Elektroroller BMW C Evolution : Ein Spaß für Spritsparer und Idealisten

BMW bringt mit dem C Evolution den weltweit ersten Elektroscooter im Premiumsegment heraus – teuer, aber macht Spaß.

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Überraschend agil: Nach den ersten Kilometern im Stadtverkehr muss man unter dem Helm grinsen. Der Roller macht Spaß, er ist nicht schwer zu hantieren. Foto: Sabine Beikler
Überraschend agil: Nach den ersten Kilometern im Stadtverkehr muss man unter dem Helm grinsen. Der Roller macht Spaß, er ist nicht...Foto: Sabine Beikler

Tante Paula in Barcelona! Mit den Elektrorollern aus Hamburg düsen die Youngster an der Strandpromenade entlang. Und nicht nur Tante Paula fährt in der katalanischen Hauptstadt herum: Scooter sind in der 1,6 Millionen Einwohner zählenden Metropole das angesagte Verkehrsmittel. BMW-Motorradchef Stephan Schaller spricht von einer "Scootermetropole", in der rund 300 000 Zweiräder unterwegs sind. Zu diesem "Hot spot" hat BMW eingeladen, um den C Evolution zu testen – der weltweit erste elektrisch angetriebene Maxiscooter im Premiumsegment, der seit Anfang Mai bei den Händlern steht.

"Die Zeichen stehen auf grün", sagt Schaller und schwärmt von "Ampelstarts" und "Fahrspaß". Die Skepsis bei den Journalisten, die auf Einladung von BMW angereist sind, ist vor der ersten Fahrt nicht zu übersehen. Die meisten sind eingefleischte Motorradfahrer, die gern Power und satten Sound schätzen.

BMW C Evolution mit Stromgriff

Bei der Einweisung auf die Fahrzeuge, die eine Leistung von 11 kW (15 PS) und eine Spitzenleistung von 35 kW (47,5 PS) erreichen, gibt es schon mal Irritation. Der Gasgriff heißt Stromgriff. Angelassen wird der Scooter mit Ziehen des Bremshebels und Drücken der Starttaste. Auf dem Monitor sieht man, dass sich das Fahrzeug einschaltet und vom Modus Off in den Modus Ready wechselt. Nur: Es passiert nichts. Kein Geräusch, kein Klacken, kein Vibrieren. Beim Drehen am Stromgriff aber geht der Scooter ab wie eine Rakete.

Das maximale Drehmoment beträgt immerhin 72 Newtonmeter, das über den Drehzahlbereich bis 4500/min zur Verfügung steht. Mit diesem starken Antrieb kann man selbst andere Zweiräder an der Ampel hinter sich lassen. Der C Evolution spurtet in nur 2,7 Sekunden von 0 auf 50 km/h, in 6,2 Sekunden auf 100 km/h. Abgeriegelt wird der Roller bei etwa 120 km/h.

Farbe bekannt: Die Kombination von Weiß und "Electric green" fällt durchaus angenehm auf. Das Farbenspiel soll die Umweltverträglichkeit eines Zero-Emission-Fahrzeugs unterstreichen. Foto: Sabine Beikler
Farbe bekannt: Die Kombination von Weiß und "Electric green" fällt durchaus angenehm auf. Das Farbenspiel soll die...Foto: Sabine Beikler

Nicht nur deshalb fällt der geräuschlose, 265 Kilogramm schwere Roller auf. Farblich sticht die Kombination von Weiß und "Electric green" durchaus angenehm ins Auge. Das Farbenspiel soll natürlich auch die Umweltverträglichkeit eines Zero-Emission-Fahrzeugs unterstreichen. Auch das große Farbdisplay ist sehr gut lesbar mit Informationen über Geschwindigkeit, Batterieladezustand, Durchschnittsgeschwindigkeit, Bordnetzspannung oder die Restreichweite in Abhängigkeit vom Fahrmodus.

Grinsen unter dem Helm

Nach den ersten Kilometern im Stadtverkehr muss man unter dem Helm grinsen. Der Roller macht Spaß, er ist nicht schwer zu hantieren. Nachhaltigkeit und emissionsfreies Fahren bekommen einen anderen Sinn, wenn man in einer Großstadt nur einmal darüber nachdenkt, wie sehr der Lärmpegel sinken würde, würden deutlich mehr Elektrofahrzeuge herumfahren. Den EU-Parlamentariern sind die Elektrofahrzeuge aber zu leise. Tatsächlich können diese zu einer Gefahr für Fußgänger und Radfahrer werden.

Sehbehindertenverbände warnen vor geräuscharmen Fahrzeugen. Das EU-Parlament hat nun beschlossen, dass die Hersteller bis Juli 2019 akustische Fahrzeugwarnsysteme in Elektro- und Hybridfahrzeuge einbauen müssen.

Als wir den 500 Meter hohen Tibidabo, den kurvenreichen Hausberg von Barcelona, äußerst zügig hochfahren, verliert man das Gefühl, auf einem laut Zulassung Leichtkraftroller zu sitzen, der mit der Führerscheinklasse A1 ab 16 Jahren gefahren werden darf. Der Scooter dürfte für einen Jugendlichen jedoch kaum bezahlbar sein: Er kostet 15000 Euro plus Nebenkosten. Zur Ausstattung gehören serienmäßiges ABS und die Schlupfkontrolle für das Hinterrad, LED-Tagfahrlicht, Heizgriffe und Extras gegen Aufpreis.

BMW beweist Mut

Der Scooter profitiert technisch von der Entwicklung des elektrisch betriebenen BMW i3: Die Speichermodule der Lithium-Ionen-Batterie, die Steuerelektronik und die Sicherheitstechnik entstammen dem i3. Statt eines Rahmens dient das Batteriegehäuse als zentraler Bestandteil des Fahrwerks.

Die Acht-kWh-Speicherkapazität der Batterie (Nennspannung 133 Volt) ermöglicht eine Reichweite bis zu 100 Kilometer im „Road-Modus“, einen von vier Fahrmodi. Diese Werte sind nach der 57 Kilometer langen Testfahrt glaubwürdig. Bei einem Energievorrat von 48 Prozent zeigte der Bordcomputer eine Restreichweite von 58 Kilometern. Und „Bonuspunkte“ erhält man durch die Rekuperation oder Bremsenenergierückgewinnung. Beim Bremsen und im Schubbetrieb treibt das Hinterrad die elektrische energieerzeugende Elektromaschine an. Der erzeugte Strom wird der Batterie zugeführt. Im Modus „Eco Pro“ sind Beschleunigung und Energieentnahme begrenzt. Es wird zwar maximal rekuperiert, aber das Fahren macht weniger Spaß. Im Modus „Sail“ wird nicht rekuperiert, der C Evolution rollt ohne Bremswirkung. Für die dynamische Fahrweise wird im Modus „Dynamic“ die volle Beschleunigung mit starker Rekuperation gewählt.

Das Fahren mit dem C Evolution macht ohne Frage Spaß. Aber wie kann man in einer 3,4 Millionen großen Stadt wie Berlin mit einem 85-prozentigen Mietwohnungsanteil praktisch die Batterie aufladen? Die Ladezeit an einer Haushaltssteckdose soll vier Stunden betragen. Dass sich BMW mit dem Elektroscooter auf einen Markt wagt, der politisch immer noch recht stiefmütterlich behandelt wird, muss man anerkennen. Wie hoch die Stückzahl der im Werk Spandau produzierten Roller sein wird, lässt BMW offen. Nach oben seien der Produktion aber keine Grenzen gesetzt.

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