AMI : Exotisch, aber einfach

Treibstoffe, die gut für die Umwelt und für das Portemonnaie sind: Fahren mit Erdgas wird immer reizvoller – neue Technik kombiniert Sparen mit Fahrspaß

Ingo von Dahlern

58,33 Euro für 42,2 Liter Sprit, um den fast leer gefahrenen 45-Liter-Tank des Polo wieder zu füllen – das ist sehr viel Geld. Doch man kann auch für die Hälfte dieses Geldes tanken. Wie das funktioniert? Ganz einfach: statt Benzin tankt man komprimiertes Erdgas. Dafür muss das Auto allerdings umgerüstet sein. Doch angesichts des enormen Sparpotenzials entscheiden sich immer mehr Autofahrer für die entsprechende Technik. Die gehört neben der nicht minder attraktiven Erdgas-Alternative Autogas zu den bereits traditionellen Sonderthemen der AMI 2008 in Leipzig, die noch bis zum 13. April geöffnet ist.

Der günstige Preis resultiert vor allem aus einer Steuerbegünstigung, die noch bis 2018 festgeschrieben ist. Außerdem spricht für Erdgas (Fachbegriff CNG = Compressed Natural Gas) dessen umweltfreundliche Verbrennung. Das gilt für die sehr niedrigen Schadstoffwerte ebenso wie für die geringen CO2-Emissionen. In Berlin existieren übrigens schon 13 Erdgastankstellen, bundesweit sind es rund 750 – da erfordert das Tanken ein wenig mehr Planung als bei Benzinbetrieb, trotzdem ist die Versorgung flächendeckend. Und da fast alle Erdgas-Autos als sogenannte bivalente Fahrzeuge neben dem Erdgastank auch noch einen für Benzin haben, kann man sie auch dort benutzen, wo die Erdgasversorgung noch nicht so gut ist. Übrigens funktioniert Erdgas-Tanken wegen des hohen Drucks ein bisschen anders als beim Benzin, ist aber kein bisschen komplizierter.

Und auf der AMI in Leipzig feiert ein neuer Trend bei der Technik seine Deutschlandpremiere. Denn VW zeigt hier zum ersten Mal seit der Präsentation in Genf die Studie VW Passat TSI EcoFuel. Die gilt als typische Vertreterin einer neuen Erdgasmotoren-Generation, die die positiven Umwelteigenschaften von CNG-Fahrzeugen mit ausgeprägtem Fahrspaß kombiniert und damit neuen Schwung in die Szene bringt.

Denn im Unterschied zu den bislang eher ein wenig behäbigeren Erdgasautos zeigt der aufgeladene Passat TSI EcoFuel enormes Temperament, beschleunigt binnen 9,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht bis zu 210 km/h. Trotzdem begnügt sich der 150 PS leistende erste Erdgas-Turbo-Direkteinspritzer mit einem Verbrauch um 5,2 kg Erdgas auf 100 km (ein Kilogramm kostet etwa 90 Cent), was CO2-Emissionen um 140 g/km entspricht – ein für die Fahrzeugklasse sehr niedriger Wert. Nach den Planungen soll der flotte „Gasbrenner“ noch im Lauf des Jahres in Serie gehen.

Bei Opel, wo der Zafira 1.6 CNG Rückrat des erfolgreichen Erdgasauto-Angebots ist, wird ebenfalls an einem CNG-Turbomotor gearbeitet, Und auch Audi mit einer Erdgas-Variante des A5 sowie Fiat mit dem Panda Aria mit kleinem Zweizylinder-Turbo arbeiten an aufgeladenen und damit kräftigeren Motoren. Neu auf der Bühne ist zudem Hyundai. Ihr Erdgas-Prototyp i10 blue CNG wird von einem neu entwickelten 0,8-Liter-Turbomotor mit 98 PS angetrieben, verfügt über ein Start-Stopp-System von Bosch und begnügt sich mit einem CO2-Ausstoß von 65 g/km. Damit stellt er sogar den Smart Fortwo in den Schatten. Er könnte 2009 in Serie gehen.

Rund 60 000 PKW sind in Deutschland im Moment schon unterwegs,dazu kommen noch rund 15 000 Lkw und Busse. Marktführer ist seit dem vergangenen Jahr Volkswagen mit Touran und Caddy EcoFuel sowie dem neuen Caddy Maxi EcoFuel. Es folgt Opel mit Zafira und Combo 1.6 CNG. Ebenfalls diverse Erdgasfahrzeuge im Programm haben Ford und Fiat. Ganz neu bei Mercedes ist neben dem E 200 NGT der B 170 NGT Blue Efficiency, der ab Juni ausgeliefert wird. Und auch bei PSA Peugeot/Citroen und Renault gibt es CNG-Modelle. Der wichtigste Neuzugang bei den Transportern, bei denen auch Iveco zu den Anbietern gehört, ist schließlich der Mercedes Sprinter 316 NGT. Die einst sehr großen Erdgasaktivitäten aufgegeben hat allerdings Volvo.

Dafür setzt Ford einen neuen Akzent: Denn mit der Weltpremiere des neuen Focus LPG setzen die Kölner nun auch auf Autogas oder Flüssiggas (LPG = Liquefied Petroleum Gas). Die neuen LPG-Modelle, zu denen auch der Focus C-Max LPG gehört, ergänzen das bereits bestehende Erdgas-Angebot, das ebenfalls weiter ausgebaut werden soll.

Für Käufer und Fahrer gilt allerdings: entweder oder. Die Entscheidung für Erdgas (CNG) oder Autogas (LPG) muss bereits bei der Fahrzeuganschaffung oder -umrüstung getroffen werden. Denn beide Gase sind trotz enger Verwandtschaft der bei den Motoren eingesetzten Technik nicht miteinander misch- oder kombinierbar. Für Autogas spricht unter anderem, dass derzeit in Deutschland mehr als 2800 Tankstellen LPG anbieten, und dass der Stoff auch in allen Nachbarländern gut verfügbar ist.

Eines allerdings haben beide Gase gemeinsam: das Risiko Politik. Denn schon Erdgas war ursprünglich einmal bis 2020 bei der Mineralölsteuer begünstigt – aber wurde diese Frist 2006 plötzlich um zwei Jahre verkürzt. Skepsis, ob 2018 also wirklich das letzte Wort ist, scheint angebracht. Vor allem, wenn man sich erinnert, wie plötzlich auch Biodiesel von der Regierung als willkommene Mineralölsteuerquelle entdeckt wurde, obwohl es ursprünglich ebenfalls bis Ende 2008 von den Abgaben befreit war.

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