Auto : Amerika ist zurück im Spiel

Wo die Krise am härtesten zuschlug, scheinen die Chancen nun umso größer. Die Deutschen rüsten sich für den Umschwung in den USA – etwa mit dem ELEKTRO-SMART, der wie für Manhattan gebaut ist

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Na, wie fährt er sich so, ich meine, so als Elektro? Die Frage wird uns häufig gestellt, wenn wir ein bekanntes Normal-Auto als Strom-Variante probieren. Meist geht es ja um Prototypen, so wie beim E-Golf, den wir in der letzten Woche besprochen haben. Aber immer öfter sitzen wir in Serienmodellen, die zumindest in Kleinauflage vom Band rollen. So wie der „Smart elektro drive“. Seit letztem Herbst stromert er durch europäische Großstädte; zu Dutzenden in London, Rom oder Berlin, wo jeweils handverlesene Kunden den elektrischen Alltag auf dem Weg in die Großserie proben. Vielleicht erinnern Sie sich: Als der erste E-Smart vor wenigen Monaten an die Spree geliefert wurde, haben wir den stolzen Besitzer begleitet. Nach seinem ersten Jahr werden wir ihn fragen, wie es ihm mit dem Kleinen ergangen ist.

Die jüngste Stufe der Elektrifizierung zündet Daimler nun in den USA. Dort wird der Smart fortan in zig Ballungsräumen als Zweisitzer für die Steckdose angeboten. Mutig ist die Offensive in jedem Fall – scheitert sie, ist der Smart in den USA ein für allemal verbrannt. Bis jetzt nämlich enttäuschen die Verkäufe auf der ganzen Linie. Kein Wunder, sagen Mitbewerber, die es natürlich von vornherein wussten, als Samrt 2007 in San Fransisco mit dem Abenteuer begann: Was soll der kleine Hopser auch in einem Land, in dem weite Strecken und große Kisten normal sind. Smart dachte progressiv, deutete zuviel Optimismus in einen Hybrid-Boom hinein, der seinen Zenit längst überschritten hat. Auch fehlte der entscheidende Marketing-Dreh, um einen Smart zum must-have zu stilisieren, wie es Apple bei seinen Produkten versteht.

Jetzt, in Zeiten, in denen ein BP-geschädigter Barack Obama fast täglich die Abkehr von fossilen Brennstoffen beschwört, hat man vielleicht wieder bessere Karten auf der Hand und im Köcher ein Paar, das clever & smart genug ist, die Zahlen aus dem Keller zu holen: einen kleinen Elektromotor mit 20 kW Dauerleistung und eine Lithium-Ionen-Batterie von Tesla. Im Zusammenspiel ermöglichen die beiden ein a) emissionsfreies, b) geräuschloses und c) drehmomentstarkes Fahren durch Manhattan und andere Megas – bis man eine Steckdose braucht. Das ist nach 100 bis 135 Kilometern der Fall. Für die New Yorker dürfte die derart begrenzte Reichweite indes nicht das größte Problem sein; die meisten fahren maximal 30 Meilen am Tag.

Schwieriger ist die Frage des Park-, respektive des Ladeplatzes. So simpel es klingt, eine Haushaltssteckdose genüge und die Batterie sei nach drei bis fünf Stunden wieder satt gefüllt, so difficil ist das Ganze dann doch: Wer im 23.Stock zur Miete wohnt, dürfte Probleme mit dem Zweimeter-Kabel bekommen, das im Kofferraum liegt – so er denn einen Parkplatz vor der Tür gefunden hat. Bis die Stromversorger genügend Zapfsäulen errichtet haben, wird es dauern. Wahrscheinlicher ist ohnehin dies: Lustige Tages- oder Nachtmütter nehmen den kleinen Smart in Obhut, laden ihn an der Tanke auf und bringen ihn morgens „voll“ an die Tür.

Ach so: Wie fährt sich der Smart denn nun, so als Elektro? Besser, viel besser als ein Verbrenner. Weil er nicht mehr hoppelt beim Hochschalten, es gibt ja nur eine fixe Getriebeübersetzung. Ein Smart wie auf Blades macht unverschämt Spaß. An der Ampel eilen wir weg wie nix, weil das volle Drehmoment gleich voll anliegt. Parkplätze und Stau-Lücken liefern Erfolsgerlebnisse, sehen, Gas tippen, reinstossen. Die Spitze von „nur“ 100 km/h ist kein Problem – hallo, wir sind in Manhattan. Neu entwickelt wurde die Smart-App. Die bietet via UMTS oder 3G Internetradio (klappt einwandfrei über die Audioanlage) und eine spezielle Batterienanzeige, die über Ladezustand und Reichweiten des Smart informiert.

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