Hyundai ix35 Fuel Cell : Wasserstoff-Auto wird billiger

In Sachen Brennstoffzelle gab Daimler lange den Ton an, werbewirksam umrundeten 2011 drei Mercedes-Benz B-Klassen die Erde - betankt mit Wasserstoff. Jetzt steht mit dem Mirai das erste Toyota-Modell vor der Markteinführung. Hyundai reagiert und senkt die Preise für seinen Hyundai ix35 Fuel Cell.

Paul-Janosch Ersing
Vorreiter: Hyundai ist der erste Hersteller mit Wasserstoff in Großserie. Nun ist der ix35 Fuel Cell günstiger geworden. Foto: promo
Vorreiter: Hyundai ist der erste Hersteller mit Wasserstoff in Großserie. Nun ist der ix35 Fuel Cell günstiger geworden.Foto: promo

Die Fahrt mit dem Brennstoffzellenauto aus Südkorea gewinnt an Spannung, als die Reichweitenanzeige von 115 auf 114 Kilometer springt: Eine gelbe Reservelampe leuchtet auf und der kleine Bildschirm zwischen den Rundinstrumenten zeigt einen Hinweis. Man möge doch bitte demnächst an eine Betankung denken. In einem Fahrzeug mit herkömmlichem Verbrennungsmotor wäre das nicht wirklich erwähnenswert – in einem Elektroauto, das den Strom von einer Brennstoffzelle bezieht, allerdings schon. Denn das Beispiel der Reservelampe veranschaulicht ein Problem von batterieelektrischen Autos, wie man sie heute bereits kaufen kann: Reichweite. Bei ihnen müsste dieses Lämpchen quasi dauernd leuchten – denn ihr Aktionsradius beträgt unter Alltagsbedingungen nur in Ausnahmefällen mehr als 115 Kilometer. Brennstoffzellenfahrzeuge verlangen von ihren Fahrern hingegen weniger Umdenken beim Nutzungsverhalten: Theoretisch kommt der Hyundai ix35 Fuel Cell mit vollständig gefüllten Wasserstofftanks bis zu 594 Kilometer weit. Im Alltag auf der Straße ist es freilich etwas weniger, aber mehr als 500 Kilometer zwischen zwei Tankvorgängen sind bei vernünftiger Fahrweise allemal drin.

Große Reichweite, aber wenig Tankmöglichkeiten

Diese Reichweite ist allerdings auch bitter nötig. Denn die Betankung ist und bleibt der Knackpunkt der Brennstoffzellentechnologie. Wasserstoff wird hierzulande nicht gerade an jeder Ecke feilgeboten: Die einzigen Städte, in denen heute bereits mehr als eine Zapfsäule in Betrieb ist, sind Berlin, Hamburg und Stuttgart. Als weitere Standorte verzeichnet die Online-Übersichtskarte der Wasserstoff-Initiative (Clean Energy Partnership) derzeit nur noch Düsseldorf, Frankfurt am Main, Freiburg und Karlsruhe. Eine H2-Tankstelle in München sowie eine an der A3 zwischen Nürnberg und Würzburg stehen kurz vor der Eröffnung.

Abgasfreie Beschleunigung: Mit 136 PS gibt es echten Fahrspaß ohne Abgase und Motorenlärm. Foto: promo
Abgasfreie Beschleunigung: Mit 136 PS gibt es echten Fahrspaß ohne Abgase und Motorenlärm.Foto: promo

Dabei könnte alles so einfach sein. Ist eine Abgabestation gefunden, vollzieht sich der Tankprozess ähnlich wie bei einem Auto mit Erdgas- oder Flüssiggasantrieb: Die Drucktanks (700 bar) sind in wenigen Minuten wieder mit bis zu 5,64 Kilogramm Wasserstoff gefüllt. Bei einem aktuellen Kilo-Preis von 9,99 Euro entsprechen die Kosten je zurückgelegtem Kilometer in etwa dem eines Fahrzeugs mit Benzinmotor. Ein Preisbrecher ist die Fortbewegung mit Wasserstoff zum gegenwärtigen Zeitpunkt also noch nicht, aber die Freude über die abgasfreie Beschleunigung (136 PS/100 kW) ist unbezahlbar.

