Elektrofahrzeuge : Die ersten Autotauscher stromern los

Würden Sie Ihr Auto gegen ein Elektrofahrzeug tauschen? Viele wären da skeptisch. Dennoch haben sich 2000 Interessenten für die Aktion Autotausch beworben. Die Teilnehmer der ersten Runde haben ihre E-Autos übernommen - und erste Erfahrungen gesammelt.

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Durch das Projekt "Autotausch 2015" sollen Menschen einen schnellen Zugang zum Thema Elektromobilität erhalten, sich von der Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge überzeugen und sich vom Fahrgefühl begeistern lassen.
Durch das Projekt "Autotausch 2015" sollen Menschen einen schnellen Zugang zum Thema Elektromobilität erhalten, sich von der...Foto: eMo

Christian Brauns wusste gar nichts von seinem Glück, als er als glücklicher Gewinner für den Autotausch, eine gemeinsame Aktion der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, dem Tagesspiegel und radioeins gezogen wurde. Seine Frau hat sich heimlich beworben um ihren Mann, einen Zahnarzt aus Eberswalde, zu überraschen. Sie war schon ziemlich angetan von der Idee der Elektromobilität, er weniger.

Die Leute sind neugierig

Sein Fazit nach nicht ganz einer Woche lautet: „Das geht ziemlich gut.“ Der 36-Jährige ist allerdings ein Idealfall für die Anwendung des Renault Zoe, der ihm jetzt für zehn Tage zur Verfügung steht. „Ich lade das Auto eigentlich regelmäßig nachts zu Hause auf. Dann genügt mir die Reichweite für meine Fahrt in die Praxis und den sonstigen Besorgungen vollkommen“, resümiert der 36-Jährige. Dafür sei das Auto ideal, ist der Zahnmediziner überzeugt. Vor allem wird er fast täglich auf sein Auto angesprochen. „Die Leute sind schon sehr interessiert, ich habe schon viele Bekannte mal auf eine Runde mitgenommen“, erzählt er. Seine Helferinnen in der Praxis hat er zum Beispiel im elektrischen Renault Zoe zur Mittagspause ausgeführt. „Wir haben zwei Kinder, da wäre das Auto wohl etwas zu klein. Aber als Zweitwagen...“, sinniert Brauns.

Bei der Aktion Autotausch stehen aus dem Hause Renault gleich zwei Modelle bereit: der ZOE und der Twizy. Bevor es losgeht, bekommen die Gewinner eine Einsweisung.
Bei der Aktion Autotausch stehen aus dem Hause Renault gleich zwei Modelle bereit: der ZOE und der Twizy. Bevor es losgeht,...Foto: eMo


Ganz so unbedarft ging Wolfgang Ackenhausen nicht an die Sache ran. Kein Wunder, ist der Mann doch seit 20 Jahren in der Solarbranche tätig und kennt sich daher mit alternativen Energien bestens aus. Ein Elektroauto war allerdings auch für ihn neu. „Ich interessiere mich schon seit Längerem für Elektromobilität. Deshalb habe ich mich bei Autotausch beworben“, sagt der 67-Jährige. Dabei ist er bereits ganz früh mit Elektroautos in Berührung gekommen. „In meiner Jugend in den fünfziger Jahren waren alle Kleintransporter der Post in Hannover Elektroautos. Es gab auch Batteriewechselstationen, bei denen die Fahrer ihre Batterie einfach rausnahmen und eine neue einsetzten.“ Das dauerte keine fünf Minuten, erinnert sich Ackenhausen. Als er erfuhr, dass er für den Autotausch als Teilnehmer gezogen wurde war die Freude groß.

Diese Technik gehört der Zukunft

Allerdings wird er nicht alle Fahrten mit seinem elektrischen Smart zurücklegen können. „Meine Frau und ich wohnen abwechselnd in Brüssel und Berlin. Diese Strecke ist mit einem Elektroauto natürlich nicht zu schaffen.“ Daher ist er vornehmlich in der Stadt und rund um seinen Wohnort Teltow unterwegs. „Aber ich fahre auch sicher mal raus nach Ketzin“, sagt er. Die Kollegen seiner Bürogemeinschaft hätten sich alle schon für eine Probefahrt angemeldet. Wolfgang Ackenhausen könnte ein begeisterter Anhänger der Elektromobilität werden. „Dieser Technologie gehört die Zukunft. Schließlich wird das Öl irgendwann mal alle sein.“

Wolfgang Ackenhausen gehört zu den glücklichen Gewinnern der Aktion Autotausch und darf nun zehn Tage lang den Elektro-Smart im Alltag testen.
Wolfgang Ackenhausen gehört zu den glücklichen Gewinnern der Aktion Autotausch und darf nun zehn Tage lang den Elektro-Smart im...Foto: eMo

Weitaus skeptischer näherte sich Stephan Brix dem Thema Elektroauto. Der 50-Jährige ist Kfz-Mechaniker und hat es in seinem Alltag stets mit Autos mit Verbrennungsmotor zu tun. „Bei den ersten Fahrten hat mir schon das Geräusch eines Motors gefehlt“, sagt er. „Aber das Fahren ist prima“, konstatiert Brix, der seine Werkstatt in Pankow hat. Gewöhnungsbedürftig ist für ihn auch das Laden. „Die Bedienung der Ladesäulen ist doch recht kompliziert.“ Außerdem sind sie oft nicht so leicht zu finden. In Pankow in der Umgebung seiner Werkstatt gibt es gar keine Gelegenheit in der Nähe seinen elektrischen Renault Zoe mit Strom zu betanken. Und die App hilft da auch nicht immer, weil viele Säulen nicht richtig angezeigt würden. „Vor allem könnte die Sichtbarkeit besser sein. In Tempelhof am Platz der Luftbrücke habe ich einige Runden gedreht, bis ich die Säule gefunden habe. Nur weil sie statt wie angezeigt am rechten schließlich am linken Straßenrand stand“, erzählt Brix.

Das laden mit über eine Anbindung mit 220 Volt dauere dann eben doch lange. Am Wochenende wird er aber mit seinem Zoe eine Landpartie machen. Dann geht es an den Werbellinsee. Dort will Brix mit seiner Frau Solar-Boot fahren. Anscheinend ist er doch schon ein Stückweit mit dem Elektromobilitätsvirus infiziert.

Insgesamt zehn Teilnehmer sind am Montag mit ihren Elektroautos gestartet. Darunter Modelle wie der BMW i3, VW e-Golf, Mitsubishi i-MiEV, Renault Zoe, Elektro-Smart Nissan Leaf oder kleinen Elektroflitzer Renault Twizy. Insgesamt zehn Runden mit je zehn Teilnehmer nehmen bis Oktober an der Aktion Autotausch teil. Der Tagesspiegel wird über die Erfahrungen der höchst unterschiedlichen Teilnehmer der Aktion berichten.

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