Atos-Nachfolger : Hyundai i10: Einfach mal klein beigeben

Sie sind im Kommen, die Winzlinge. Aber das Ankommen machen sie einem zuweilen nicht ganz leicht – wie der Hyundai i10.

Sebastian Leber
i10 Hyundai
Sich verfahren macht ab sofort wieder Spaß. -Foto: promo

Nein, mit dem Namen i10 will Hyundai nicht an die Erfolge von ipod und iphone anknüpfen. Und die Soundanlage im Wagen kommt auch nicht von Apple. Das i steht laut Hersteller für „Inspiration“. Soll das heißen, dass man am Lenkrad des i10 während der Fahrt quasi nebenbei auf gute Ideen kommt? Schauen wir mal, was uns unterwegs einfällt.

Beim nächsten Mal mit Hut.

Den kann man im i10 nämlich problemlos aufsetzen, ohne an die Decke zu stoßen. Das glaubt erst, wer drin gesessen hat, so winzig sieht der Kleine von außen aus. Auch die Beinfreiheit von Fahrer und Beifahrer ist erstaunlich. Dabei hat der i10 im Vergleich zum Vorgängermodell Atos mit seinen dreieinhalb Metern gar nicht an Länge gewonnen, doch er ist etwas breiter geworden und der Radstand mit 2,38 Metern beachtlich.

Familie zu Hause lassen.

Das Lob für die Beinfreiheit gilt leider nur für vorne. Hinten sind klaustrophobische Panikattacken normal. Offiziell ist der i10 ein Fünfsitzer, aber auf der Rückbank zu dritt Platz zu nehmen, kann man guten Gewissens nur Kleinkindern und Magermodells zumuten.

Nicht alles glauben.

Das A-Segment, die Klasse der Kleinstwagen, ist hart umkämpft und ein ständig wachsender Markt. In Deutschland konkurrieren etwa VW Fox und Smart Fortwo, Ford Ka und Renault Twingo miteinander. Opel hat seinen Agila und Suzuki den Splash. Um hier Fuß zu fassen, neigen die wenigsten zur Tiefstapelei. Wirbt also jemand für seinen Kleinstwagen mit den Attributen „komfortabel“, „peppig“ und „absolut hochwertig“, meint er damit oft bloß „solide“. Aber das muss ja nichts schlechtes sein!

Mut zur Lücke…

…wie oft hält man vor einer Parklücke und überlegt, ob die wohl ausreicht. Im Fall des kleinen Koreaners heißt die Antwort: Ja sicher! Ab sofort dauert keine Parkplatzsuche länger als fünf Minuten.

Tempolimits einhalten.

Das ist das eigentlich Wunderbare an den Winzlingen: Wer einen fährt, wird automatisch gesetzestreu. Nicht aus Überzeugung, sondern weil er kaum anders kann. Der i10 zum Beispiel braucht 15,6 Sekunden, um auf Tempo 100 zu beschleunigen. Da erfordert es – zumindest außerhalb geschlossener Ortschaften – schon Geduld und Vorsatz, um sich strafbar zu machen. Zum Vergleich: Der Opel Agila braucht 12,3 Sekunden.

Beim Fahren nicht in der Nase bohren.

Im Kleinstwagen wird man ständig beobachtet – weil man ständig überholt wird. Gerade auf der Autobahn. Das liegt nicht daran, dass der i10 untermotorisiert wäre. Er ist bei hohen Geschwindigkeiten einfach zu laut.

Der Klügere gibt nach.

Leider kann es einem im i10 immer wieder passieren, dass andere einen nicht als vollwertigen Verkehrsteilnehmer wahrnehmen. Das kann gefährlich werden.

Pomuskeln trainieren.

Wer es gut meint mit dem i10, könnte ihn „erdverbunden“ nennen. Spätestens bei Tempo 80 spürt man jeden einzelnen Hubbel auf der Straße, Unebenheiten werden leicht zum gefühlten Schlagloch.

Das Navi ausschalten.

Sich verfahren macht ab sofort wieder Spaß. Man kann schließlich jederzeit umdrehen und zurückfahren – und zwar in maximal drei Zügen. Der kleine Wendekreis von 9,5 Metern zählt zu den großen Vorteilen des Hyundais, er schlägt sogar knapp die Konkurrenten Agila, Splash und Ford Ka.

Wohin eigentlich in Urlaub?

Für den ist dank der günstigen Kleinstwagen wieder mehr Geld übrig, der i10 etwa kostet in der Basisversion – wie die Minis von Opel und Suzuki – weniger als 10000 Euro. Dafür ist die Ausstattung dürftig, aber doch ausreichend. Und im Urlaub kriegt man davon sowieso nichts mit. Man fliegt ja.

Wie wär’s mit Indien?

Dort liegt die Zukunft, heißt es, und auch der i10 wird dort produziert, nämlich in Neu-Delhi. Überhaupt ist Hyundai die zweitbeliebteste Automarke in Indien. Und wer im Land der Heiligen Kühe den Konkurrenten Tata Nano durch die Straßen brausen sieht, weiß, was ein wirklich winziges Auto ist.

Bart wachsen lassen.

Viele Männer weigern sich bis heute, in einen Kleinstwagen zu steigen, weil sie ihre Männlichkeit bedroht sehen. Und ganz falsch liegen sie damit nicht. Ein Komiker hat das Problem einmal so beschrieben: Das Auto gilt als Phallussymbol – und wer will schon ein Phallussymbol, das quer in jede Parklücke passt? Also Gegenmaßnahmen ergreifen: Den Rasierer aus dem Badezimmer verbannen, Baumfäller-Hemden zulegen, geduscht wird nur noch sonntags.

Am Image feilen.

Kleinstwagen fahren kann ziemlich sexy sein – wenn man dazu steht und den Winzling als hippes Zeitgeist-Produkt begreift. Als Zwergenaufstand. Wer i10 fährt, hat eine topmoderne Auffassung vom Fahren: ohne viel Aufhebens und ohne Umstände ans Ziel zu kommen. Das richtige Auto für zielstrebige, kreative Menschen. Irgendwie klingt i10 eben doch wie ipod. Und für den Café Latte gibt’s vorne einen Getränkehalter.

Sich gut fühlen.

Der Mini verbraucht laut Hyundai auf 100 Kilometern 5 Liter Benzin beziehungsweise 4,3 Liter Diesel, die CO2-Emission liegt bei 119 Gramm pro Kilometer – das ist für seine Größe nicht sensationell sparsam, aber doch gut genug, um einen verächtlichen Blick auf die Dreckschleuder zu werfen, die einen gerade wieder überholt hat.

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