Leise und abgasfrei von A nach B

Die Technologie an sich klingt zu schön, um wahr zu sein: In der Brennstoffzelle, von der mehrere zu einem sogenannten Stack (englisch: Stapel) zusammengefasst sind, verbinden sich Wasserstoff und Sauerstoff und setzen dabei Energie frei. Diese treibt als Strom das Fahrzeug an. Das einzige Nebenprodukt dieser Reaktion ist Wasser, das an kalten Tagen in Form zarter Dampfwölkchen am Heck austritt.

Umweltfreundlich: In der Brennstoffzelle verbinden sich Wasserstoff und Sauerstoff und setzen dabei Energie frei, die als Strom das Fahrzeug antreibt. Das einzige Nebenprodukt ist Wasser. Foto: promo
Umweltfreundlich: In der Brennstoffzelle verbinden sich Wasserstoff und Sauerstoff und setzen dabei Energie frei, die als Strom...Foto: promo

Schon nach den ersten Kilometern mit dem Hyundai ix35 Fuel Cell notieren wir: Das Fahrverhalten entspricht dem eines ganz gewöhnlichen Automobils. Aufgrund des höheren Fahrzeuggewichts (1830 Kilogramm) ist die Federung vergleichsweise straff abgestimmt, was bei Fahrbahnunebenheiten hin und wieder zu Poltern führt. Der entscheidende Unterschied: Es geht ausgesprochen leise von A nach B. Um Fußgänger zu warnen, ertönt bis 20 km/h aus einem Außen-Lautsprecher ein künstliches Motorgeräusch, das sich allerdings eher nach weit entferntem Xylophon-Spiel anhört; bei eingelegtem Rückwärtsgang erinnert der Klang an dumpfes Glockengeläut. Beides ist jedoch so gedämpft, dass es in der Stadt kaum hörbar ist. Für längere Strecken fehlen ein Tempomat, eine Durchschnittverbrauchsanzeige und ein Online-Navigationsgerät, das den aktuellen Status der wenigen Wasserstoff-Tankstellen im Land anzeigt. Denn es ist doch etwas frustrierend, wenn man mit leergefahrenem Tank an die Zapfsäule rollt und einen dort das Schild „Wegen Wartung geschlossen“ empfängt.

Noch einige Hürden bleiben

Nicht nur Ökonomen erwarten, dass mit einer steigenden Anzahl von Brennstoffzellenfahrzeugen die Größe des Tankstellennetzes steigt – und der Preis für den Energieträger sinkt. Die weltweiten Verkaufszahlen des seit Januar 2013 produzierten Hyundai ix35 Fuel Cell sind derweil ernüchternd, sie liegen im dreistelligen Bereich. Immerhin senkte Hyundai gerade den Preis für Europa deutlich auf 65 450 Euro. Damit liegt der zukunftsträchtige Hyundai ix35 Fuel Cell jetzt unterhalb des ebenfalls mit Wasserstoff betriebenen Mirai, den Toyota ab kommenden Herbst für 78 850 Euro offeriert.

Auch wenn Hyundai und Toyota den wichtigen Schritt zum Verkauf an Privatkunden bereits vollzogen haben, Honda 2016 ebenfalls ein H2-Modell ins Rennen schickt und die Kooperation von Daimler, Ford und Nissan wie angekündigt ab 2017 tatsächlich Autos in Großserie präsentiert, bleiben für alle Hersteller drei große Hürden bestehen: Noch sind die Kosten der für die Brennstoffzelle nötigen Werkstoffe – allen voran das für die Beschichtung der Membran eingesetzte Edelmetall Platin – viel zu hoch, ein alltagstaugliches Tankstellennetz lässt weiterhin auf sich warten, und selbst wenn die Zapfpistolen flächendeckend installiert sind, bleibt die Frage nach der Herkunft des Wasserstoffs. Denn dessen Nutzung ergibt nur dann Sinn, wenn für seine Erzeugung ausschließlich regenerative Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasserkraft verwendet werden.

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