Vorstellung BMW i3 : Gekommen um zu stromern

Der macht vieles anders und ist doch gar nicht so unkonventionell: Mit dem BMW i3 startet in München das Zeitalter der Elektromobilität. Die Blau-Weißen stellen ein rundes Paket für das Auto bereit, dass dafür gemacht ist den Kunden die Ängste zu nehmen.

von
Jetzt wird es ernst für das Project i: Mit dem BMW i3 geht das erste Großserienmodell der Submarke an den Start.
Jetzt wird es ernst für das Project i: Mit dem BMW i3 geht das erste Großserienmodell der Submarke an den Start.Foto: Uwe Fischer

Irgendwie wirkt er wie ein alter Bekannter. Oft gesehen auf zahlreichen Messen, jüngst im Vorfeld der IAA in Frankfurt erstmals serienreif präsentiert und auf der Autoshow selbst als Highlight von den PR-Strategen der Münchner geschickt positioniert, ist der BMW i3 ein bekanntes Gesicht. Aber jetzt wird es ernst mit der neuen Submarke, die die alternative Mobilität jenseits der sonstigen Modelle mit dem blau-weißen Markenemblem vertreiben soll. Schon Mitte November wird er in einer eigens kreierten Umgebung, der sogenannten "i-World" bei den Händlern erscheinen. Dann gibt es das erste reine Elektroauto von BMW tatsächlich zu kaufen. Die erste Fahrprobe stand bisher aber noch aus. Kurz vor dem Marktstart gab es nun die Gelegenheit das Auto im gewöhnlichen Straßenverkehr unter normalen Bedingungen zu testen. Nun soll also die Frage beantwortet werden, wie sich der BMW i3 anfühlt, wie es sich darin sitzt und, vor allem, wie er sich fährt. Und obwohl sich das Auto so bekannt anfühlt gibt es noch die ein oder andere Überraschung.

Schon das Platz nehmen fühlt sich anders an, als es von außen aussieht. Erst mal lässt der Opel Meriva grüßen. Die beiden Türen vorne und hinten öffnen gegenläufig. Vor allem aber lässt sich die hintere Tür nur bei offener Vordertür aufschwingen. Wer hier auf der Rückbank alleine gelassen wird, der kann dem Auto nur als Schlangenmensch entkommen. Auch die Fenster hinten lassen sich nicht öffnen. Bei BMW geht man wohl eher davon aus, dass dir Rückbank eher selten besetzt wird. Durchaus typisch für ein Stadtauto.

Hanf auf dem Armaturenbrett

Glitzert die Hülle des bayerischen Elektromobils noch ganz technoid in Silber und Blau, so werden die Passagiere innen von Nachhaltigkeit begrüßt. Zumindest soll das Armaturenbrett aus mit Kunststoff umgossenen Hanffasern das symbolisieren. Davor sitzen wahlweise Holz- oder Plastikabdeckungen. Das zentrale Display hinter dem Lenkrad ist klein, aber vollständig digital. Hier ist dieser BMW ganz und gar "i", zeigt sein eigenes Gesicht. Auf einem Bedienstock hinter dem Lenkrad findet sich der Start- und Stoppschalter für das Auto. Ist das E-Auto angeschaltet, dann erscheint ein digitalisierter i3, der sich einmal um die eigene Achse dreht. Dieses weicht einer denkbar einfachen, aber optisch ansprechenden Darstellung der wichtigsten Informationen: Geschwindigkeit in digitalen Lettern, Kilometerstand und Tageskilometerzähler links und rechts, sowie der Ladezustand der Batterie und die aktuelle Restreichweite. In der Mitte zeigt eine Art grafische Klaviatur, ob und wieviel elektrische Energie gerade verbraucht oder wiedergewonnen wird. Das war es. Mehr Informationen gibt es an dieser Stelle nicht – mehr braucht es aber auch nicht. Auffällig ist noch, dass das Display recht tief positioniert ist. Um es durch den Lenkradkranz im Blick zu haben muss das Rund bei größeren Menschen schon ganz nach oben geschoben werden. Vielleicht einen Tick zu hoch. Dafür ist das relativ kleine mit Leder bezogene Lenkrad angenehm griffig.

Das Display hinter dem Lenkrad ist recht klein geraten. Dahinter erstreckt sich aber eine schier unendliche Ablagefläche.
Das Display hinter dem Lenkrad ist recht klein geraten. Dahinter erstreckt sich aber eine schier unendliche Ablagefläche.Foto: Hersteller

Dahinter und daneben eröffnet sich eine tiefe Ebene, wo bei anderen Autos wuchtig das Armaturenbrett thront. Unwillkürlich stellt sich die Frage, warum sich hier so viel Freifläche ergibt und bei anderen Autos nicht mal ein Becherhalter Platz findet. In der Mitte der großen Freiheit finden sich dann doch ein paar Bekannte. Das zehn Zoll große Display zum Beispiel, das optisch über der XXL-Ablage schwebt etwa. Aber auch die Bedienelemente darunter kennt man von BMW, ebenso wie der Drehknopf zwischen den Sitzen, mit dem in gewohnter Manier das serienmäßige Navigationssystem Professional samt Multimedia, Internet und so einiges mehr gesteuert wird.

Motoren im Heck

Die Platzanmutung vorne fällt großzügig aus und auch hinten geht es noch relativ luftig zu. Nur echte Hünen mit Gardemaß an die zwei Meter kommen mit dem Fahrzeughimmel in Kontakt. Eingeschränkt geht es allerdings im Heck zu. 260 Liter passen im Normalzustand in den Kofferraum, mit Umklappen werden es maximal 1100 Liter. Nicht unbedingt schlechte Werte, ein normaler VW Golf kommt auf 360 Liter (max. 1270 Liter). Aber die Ladekante liegt recht hoch und so wirkt der Kofferraum etwas kleiner, als er wirklich ist. Bei etwa 80 Zentimetern dürfte die Latte liegen, über die Gepäck gehoben werden muss.

Unter der vorderen Haube sind die beiden Ladekabel verstaut. Der oder die Motoren sind im Heck eingebaut.
Unter der vorderen Haube sind die beiden Ladekabel verstaut. Der oder die Motoren sind im Heck eingebaut.Foto: Uwe Fischer

Der Grund dafür ist recht simpel. Unter dem Ladeboden befindet sich der Elektromotor für das Fahrzeug. Bei den Modellen mit dem Zwei-Zylinder-Benzin-Motor an Bord, der für den i3 als Range Extender optional lieferbar ist, wird hier auch noch der Verbrenner verbaut. Und tatsächlich findet sich nach dem Anheben der Abdeckung die entsprechende Lücke für das Aggregat- Damit ist der i3, ganz in typischer BMW-Manier ein reiner Hecktriebler. Da sollte doch über der Vorderachse noch ein wenig Stauraum zu finden sein, ganz wie bei Sportwagen mit Heckantrieb. Aber unter der vorderen Haube ist nur ein kleines Fach für die Aufbewahrung der beiden Ladekabel eingerichtet. Eines davon für die Schnellladung über die von BMW angebotene Wallbox und eines mit Konverter für das Laden an herkömmlichen Steckdosen.

Sportlich mit "Comfort"

Unser Auto ist allerdings voll geladen, sodass uns dieser Vorgang erst später interessieren muss. Erst mal eine Runde drehen im Stadtverkehr. Dort kann dieses Fahrzeugkonzept seine Stärken ausspielen, dafür ist der BMW i3 gemacht. Beachtlich, wie der Stromer beim Tritt aufs Pedal nach vorne zieht. 250 Newtonmeter stemmt der Synchronmotor auf die Hinterachse. Die 7,2 Sekunden, in denen der i3 die 100 Stundenkilometer erreichen soll, sind da absolut glaubhaft. Und das obwohl das Modell mit einem Leergewicht von 1195 Kilogramm immer noch ein ordentliches Gewicht auf die Waage bringt. Die Rohkarosse ist zwar ein Kunstwerk, bestehend aus einem Aluminiumrahmen und einer Fahrgastzelle, die fast vollständig aus Karbon gefertigt wurde. Aber nicht nur die große Batterie mit einer Kapazität von 22 Kilowattstunden bringt schon ordentlich Gewicht auf die Waage. Über einen Generator werden beim Abbremsen bis zu 50 Kilowatt wiedergewonnen.

Die gegenläufigen Türen machen eine breiten Weg für den Einstieg in den Fond frei.
Die gegenläufigen Türen machen eine breiten Weg für den Einstieg in den Fond frei.Foto: Hersteller

Und das macht sich auch beim Fahren bemerkbar. Drei Fahr-Modi stehen im BMW i3 zur Verfügung. Im Comfort-Modus ist die Verzögerung noch relativ moderat. Bei "Eco-Pro" spürt man die Verzögerung beim Lupfen des Strompedals schon stärker und im besonders sparsamen "Eco-Pro+"-Modus bremst das Fahrzeug so richtig ab. Das ist am Anfang ungewöhnlich. Aber schon nach kurzer Zeit lässt sich die eigene Fahrweise dem Auto anpassen. Wer vorausschauend fährt, der kann den i3 nahezu ohne Bremspedal bewegen. Schon nach kurzer Zeit macht das sogar richtig Spaß. In diesem Spar-Modus ist daneben auch die Beschleunigung etwas gedrosselt, die Klimaanlage ausgeschaltet und die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h begrenzt. Dafür kann der BMW i3 im effizientesten Modus auch segeln.

Genau bei der Reichweite

Der Knackpunkt für Elektroautos ist und bleibt die Reichweite. Revolutionäres hat das Fahrzeug an dieser Stelle zwar nicht zu bieten. Im "Comfort"-Modus sollen es zwischen 130 und 160 Kilometer sein. Mit den beiden sparsameren Fahr-Modi lässt sich die Reichweite um jeweils 20 Kilometer steigern. Beim Losfahren zeigt unser i3 eine Reichweite von 125 Kilometern bei voll geladener Batterie an. Im Laufe der Fahrt stellt sich dieser Wert aber immerhin als sehr genau heraus. Bei anderen Elektroautos schwankt die Reichweite gerne mal um 20 Kilometer hin oder her. Die Anzeige im BMW i3 tickt wie ein Uhrwerk parallel zum Tachostand herunter. Damit scheint diese wichtigste Information für ein Elektroauto jedenfalls verlässlich.

