Vorstellung VW E-Golf : Der nur mit Strom tanzt

Jetzt kann es losgehen mit der Elektromobilität: Volkswagen will mit dem E-Golf die Massen elektrifizieren. Ein überzeugendes Paket? Der erste Fahrbericht.

von
Angekommen: Der VW E-Golf will nichts weniger als die Elektromobilität in die Mitte der Gesellschaft bringen. Eine Herkulesaufgabe, die aber auch nur der Golf schaffen kann.
Angekommen: Der VW E-Golf will nichts weniger als die Elektromobilität in die Mitte der Gesellschaft bringen. Eine...Foto: Markus Mechnich

2014 könnte das Jahr des Elektroautos werden. Oder das Jahr, in dem das Scheitern des Elektroautos in Deutschland begonnen hat. Welcher Aspekt später einmal in den Geschichtsbüchern stehen wird, ist aus heutiger Sicht kaum einzuschätzen. Auf jeden Fall erfüllt die deutsche Autoindustrie dieses Jahr ihre Bringschuld und wird, nach eigenen Angaben, 16 Elektromodelle zu den Händlern bringen. Ein mangelhaftes Angebot dürfte damit künftig als Argument gegen Elektromobilität ausfallen.

Viele dieser neuen Modelle werden freilich Nischenprodukte bleiben. Einen BMW i8 zum Beispiel werden sich nur die wenigsten leisten wollen. Auch einen Elektro-Smart ist kein Auto für jedermann. Auch wenn sich der Kleine in der Stadt als durchaus sinnhaft erweist, keine Familie wird den Zweisitzer ernsthaft in Erwägung ziehen. Mit dem VW E-Golf ist die Elektromobilität allerdings endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wenn E-Autos den Durchbruch wirklich schaffen wollen, dann müssen sie den Golf beherrschen. Das bedeutet, sie müssen zu einem Wunschobjekt für große Teile der Bevölkerung werden, müssen einen Standard setzen für Fortbewegung auf vier Rädern. Und wer könnte das schließlich besser als eben der VW Golf selbst? Das Auto, das alleine in Deutschland jährlich eine viertel Million mal verkauft wird, das eine eigene Klasse begründet hat und einer ganzen Generation einen Namen gegeben hat, fährt jetzt auch elektrisch. Ein starkes Zeichen, das Volkswagen nun mit Leben erfüllen muss.

Der nur mit Strom tanzt: VW präsentiert den neuen E-Golf
Wenn E-Autos den Durchbruch wirklich schaffen wollen, dann müssen sie den Golf beherrschen. Und wer könnte das schließlich besser als eben der VW Golf selbst?Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Markus Mechnich
10.03.2014 22:25Wenn E-Autos den Durchbruch wirklich schaffen wollen, dann müssen sie den Golf beherrschen. Und wer könnte das schließlich besser...

Der VW E-Golf soll die "Breite des Marktes" erreichen

"Wir bauen keine Nischenprodukte. Wir wollen ein Fahrzeug in die Breite des Marktes bringen", sagt Thomas Lieber dazu. Er muss es wissen, denn er ist der Leiter der technischen Entwicklung für Elektroantriebe bei Volkswagen. Der Konzern biete nun ein Auto, das Elektromobilität für die Masse der Kunden interessant mache. Es gibt bereits Märkte, die sich sehr für ein Auto wie den E-Golf interessieren. "Norwegen wird für uns ein wichtiger Markt werden. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen dort den E-Golf preislich attraktiv", erklärt Lieber. Auch in Schweden, Dänemark oder den Niederlanden wird die Elektroversion des Golf schon bald durch politischen Lenkungswillen kaum noch erhebliche Mehrkosten auf den Reifen haben. In Deutschland hingegen gibt es dafür keine Anzeichen. "Wir haben geliefert", sagt Ingenieur Lieber dazu. Lange habe man den Autokonzernen vorgeworfen keine Massenmodelle zu entwickeln. Der VW E-Golf räume endgültig damit auf.

Breitenwirkung: Der VW E-Golf kann mit viel Alltagstauglichkeit glänzen. An Nutzwert geht nichts verloren.
Breitenwirkung: Der VW E-Golf kann mit viel Alltagstauglichkeit glänzen. An Nutzwert geht nichts verloren.Foto: Markus Mechnich

Dazu ist der Wolfsburger auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof für zwei Wochen eingezogen und will der Welt die Elektromobilität Marke Volkswagen näher bringen. Mit Konzerten bekannter Elektro-DJs und vor allem mit der Fahrvorstellung des VW E-Golf, der dort 750 Journalisten aus der ganzen Welt gezeigt wird. Und schließlich sind am kommenden Wochenende zehntausende von Berlinern eingeladen sich den E-Golf, den E-Up und was Volkswagen sonst noch so in Sachen Elektromobilität zu zeigen hat, selbst im Hangar des Flughafens Tempelhof zu betrachten.

Äußerlich kommt der E-Golf unauffällig daher

Und die werden sehen, dass da erst mal wenig Veränderung am E-Golf zu sehen ist. Unspektakulär kommt der elektrische Bruder des Bestsellers daher, kaum ein Unterschied ist äußerlich im Vergleich zum normalen Wolfsburger Evergreen auszumachen. Wäre da nicht dieses Schildchen namens "E-Golf", das an der Heckklappe, im Kühlergrill und hinter den Radläufen prangt. Auch beim Reinsetzen ist erst mal alles Golf. Ein relativ gewöhnlicher Schalthebel in der Mitte lässt zwischen den Optionen P, N, und D wählen, ganz genauso wie beim Direktschaltgetriebe von Volkswagen. Nur das "B" ganz unten fällt auf, aber dazu später mehr.

Selbst der Blick auf die Cockpitanzeigen ist ganz gewöhnlich. Erst mal. Aber halt, statt dem Drehzahlmesser findet hier endlich das Thema Emobility statt. Der aktuelle Betriebszustand des E-Golf ist auf diesem Instrument abzulesen. Off, ladend im Zuge der Rückgewinnung von Energie oder die Beschleunigung in Stufen von 1 bis 10 sind hier abzulesen. Auch im Navigationsdisplay in der Mittelkonsole verstecken sich ein paar elektrotechnische Hintergrundinformationen. So wird der Rekuperationsgewinn grafisch dargestellt, ebenso wie die verbleibende Reichweite und der Energiefluss im Fahrzeug. Letzterer definiert sich am Ende recht einfach in zwei Betriebszustände. Entweder es wird Energie durch das Fahren verbraucht oder durch dahinrollen zurück gewonnen.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

15 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben