Alternative Antriebskonzepte : Erst Elektro, dann Hybrid

Der „Prius Plug-in“ kombiniert mehrere alternative Antriebskonzepte, ist aber kein billiges Vergnügen.

Fortsetzung folgt. Dem Prius Plug-in legt Toyota ein Stromkabel bei – damit kann man die Elektroakkus des Autos an jeder Haushaltssteckdose aufladen.
Fortsetzung folgt. Dem Prius Plug-in legt Toyota ein Stromkabel bei – damit kann man die Elektroakkus des Autos an jeder...Foto: promo/sppr

Die Zukunft der Mobilität steht unter Strom – darin sind sich alle Beteiligten einig, doch über die unterschiedlichen Formen des elektrischen Fahrens wird eifrig gerungen. Während zum Beispiel General Motors mit dem Chevrolet Volt/Opel Ampera auf Reichweitenverlängerung mittels eines kleinen Verbrennungsmotors setzt, der die Batterie ständig mit Saft versorgt, hofft die Konkurrenz auf Elektromodelle ohne „Nachhilfe“ und nimmt dabei die Nachteile einer deutlich eingeschränkten Reichweite in Kauf.

Einen anderen Weg wählte Toyota und stellte jetzt in Brüssel den Prius Plug-in vor, der zu Preisen ab 36 200 Euro die Vorteile der elektrischen Mobilität mit den positiven Eigenschaften des Hybridantriebs kombinieren soll. Der Prius mit Ladekabel kommt elektrisch 25 Kilometer weit und schaltet, wenn die Akkus leer gefahren sind, auf den Hybridantrieb um. Damit schreiben die Japaner 15 Jahre nach der Vorstellung des ersten Prius ein weiteres Kapitel beim Hybridantrieb.

Wie die konventionelle Prius-Version verfügt der Plug-in über eine Systemleistung aus Verbrenner und Elektromotor von 100 kW/136 PS. Als Energiespeicher kommen Lithium-Ionen-Akkus statt der Nickelmetallhydridbatterien zum Einsatz. Die Akkus können an jeder konventionellen Steckdose innerhalb von anderthalb Stunden geladen werden. Die Kombination aus Elektro- und Hybridmodus ergibt rechnerisch eine Reichweite von 1200 Kilometern.

Äußerlich unterscheidet sich das Flaggschiff der Prius-Modellpalette durch einige erst auf den zweiten Blick erkennbare Details. Dazu zählen die eigenständige Frontmaske und die vorderen Stoßfänger. Am Heck weisen die Rückleuchten im Klarglas-Design die Plug-in-Variante aus. Gar nicht dezent hingegen ist die zweite Klappe für den Ladeanschluss rechts hinten. Wie die wie die Türgriffe und Kennzeichenhalter ist sie in einem ein auf Hochglanz polierten Silber-Finish ausgeführt.

Beim Starten passiert erst einmal gar nichts, bis der Fahrer aufs Gaspedal tritt und die Limousine fast lautlos Fahrt aufnimmt. Schon bald ist vergessen, dass man elektrisch unterwegs ist. Im hektischen Brüsseler Stadtverkehr strahlt der Prius eine gewisse Gelassenheit aus und rollt problemlos mit im Strom. Kein Wunder, denn im elektrischen und damit wenigstens lokal emissionsfreien Verkehr erreicht der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 100 km/h – ein Tempo, von dem der durchschnittliche Pendler hier nur träumen kann.

Nach maximal 25 Kilometer allerdings ist Schluss mit dem lautlosen Gleiten. Die elektrische Reichweite ist aufgebraucht, und der Hybridantrieb übernimmt den Vortrieb. Dieser Übergang erfolgt unmerklich. Lediglich eine entsprechende Anzeige vor dem Fahrer informiert über den Wechsel der Energiequelle. Der nun zum Hybrid mutierte Plug-in verhält sich fortan wie ein konventioneller Prius, bei dem sich allerdings der Benzinbedarf noch einmal verringert hat. Im Hybridmodus liegt der Verbrauch bei 3,7 Liter auf 100 Kilometern, was wiederum einem CO2-Ausstoß von 85 Gramm je Kilometer entspricht. Im Elektromodus begnügt er sich mit 2,1 Litern oder 49 Gramm CO2. Nach 11,4 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, und wie beim herkömmlichen Prius wird der Vortrieb bei180 km/h abgeriegelt. Der Verbrennungsmotor hilft allerdings auch im Elektromodus aus, wenn der Fahrer stark aufs Gaspedal tritt.

Dem stehen drei unterschiedliche Fahrmodi zur Verfügung. Neben dem klassischen Hybridmodus kann eine Elektro- oder ein City-Elektroeinstellung gewählt werden, mit der man in Zukunft in städtische Zonen fahren kann, die allein für Elektrofahrzeuge reserviert sein werden. Entsprechende Pläne liegen bei vielen Metropolen in den Schubladen.

Trotz der zusätzlichen Technik müssen im aufladbaren Prius keine Abstriche gemacht werden. Der Innenraum ist für fünf Personen bemessen, und auch das Kofferraumvolumen blieb mit 443 Litern (auf 1.545 Liter erweiterbar) nahezu unverändert. Damit liegt der Toyota deutlich vor seinem Konkurrenten Ampera, der nur vier Sitze und einen um 200 Liter kleineren Kofferraum bietet.

Neben seinen positiven Umweltwerten hat der Prius Plug-in auch einiges in Sachen Multimedia und Audio zu bieten. Toyota Touch nennt sich das in der Basisversion Life serienmäßige Multimedia-System samt Touchscreen-Interface und einem 6,1 Zoll messenden Display inklusive Rückfahrkamera. Die Audioanlage bietet einen RDS-Doppeltuner mit zwei Antennen,CD-Spieler, Bluetooth-Schnittstelle und einen USB-Port für tragbare Geräte. Eine Klimaautomatik ist ebenfalls serienmäßig an Bord.

Für den Alltag vollkommen ausreichend ist das gegen Aufpreis lieferbare im Vergleich zur Nobelanlage Toyota Touch Pro wesentlich preiswertere Navigationssystem Toyota Touch & Go Plus, das Stauumfahrungen, Geschwindigkeitswarnungen sowie eine dreidimensionale Darstellung von Gebäuden und Orientierungspunkten anzeigen kann. Und über Google Local Search ermöglicht das System Zugriff auf die größte Datenbank der Welt.

In der Ausstattungsvariante TEC kommen unter anderem noch das Pre-Crash-System, ein Headup-Display und ein adaptiver Tempomat hinzu. Die Preisliste beginnt bei 36 200 für die Version Life und endet bei 42 500 Euro für die Topvariante TEC.

(sppr)

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