Schon nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an das etwas andere Fahren mit dem BMW i3.
Schon nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an das etwas andere Fahren mit dem BMW i3.Foto: Uwe Fischer

Überhaupt gibt sich BMW viel Mühe, den Kunden ein sicheres Gefühl mit dem i3 zu geben. Unter dem Namen "360-Grad-Mobility" bietet BMW einen ganzen Strauß an Zusatzangeboten an, mit denen die Mobilität der Käufer garantiert wird. Neben der von BMW angebotenen Wall-Box, die den Akku in 5,5 Stunden wieder vollständig auflädt, ist eine Smartphone-App ein zentrales Element. Damit lässt sich der Ladezustand aus der Ferne prüfen, das Laden mit günstigerem Nachtstrom regulieren und bei Bedarf führt die vergessliche Autofahrer auch zurück zum Fahrzeug. Befindet sich das Fahrzeug weit entfernt von der heimischen Wallbox, dann werden auf einer Karte auch alle registrierten, öffentlichen Ladestationen angezeigt. BMW bietet mit „ChargeNow“ auch eine Universal-Ladekarte für öffentliche Säulen an, bei der automatisch monatlich der Stromkonsum abgerechnet wird. Allerdings können damit noch nicht alle Ladesäulen direkt genutzt werden. BMW gibt an, dass in Deutschland etwa 65 Prozent der rund 4500 Stationen an das System angeschlossen sind. Ein Stern zeigt an, ob das Laden mit der BMW-Karte möglich ist und die Einfärbung der Säule übermittelt, ob gerade jemand dort lädt.

Fahrspaß inklusive

Diese Informationen finden wir natürlich auch auf dem großen Display im Fahrzeug wieder. Dort freuen wir uns aber zunächst mal über die feine Abstimmung des Fahrzeugs. Auch der i3 kann "Freude am Fahren", das zeigt er uns nicht nur mit der Beschleunigung. Dank der im Boden flächig verbauten Batterie ist der Schwerpunkt des Autos, trotz der hochbeinigen Karosserieform, relativ niedrig. So entsteht ein recht spaßiges Fahrgefühl. Wer es mit dem Fahrspaß allerdings übertreibt bekommt die Quittung natürlich in Form einer schneller sinkenden Reichweite angezeigt.

Der Verbrenner passt tatsächlich neben den Elektromotor ins Heck des Fahrzeugs. Vorne ist die im Fahrzeugboden verbaute Batterie zu sehen.
Der Verbrenner passt tatsächlich neben den Elektromotor ins Heck des Fahrzeugs. Vorne ist die im Fahrzeugboden verbaute Batterie...Foto: Hersteller

Zum Markstart im November wird auch die Version mit Range-Extender zur Verfügung stehen. Dann erweitert ein Benziner mit zwei Zylindern und 650 Kubikzentimetern. Dieser ist ausschließlich für das Laden der Batterie verantwortlich. BMW gibt dem Fahrzeug deshalb auch höchstens neun Liter Sprit mit auf den Weg. Die Reichweite steigt dadurch auf maximal 300 Kilometer insgesamt.
Und natürlich schlägt sich der Reichweitenverlängerer auch im Preis nieder. 34 950 Euro werden für die Basisversion fällig. Mit dem Benziner an Bord sind es dann 4500 Euro mehr. Außerdem kostet eine Wärmepumpe, die die Batterie vorheizt und so für mehr Reichweite sorgt, 660 Euro extra. Sinn macht noch die Schnelllade-Option, bei mit Gleich- und Wechselstrom Energie konsumiert werden kann. Die kostet 1590 Euro extra.

Durchdacht bis in Detail

Damit wird der BMW i3 sicher kein Preisbrecher in Sachen Elektroauto, auch wenn das Modell im Vergleich mit einem Elektro-Up von VW sicher nicht verstecken muss. Aber das Angebot, das die Münchner da machen, ist dafür eine wirklich runde Sache. Bis in die Details ist das elektrifizierte Fahren durchdacht. Das nimmt den Kunden elementare Ängste und deshalb kann der i3 auch durchaus ein Erfolg werden. BMW hält sich bedeckt, was die Zahl der Vorbestellungen angeht. Aber immerhin ist zu erfahren, dass, wer jetzt bestellt, sein Auto erst nächstes Frühjahr bekommt. Bereuen dürfte es wohl keiner der Kunden. Denn die bekommen ein Auto mit Öko-Image, das trotzdem ein wertiges City-Mobil mit viel Fahrspaß ist. So kann Elektromobilität schon funktionieren.

In Berlin ist der BMW i3 seit September im BMW-Schaufenster am Kurfürstendamm zu sehen. Riller&Schnauck öffnet als erstes Berliner Autohaus seine "i-Lounge" am 16. November am Hindenburgdamm. Dann steht der blau-weiße Stromer auch für zur Probefahrt bereit.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben