AMI Leipzig : Es grünt im Osten

Am Samstag beginnt der mitteleuropäische Automobilsalon. Kurz nach der Eröffnung des Porsche-Werkes nahe Leipzig will auch die Ami ein Zeichen setzen. Die Autoindustrie lenkt ihren Blick auf den Klimaschutz, nahezu alle Hersteller zeigen sich von ihrer grünen Seite.

Ein Messer,gang von Markus Mechnich
AMI Leipzig 2007
ddp

Leipzig - Das Schwergewicht, welches die AMI Leipzig (vom 14. bis zum 22. April geöffnet) gerne wäre ist sie (noch) nicht. Dazu ist der traditionsreichere Genfer Autosalon und die Detroit Motor Show zeitlich zu nah. Man sieht es an nur zwei Weltpremieren, die zudem mit dem Ford Focus CNG (Erdgasauto) und dem SsangYong Kyron Cyber lediglich Sondermodelle etablierter Reihen sind. Trotzdem sind 50 Hersteller mit aufwändigen Präsentationen vertreten, darunter alle wichtigen in Europa vertretenen Autoproduzenten .

Die viel gescholtene Autoindustrie hat voll auf die grüne Linie eingeschwenkt. Da ist auf der Messe deutlich zu erkennen. Kein Hersteller, der nicht ein Mixed-Fuel-Auto, einen Hybriden oder einen Auto mit sauberer Dieseltechnologie vorzeigen würden. Das mindeste sind effizientere Motoren und herkömmliche Autos, die durch Modifikationen Sprit sparen sollen. Der Querschuss von Verkehrsminister Tiefensee mit seinem Vorschlag für einen Klimapass für Neuwagen hat wohl gesessen. Vielleicht schließen sich die Hersteller dem ehrgeizigen Ziel Tiefensees an und machen Europa wirklich zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Der Naturschutzbund kritisierte zwar die anhaltende PS-Protzerei, aber ohne ein umweltaffines Produkt präsentiert sich in Leipzig nahezu kein Automobilbauer mehr.

Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die Messe bei Leipzig zwischen all den automobilen Großevents etabliert. Gründe dafür sind das mittlerweile sehr vollständige Produkt-Programm und weil sie das wichtigste Messeevent mit Blick Richtung Osteuropa ist. Von großen Teilen Polens oder Tschechiens sind die Entfernungen überschaubar und immer Osteuropäer finden als Besucher den Weg zur AMI. Östliche Ballungszentren, wie Prag, Warschau oder selbst Budapest sind nur wenige Autostunden entfernt. Für dieses Jahr peilt die Messe zum ersten Mal das Durchbrechen der Schallmauer von 300.000 Besuchern an. Im letzten Jahr waren unter den 290.000 Gästen bereits 18.000 nur aus Polen und Tschechien dabei.

Zahlreiche Deutschlandpremieren

Die Hersteller haben dies zur Kenntnis genommen und bevölkern die Hallen des mondänen Leipziger Messezentrums zahlreich. Viele zeigen ihre Neuheiten immerhin zum ersten Mal in Deutschland, auch wenn BMW beispielsweise den M3 trotz Ankündigung nicht auf dem Stand präsentiert. Ford zeigt mit dem neuen Mondeo eine ganz wichtige Premiere. Das Mittelklasseflaggschiff heimste bereits im Vorfeld gute Kritiken ein und überzeugte bisher auch das Fachpublikum. Ebenso wichtig, aber auf den ersten Blick weniger gelungen ist der Deutschlandpremiere des Renault Twingo. Ob er den Erfolg seines Vorgängers wiederholen kann, bleibt abzuwarten. Im gleichen Marktsegment will der Skoda Fabia Erfolge feiern, ebenso wie der Mazda 2. Letzterer scheint das pfiffigere und aufregendere Auto zu sein, vor allem in Sachen Design.

In einer ganz anderen Klasse starten die meisten der deutschen Hersteller. BMW zeigt mit seinem neuen 3er Cabrio ein Auto für das Herz und die größere Brieftasche. Bei dem derzeitigen Sommerwetter kann man sich Ausfahrten mit der Autoschönheit bildlich ausmalen. Mercedes zeigt zum ersten Mal die C-Klasse auf deutschem Boden. Bestärkt durch die überwiegend guten Kritiken treten die Schwaben entsprechend selbstbewusst auf. Auch der lange ersehnte Golf Variant von VW wird hier vorgestellt. Über den neuen Audi A5 und seinen Sportsbruder S5 wurde bereits viel geschrieben. Die beiden feiern in Leipzig Deutschlandpremiere.

Es wird eng in der Golf-Klasse

Der kriselnde französische Hersteller Peugeot zeigt seinen neuen SUV 4007 und fröhnt ansonsten dem grünen Image. Auch in der Golf-Klasse wird es enger. Hyundai will dort mit dem neuen i30 punkten. Viel Ausstattung für wenig Geld und daher kein unseriöses Angebot. In diesem Marktsegment eingebrochen ist bereits der Corolla-Nachfolger Toyota Auris. Auch der neue Suzuki SX4 will dort punkten und den ein oder anderen Golf-Käufer mit mehr Auto fürs selbe Geld locken. Fiat zeigt neben den Ausblicken auf den kleinen Fiat 500 noch den neuen Bravo. Auch er will in dieser Klasse seine Käufer finden. Zu den Deutschlandpremieren kommen noch zahlreiche Neuauflagen etablierter Modelle. Der 5er BMW, Volvo V70, Porsche Cayenne und Ford C-Max. Sie alle zeigen sich aufgehübscht in neuem Gewande.

So bleibt nach einem ersten Rundgang der Eindruck, dass noch längst nicht alles grün ist was sich klimafreundlich zeigt. Aber die Debatten der letzten Monate haben durchaus Spuren bei den Autoherstellern gezeigt. Wurde auf der IAA 2005 noch die Hybridmotoren der Japaner gewitzelt, so zeigen die zahlreichen Ankündigungen deutscher Hersteller, dass sich was tut im Autoland Deutschland. Spät genug, aber hoffentlich dafür nachhaltig. Alleine das Klima retten kann die Automobilbranche ohnehin nicht. Dafür ist ihr Anteil mit fünf Prozent an den CO2-Emissionen zu gering. Aber es wäre ein wichtiges Signal, wenn sich eine Schlüsselindustrie vom Saulus zum Paulus wandeln könnte.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar