautobesitzer schließen einen Vertrag mit dem Anbieter ihrer Wahl, um dann dessen Ladesäulen für ihr Elektroauto nutzen zu können – aber eben auch nur diese Säulen. Bei RWE schaltet dazu eine Smartphone-App die jeweilige Ladestation frei und verbindet Elektroauto mit Energiequelle über eine Identifikationsnummer im Verbindungskabel, Vattenfall setzt auf eine Ladekarte, mit der ein Nutzer an der Steckdose identifiziert wird. Eine oft unkomfortable Situation für Elektromobilisten, die sich auf einen Anbieter festgelegt haben, aber viel unterwegs sind. Hier gibt es nur die Möglichkeit, einen zweiten, eventuell gar noch einen dritten Vertrag abzuschließen. „Im Prinzip muss der Nutzer die Möglichkeit haben, an allen Ladestationen freigeschaltet zu werden, ganz gleich, aus welcher Region in Deutschland er kommt oder mit welchem Anbieter er einen Vertrag hat“, bestätigt auch Johannes Eisele, Projektmanager Energie und Ladeinfrastruktur bei der Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo). Erinnerungen an Mobilfunkverträge sind nicht nur beim Gedanken an die hier ebenfalls aufkommende monatliche Grundgebühr nicht weit hergeholt.

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1 von 22Foto: Markus Mechnich
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Das Über-Thema "Aufladen" wird bei der Emo daher auch intensiv bearbeitet. Zwar betont Eisele, dass "in Berlin rund 500 öffentliche Ladepunkte" vorhanden seien, die im Regelfall sogar zwei Ladepunkte pro Säule, drei bei den Schnellladesäulen haben. Gemessen an der Zahl der Elektroautos – knapp 1500 gibt es in der Hauptstadt – eine ansehnliche Zahl. Allerdings bestätigt auch Eisele, der Lade- und Abrechnungsvorgang könne "auch umständlich bis kompliziert sein, je nachdem, mit wem man einen Vertrag hat".

E-Roaming als Lösung?

Zwar gibt es über die Plattform ladenetz.de auch die Möglichkeit, Ladekarten für einen Verbund verschiedener Anbieter zu bestellen, Vattenfall oder auch EnBW arbeiten hier mit regionalen Dienstleistern zusammen. "Das Paradigma ist noch immer ,schneller, weiter, höher‘. Dabei geht Emobilität aber in die entgegengesetzte Richtung", sagt Schwedes. Die Rahmenbedingungen seien also aus Verbrauchersicht nicht sehr attraktiv. Dabei könnte ein Konzept den Vorgang erleichtern, beschleunigen und attraktiver machen: E-Roaming. Damit soll anbieterübergreifend das Aufladen an allen Ladesäulen möglich werden.

"Diese Initiative haben wir im vergangenen Jahr gestartet", erklärt Eisele. Im Joint Venture "Hubject" haben sich dazu Unternehmen wie EnBW, RWE, Daimler oder auch BMW zusammengeschlossen. Aktuell hat das Startup 120 Partner in ganz Europa für seine "intercharge"-Lösung, mit knapp 3000 Ladepunkten von Portugal bis Finnland. Generell aber ist noch offen, in welcher Form das Roaming weitergeführt wird. "Das Roaming muss analaog zum Mobiltelefon möglich sein. So wird dann einfach und unkompliziert monatlich abgerechnet", befürwortet auch Schwedes den Ansatz. "Als Autofahrer darf ich ja auch nicht nur an Total-Tankstellen auftanken."

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