Unterwegs mit Elektroauto beim Autotausch : Entspannt Bäumchen wachsen lassen

Kaffepause am Potsdamer Platz, tägliche Suche nach Ladestationen - Der Nissan Leaf, den Gerd Nowakowski im Rahmen der Aktion Autotausch fährt, verändert das Leben. Manchmal positiv, manchmal auch negativ.

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Kaffee-Stopp. Gerd Nowakowski, leitender Redakteur, unterwegs am Potsdamer Platz im Elektroauto Nissan Leaf. Foto: Mike Wolff
Kaffee-Stopp. Gerd Nowakowski, leitender Redakteur, unterwegs am Potsdamer Platz im Elektroauto Nissan Leaf.Foto: Mike Wolff

Der Nissan Leaf kann dein Leben verändern. Wirklich. Schon nach wenigen Tagen gehört die Kaffeepause am Potsdamer Platz zum Tagesablauf dazu. Durchaus ein Gewinn an Lebensqualität. Dreißig Minuten hängt derweil der Leaf an der Schnellladesäule hinter den Potsdamer Platz Arkaden – dann ist die Batterie wieder nahezu voll. Freilich: In ganz Berlin gibt es nur drei dieser superschnellen Ladestationen. Sonst ist man angewiesen auf die normalen. Die sind meist nicht in der Nähe der Wohnung und benötigen acht Stunden, bis voll geladen wurde. Dann aber sind es immerhin 150 Kilometer Reichweite – das reicht für den Stadtverkehr. Fährt man aber täglich weite Strecken, fühlt es sich komisch an, wenn die Anzeige rapide runterzählt.

Beim Fahren entschädigt der Leaf, den ich im Rahmen der gemeinsamen Aktion Autotausch der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, des Tagesspiegels und radioeins derzeit fahre, für die morgendliche Streckenkalkulation. Eine Schönheit ist er ja nicht, kann aber mit inneren Werten punkten. Das fängt damit an, dass man den Autoschlüssel in der Tasche lassen kann, geht weiter bei der guten Ausstattung und endet bei der himmlischen Fahrruhe. Geräuschlos gleitet man durch den Verkehr; erschreckend für manche Fußgänger und Radler.

Beim Ampelstart merkt der Nachbar auf

Wer bislang einen Automatik-Wagen fährt, findet sich sofort zurecht mit dem kleinen Schaltknopf, für andere ist der direkte Antrieb etwas gewöhnungsbedürftig. Etwas unerwartet ist, wie enorm der Wagen beschleunigt, wenn man aufs Gaspedal, pardon, Strompedal, tritt. Da merkt beim Ampelstart auch der BMW-Fahrer neben einem auf.

Aber eigentlich geht es ja um was ganz anderes: um umweltfreundliches Fahren. Wer defensiv und vorausschauend fährt, wer vor roten Ampeln schon früh vom Gaspedal geht und mit der Rollenergie die Batterie auflädt, der wird auf dem Display mit einem emporwachsenden Baum belohnt. Gutes Gefühl, wenn man erstmalig eine ganze Tanne mit voller Spitze geschafft hat. Kann süchtig machen. Bisher habe ich es aber nur einmal geschafft. Aber ich kann ja noch eine Woche trainieren. Und täglich die Kaffeepause genießen.

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