Erfahrungsbericht Elektromobilität : Meine ersten Tage mit dem BMW i3

Gerd Appenzeller, früherer Herausgeber des Tagesspiegels und heutiger Berater der Chefredaktion, tauscht zehn Tage lang seinen Benziner gegen ein Elektroauto. Die ersten Eindrücke mit dem BMW i3...

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Zehn Tage unter Strom: Gerd Appenzeller, Berater der Tagesspiegel-Chefredaktion, ist Teilnehmer der Aktion Autotausch 2015 und darf nun den neuen BMW i3 im Alltag auf Herz und Nieren testen.
Zehn Tage unter Strom: Gerd Appenzeller, Berater der Tagesspiegel-Chefredaktion, ist Teilnehmer der Aktion Autotausch 2015 und...Foto: Thilo Rückeis

Es ist nicht mein erster BMW, sondern mein vierter. Aber der erste elektrische. Ein Stromer, leihweise, für zwei Wochen. So einen BMW hatte ich noch nie, schon vom Äußeren her. Er sieht ein bisschen wie ein Experimentalauto aus, irgendwie auch knuffig. Die eine Tochter  schreibt „Wow!“, als sie das Bild bei Whatsapp sieht, die andere kommentiert: „Sieht interessant aus“.

Die magische Zahl 135

Vor allem fährt er sich interessant. Ein Beschleunigungsvermögen, das die Fahrer großer Kisten, die neben mir an der Ampel stehen, alt aussehen lässt. Ein extrem kleiner Wendekreis. Bequemer Einstieg, der mittlere, der B-Holm, ist raffiniert mit der hinteren Tür verbunden und klappt mit ihr weg. Die hohe Sitzposition werden kleinere Fahrer zu schätzen wissen. Und herrlich leise ist der „Kleine“. Das ist aber auch eine Gefahr. Wenn ich mich Radfahrern oder Fußgängern nähere, muss ich immer bedenken, dass die mich nicht hören – oder fast nicht. Also defensiv fahren – das ist bei einem Stromer das oberste Gebot. Das Manko des BMW 3i: Der Kofferrum ist sehr klein, und Platz für vier Personen ist da nicht, hinter mir könnten nicht einmal meine siebenjährigen Enkel sitzen.

Initiator der Aktion Autotausch ist die Berliner Agentur für Elektromobilität eMo. Zusammen mit dem Tagesspiegel und radioeins soll die Öffentlichkeit für das Thema Elektrofahrzeuge sensibilisiert werden.
Initiator der Aktion Autotausch ist die Berliner Agentur für Elektromobilität eMo. Zusammen mit dem Tagesspiegel und radioeins...Foto: eMo

Jetzt aber zu dem, was bei einem E-mobil wohl am meisten interessiert: die Reichweite. Als ich den Wagen am Montagmittag übernehme, liegt sie bei 135 Kilometern. Ich mache zwei Runden um den Block, um mich an das Fahrzeug zu gewöhnen, fahre 14 km nach Hause – und habe noch eine Reichweite von 110 Kilometern. Also hänge ich den Wagen über Nacht an die Außensteckdose, die, an der ich normalerweise den Rasenmäher anschließe. Am nächsten Morgen steht die Reichweite wieder bei 135 Kilometern. Die ganze Nacht hat mir also 25 km mehr gebracht – das ist nicht viel. Also schaue ich auf meinem Verlagsparkplatz nach einer Steckdose und gehe bei der Kollegin im Büro des Bootshandelns für drei Stunden Strom schmarotzen. Dann bin ich wieder bei 135 km. Am Abend habe ich aber einen Termin in Oranienburg. Das sind 49,4 km bis zu meinem Ziel, und nach Hause muss ich anschließend ja auch wieder. Das ist mir zu riskant. Da nehme ich lieber meinen Audi-Diesel, da muss ich nicht dauernd gebannt auf die Instrumente schauen – wenn ich mit dem Stromer energielos liegen bleibe, hilft ja nur noch der Abschleppwagen vom ADAC.

Am Mittwoch suche und finde ich am Potsdamer Platz eine richtige Ladesäule. Nach vier Stunden ist der Akku voll, meine Reichweite: 135 km. Das muss eine magische Zahl sein. Warum ist da nicht mehr drin? Ich rufe Daniel Anderssohn an, Verkaufsleiter beim BMW-Händler Riller&Schnauck. Er erklärt mir, dass die Reichweite durch meinen Fahrstil bedingt ist. Wenn ich das Gaspedal nicht durchdrücke, wenn ich nicht bremse, und dadurch Energie vernichte, stattdessen die Motorbremse nutze und damit die Energierückgewinnung, dann ist das steigerbar auf 160 km. Das sei dann aber auch ziemlich die Grenze des Machbaren. Ich beschließe, das über das Wochenende zu testen. Und lerne, dass ich mit diesem Auto leider nicht zur Bundesgartenschau nach Havelberg fahren kann.

Lesen Sie am Wochenende den Abschlussbericht von Gerd Appenzeller unter www.Tagesspiegel.de/Mobil

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