Neue Ladetechnik für Elektroautos : Mehr Freiheit beim Laden

Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist oft noch ein kritischer Punkt der Elektromobilität. Ubitricity steht mit einem Gegenentwurf in den Startlöchern - eine simple Idee könnte die Technik revolutionieren.

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Laden an der Laterne. Bei geringen Ausrüstungskosten könnten mit der Technik von Ubitricity zahlreiche Straßenlaternen zu Ladestationen werden.
Laden an der Laterne. Bei geringen Ausrüstungskosten könnten mit der Technik von Ubitricity zahlreiche Straßenlaternen zu...Foto: Promo

400 öffentliche Ladesäulen stehen in Berlin für Elektroautos bereit. Doch im öffentlichen Straßenbild sieht man selten Fahrzeuge beim Laden. Verschiedene Betreiber, unterschiedliche Abrechnungsmodelle machen das Laden im öffentlichen Raum unübersichtlich. Wenn es nach Frank Pawlitschek und Knut Hechtfischer geht, könnte sich das bald ändern. Die beiden Gründer von Ubitricity haben ein intelligentes System entwickelt, das Stromtanken künftig einfacher machen soll.

Der Trick: Bei Ubitricity steckt die Technik nicht in der Erde oder in einer Säule sondern im Kabel. Für den Anschluss am Stromnetz braucht es dann nur noch eine Systemsteckdose, die nur ihre Identität an das Kabel weitergeben muss. Diese enthält keine aufwendige Technik für Online-Kommunikation oder Autorisierung. Die Intelligenz steckt im Kabel. Schließt ein Nutzer sein Kabel an die Steckdose an, so autorisiert die Technik über Mobilfunk den Ladevorgang und schaltet dann den Strom frei. Die Kosten für die Steckdose, die jeder Elektrofachmann in kurzer Zeit installieren kann, sollen später in der Serie bei rund 100 Euro liegen. Die Kosten für das Kabel, dass die Elektroauto-Besitzer dann erwerben, kostet wahrscheinlich ebenso viel.

Steckdose für Straßenlaternen

Das macht Ladeinfrastruktur auch für Parteien erschwinglich, die nicht bereit sind die Kosten von bis zu 15 000 Euro für eine konventionelle Ladesäule aufzubringen. Arbeitgeber zum Beispiel oder Vermieter, die ihren Mitarbeitern oder Mietern das Laden von Elektroautos auf dem hauseigenen Parkplatz ermöglichen wollen. Mit einer kleinen Investition kann so Elektronmobilität gefördert und gleichzeitig den Elektroauto-Pionieren das Leben erleichtert werden. Den Strom bezahlt der Arbeitnehmer oder Mieter selbst, da die Abrechnung nicht über die Steckdose sondern das Kabel erfolgt. Und dieser kann frei wählen, von welchem Anbieter er seinen Strom bezieht. „Perspektivisch kann sogar der Strom der hauseigenen Solaranlage auch unterwegs geladen werden“, sagt Pawlitschek.

Neben privaten Interessenten hat das Berliner Startup aber vor allem Kommunen im Visier. Ubitricity hat eine Systemsteckdose entwickelt, die sich einfach an den meisten moderneren Straßenlaternen installieren lässt. Die Kosten sind dabei kaum höher als bei den übrigen Steckdosen von Ubitricity. Einmal installiert könnte jeder Nutzer sich einfach an die nächste Laterne anschließen, wo er gerade sein Auto zum Parken abstellt. Während der Arbeitszeit und dem Einkaufsbummel wird der Akku des E-Autos wieder gefüllt. Feldversuche dazu laufen derzeit in Baden-Württemberg und in Berlin. Doch die Kommunen sind noch recht zögerlich was die Freigabe ihrer Laternen für die Technik angeht. Obwohl die Kosten für die Installation im Feldversuch von Ubitricity getragen werden.

Dennoch, es werden immer mehr und die Suche von Elektroautobesitzern nach der nächsten Ladesäule könnte schon bald für Kunden von Ubitricity deutlich kürzer ausfallen. Vor allem den sogenannten Laternenparkern könnte diese Technik zugute kommen. Für alle, die keine eigene Garage haben, ist das Laden eines Elektroautos eine teils hochkomplexe Aufgabe. Im kommenden Jahr wird es für Ubitricity ernst. „Wir befinden uns derzeit in der fortgeschrittenen Testphase“, sagt Frank Pawlitschek. „Der kommerzielle Start ist für Mitte 2015 geplant.“

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