Auto : Am See, aber nicht im Teich

Vorsichtiger Optimismus vor dem Genfer Salon

Felix Rehwald (dpa)

Schluss mit lustig. Den Prunk, für den Automessen lange Zeit berüchtigt waren, haben Besucher in letzter Zeit auf vielen Shows nicht zu sehen bekommen: Viele Hersteller hatten den Auftritt ganz gestrichen, andere ihre Neuheiten lieblos und verlassen im Halbdunkel geparkt. Für Lichteffekte und Hostessen fehlte schlicht das Geld.

Für den Genfer Autosalon vom 5. bis 15. März hoffen die Veranstalter allerdings auf eine Wende zum besseren. Nach Angaben der Messeveranstalter ist der Salon sogar ausgebucht. Und selbst wenn – wie etwa im Januar bei der Automesse in Detroit – doch noch Konzerne absagen sollten, wäre das wohl kein Beinbruch. Denn rund 20 mögliche Aussteller stehen nach Veranstalterangaben zurzeit noch auf der Warteliste.

Dem Genfer Autosalon kommt in diesem Jahr wohl zugute, dass er schon immer eine Messe war, bei der übertriebene Show-Effekte fehlten. Experten rechnen zwar mit einer ernsten Stimmung in Genf. Auf der anderen Seite hat die Messe aber auch Neues zu bieten – und diese Neuheiten sind auch gerade vor dem Hintergrund der Krise interessant. Denn viele alternative Antriebe werden an den Ständen stehen, Elektroautos, Hybridmodelle sowie kleine Motoren und Kleinwagen. Für Downsizing und Umwelt räumen die Messeveranstalter erstmals eine eigene Halle frei.  

Die wohl wichtigste Premiere zum Thema steuert VW bei: Die Wolfsburger zeigen am Genfer See die neue Generation des Polo. Der als Drei- und Fünftürer geplante Kleinwagen soll sportlicher als sein Vorgänger werden und Insassen mehr Platz bieten. Bei den Motoren werden unter anderem Spar-Diesel mit Start-Stopp-Technik erwartet, die den Verbrauch auf 3,5 Liter drücken (CO2-Ausstoß: 89 g/km). Auch Peugeot hat etwas Neues im Kleinwagensegment zu bieten: Nach mehr als zehn Jahren stellen die Franzosen in Genf eine überarbeitete Fassung des 206 vor. Hinzu kommen Premieren wie der neue Chevrolet Spark. Mini will neue Einstiegsmotoren für den Dreitürer und den Kombi Clubman vorstellen. Kia hat einen kleinen Van unterhalb des Soul angekündigt.

Mit Spannung wird auch erwartet, was die Hersteller für die fernere Zukunft in petto haben. Angesichts allgemeiner Verunsicherung werden Studien und Konzeptfahrzeuge eine wichtige Rolle spielen. Das Schweizer Designstudio Rinspeed etwa zeigt mit dem iChange einen variablen Elektro-Sportwagen.   Auf neue Werkstoffe und Lichttechnologie wiederum hat sich der Entwicklungsdienstleister Edag bei seiner Genf-Studie „Light Car – Open Source“ konzentriert. Der von Radnabenmotoren angetriebene Fünfsitzer wurde aus einer Basaltfaser konstruiert, die auch für die Fertigung von Rotoren für Windkraftanlagen verwendet werden. Als Scheinwerfer dienen erstmals sogenannte OLEDs, also organische Leuchtdioden, deren Projektionsfläche sich frei konfigurieren lässt. Und die Schweizer Ideenschmiede Protoscar stellt den Lampo vor, ein elektrisch angetriebenes Sportcabrio. An Vorder- und Hinterachse sitzen Elektromotoren, die zusammen satte 187 kW/268 PS leisten. Felix Rehwald (dpa)

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