Auto : Auch ’ne Variante

Heute startet Porsche den Panamera S Hybrid – das weltweit schnellste Auto seiner Art

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Segeln im Auto? Klingt futuristisch, ist aber ein alter Hut. Ostdeutsche kennen dies bereits vom Wartburg mit dem Dreizylinder-Zweitaktmotor. Der besitzt serienmäßig einen Freilauf, der beim Gaswegnehmen den Motor vom Antrieb entkoppelt. So soll möglichen Motorschäden durch Schmierungsmangel vorgebeugt werden. Aber so lässt sich ohne die Bremswirkung des Motors auch frei rollen oder segeln, wie manche es nennen.

Etwas Ähnliches ist nun – gut 60 Jahre später – auch im Porsche Panamera S Hybrid zu erleben. Allerdings auf viel höherem Niveau und garniert mit jeder Menge Elektronik. Das Hybridsystem arbeitet bereits im Cayenne. Es stammt von VW, wo es im Touareg eingesetzt wird. Nun also im Panamera. Audi übrigens wird ein eigenes Hybridsystem verwenden, das bereits mit den moderneren Lithium-Ionen-Batterien arbeitet. Beim VW-Porsche-System verwendet man noch die günstigeren Nickel-Metallhydrid-Akkus.

Im Panamera S Hybrid kombinieren die Zuffenhausener einen drei Liter großen und 333 PS starken V6-Benzindirekteinspritzer mit Kompressoraufladung (von Audi) mit einem 47-PS-Elektromotor. Die Systemleistung beider Motoren liegt bei 380 PS. Zwischen beiden Treibsätzen sitzt eine Trennkupplung, die verschiedene Fahrmodi erlaubt. Erstens rein elektrisches Fahren bis zwei Kilometer oder bis Tempo 85. Zweitens das Boosten. Bei voller Beschleunigung (Kick-Down) klinkt sich der E-Motor ein; dabei überlagern sich kurzeitig die Antriebsmomente beider Motoren. Drittens das Segeln bis Tempo 165. Benötigt man keine Antriebsleistung, wird der Verbrenner vollautomatisch abgeschaltet und vom Antriebsstrang getrennt. So versickert die Bewegungsenergie nicht im Motorwiderstand. In der Praxis segelt der Panamera häufiger als man glaubt. Die E-Maschine kann beim Segeln sogar als Generator arbeiten und Energie erzeugen. Das Hin und Her klappt harmonisch; eine klasse Ingenieursleistung, beide Motore so harmonisch im Duett als auch allein arbeiten zu lassen. Viertens die Rekuperation; zu Deutsch die Rückgewinnung elektrischer Energie beim Bremsen. Da arbeitet der E-Motor als Generator und lädt die 70 Kilogramm schwere Nickel-Metallhydrid-Batterie (288 V; 1,3 kWh), die unterm Kofferraum steckt. Der hat dadurch 110 Liter Volumen eingebüßt und fasst nun nur noch 337 Liter (wie ein VW Golf). Durch Umklappen der Lehnen lässt er sich jedoch auf 1155 Liter vergrößern.

Der Hybrid-Panamera beherrscht zwei Extreme, die eigentlich unvereinbar erscheinen: sparen und brettern. Porsche gibt den Verbrauch mit 6,8 Litern an (inklusive Leichtlaufreifen und Start-Stopp). Wir erreichten im realen Leben 7,9 Liter, mit einem großen Anteil Segeln, wo der Motor abgeschaltet ist. Und die moderne Achtgangautomatik von Aisin wählt bei sachtem Gasfuß bereits bei Tempo 90 den achten Gang. Doch wer so auf Sparflamme fährt, bewegt diesen Porsche wie einen 64-PS-Polo. Nein – Sprit sparen hin oder her – das will man nicht wirklich. Wer das wünscht, kauft sich keinen Porsche. Und wer bereit ist, über 100 000 Euro für einen Panamera S Hybrid hinzulegen, den interessieren beim Spritpreis die Zahlen hinterm Komma wohl kaum. Umso bedauerlicher, dass Porsche auf unsere Nachfrage hin erklärt, in absehbarer Zeit keinen Hybriden in einem kleineren Modell anzubieten, wo sparen vielleicht auch bei dieser Marke ein Thema wäre.

Sei’s drum – dieser Panamera kann etwas, wozu kein anderer Hybrid in der Lage ist. Das macht seinen Reiz aus. Bei Bedarf wird er zum echten Sportwagen mit halbgrünem Blechkleid, dem man seine 380 PS glaubt. Der spurtet, der Kurven seziert, der Befehlen gehorcht. Und der dennoch nicht zum Säufer wird. Wer damit trotzdem nichts anfangen kann, der hat ab August die Möglichkeit, einen weiteren Tabubruch der Zuffenhausener zu wählen, zu kaufen und natürlich zu fahren: die erste Porsche-Limousine mit einem Dieselmotor. Dieser Panamera hat unter der Haube einen Audi-V6-Selbstzünder mit 250 PS, dessen Verbrauch bei 6,3 Liter pro 100 Kilometer liegen soll. Eine Tankfüllung reicht so gut 1200 Kilometer. Preis? 26 002 Euro unter dem des Hybrid-Panamera, der kostet 106 000 Euro.

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