Elektromobilität in Berlin : Fliegender Start für das E-Auto

Jetzt gilt es: Das Angebot an Elektroautos ist mittlerweile recht ansehnlich. In den kommenden zwei Jahren muss sich die Elektromobilität aber auch auf dem Markt beweisen. Wir stellen vier Projekte vor und sprachen mit Gernot Lobenberg von der Berliner Agentur für Elektromobilität.

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Der Antriebsstrang eines Elektro-Golf: Das Modul ist genauso dimensioniert wie der eines Golf mit Verbrenner. Dadurch können die verschiedenen Modelle auf einer Linie produziert werden.
Der Antriebsstrang eines Elektro-Golf: Das Modul ist genauso dimensioniert wie der eines Golf mit Verbrenner. Dadurch können die...Foto: promo

Manchmal ist es schwierig, die Dinge im richtigen Licht zu betrachten. Vor gut vier Jahren schien kein Weg mehr am Elektroauto vorbeizuführen. Hersteller, die sich nicht dem Thema verschrieben hatten, wurde als gestrig gebrandmarkt, Skeptiker gar angefeindet. Aber wie das so ist mit den großen Trends, sie haben oft eine kurze Halbwertszeit. Dem Thema Elektromobilität werden solche kurzfristigen Denkweisen jedenfalls nicht gerecht. Der Verbrennungsmotor hatte 125 Jahre Zeit, sich zu entwickeln und zum Antrieb unserer Gesellschaft zu werden. Dem Elektroauto werden nicht mal zehn Jahre gegönnt, um sich zu einer ernsthaften Alternative zu entwickeln.

Angesichts dieser Diskrepanz sind die Fortschritte im Grunde enorm. Das Jahr 2014 zeigt, wie stark der Denkanstoß, den die Autokrise der Jahre 2008 und 2009 gebracht hat, auf die Autobauer gewirkt hat. Premieren wie die des E-Golf, des BMW i8 oder der bereits zweiten Generation des Nissan Leaf in den vergangenen Monaten zeigen, wie ernst die großen Autokonzerne das Thema in Wirklichkeit genommen haben. Wer die Entwicklungszyklen und Prozesse dieser Industrietanker kennt, der weiß, dass sich hier langfristig aus der Evolution heraus eine Revolution abzeichnet.

Elektroautos werden Normalität

In Metropolen wie Berlin mögen Elektroautos immer noch eine Seltenheit sein, eine Sensation sind sie schon lange nicht mehr. Der smarte Zweisitzer Twizy von Renault fährt hier und da schon Pizzen zu den Kunden, der ein oder andere Pflegedienst ist mit einem Elektro-Smart unterwegs und die Hybride von Toyota und anderen gehören schon längst zum Alltag. Die schleichende Elektrifizierung unserer Mobilität ist kaum zu übersehen, auch wenn die Zulassungszahlen immer noch gering sind.

Die kalifornische Firma Tesla ist mit dem Model S wieder mal nach vorne geprescht. Eine gut aussehende Mittelklasselimousine mit einer Reichweite von rund 400 Kilometer, das ist eine Ansage an die Branche.
Die kalifornische Firma Tesla ist mit dem Model S wieder mal nach vorne geprescht. Eine gut aussehende Mittelklasselimousine mit...Foto: promo

Dass die Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht haben, zeigen unter den deutschen Autobauern vor allem Volkswagen und BMW. Es sind keine Schnellschüsse, die beide Marken in den letzten Monaten auf den Markt gebracht haben. Beispiel E-Golf: Bei VW hat man sich viele Gedanken gemacht, wie der Wolfsburger Bestseller zukunftsfähig gemacht werden kann. Das betrifft die Technik, aber auch die Produktion. Im Stammwerk laufen bereits Verbrenner, Gasfahrzeuge, Hybride und Elektroautos vom Band. Die Reihenfolge ist völlig beliebig. Produziert wird, was der Kunde bestellt. So könnte die Zukunft der Produktion in der Autoindustrie aussehen.

Es kommt der Fahrspaß ins Elektroauto

Anderes Beispiel BMW: Die Bayern, eigentlich nicht unbedingt bekannt für besonders nachhaltige Antriebe, haben eine ganze Submarke für Elektromobilität aus dem Boden gestampft. Und das nicht als Marketing-Coup. Schon der i3 im vergangenen Herbst zeigte, wie ernst es den Münchnern mit dem Thema ist. Ein neues Karosseriekonzept, neue Materialien und ein durchdachtes Mobilitätskonzept rund um das erste Elektroauto von BMW belegen das Engagement, mit dem hier an das Thema Elektromobilität herangegangen wird. Noch einen Schritt weiter geht die Markteinführung des Hybridsportlers i8. Ein Auto, das selbst den größten Vollgasignoranten zu einem Elektro-Fan machen könnte. In 4,4 Sekunden von 0 auf 100, 362 PS Systemleistung und das bei einem theoretischen Verbrauch von 2,5 Litern auf 100 Kilometern. Und das ist keine Zukunftsvision oder Messestudie, sondern steht ab Juni konkret beim Händler.

Der Golf als Massenprodukt könnte dem Absatz von Elektroautos einen Schub geben.
Der Golf als Massenprodukt könnte dem Absatz von Elektroautos einen Schub geben.Foto: promo

Wie umfassend der Wandel ist, den uns die Elektromobilität bringt, zeigt sich aber an anderer Stelle. Zum Beispiel an den Projekten der Berliner Agentur für Elektromobilität. Im Rahmen der Schaufensterprojekte erproben Wirtschaft und Politik neue, elektrifizierte Logistikketten, etwa die Belieferung des KaDeWe durch E-Lkws. Oder Smart Grid, die intelligente Einbindung von Elektroautos in unsere Energieversorgung. So könnte Strom von Windkrafträdern und Solarzellen künftig gespeichert und effizient genutzt werden. Nur Beispiele aus der Schatzkiste der Ideen, die morgen unseren Alltag verändern könnten. Eines wird dabei heute schon klar: Die Entwicklung steckt erst in ihren Kinderschuhen und wird unser Leben langfristig ebenso nachhaltig verändern, wie es der Verbrennungsmotor vor 100 Jahren tat.

Aber nur kein neuer Hype, der Wandel geht langsam, aber stetig vonstatten. Dass er aber kommt ist, angesichts der Entwicklungen in der Autobranche, unbestreitbar. Und er wird nicht zwingend mit Verzicht einhergehen. Das zeigt der BMW i8 oder auch der Brabus Smart ED, den wir auf Seite 20 für Sie getestet haben. Auch wenn das Elektroauto langsam, aber sicher zum Alltag gehört, die Elektromobilität steht erst am Anfang. Aber der sieht schon sehr vielversprechend aus.

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