Audi A3 Cabriolet : An die Luft gesetzt

Noch kann man die Stoffmütze des A3 Cabriolets gut brauchen – aber in ein paar Wochen fahren wir den Neuling nur noch ohne.

Roland Koch

Wochenend, Sonnenschein und eine schöne Strecke rauf zur Ostsee, dafür sind Cabrios gebaut. Und alles könnte so friedlich sein, wäre da nicht die eine Frage, die die Welt der Cabrio-Fahrer entzweit. Stoff oder Stahl? Die Puristen schwören auf das leichte Schwarze, das schon Generationen offener Autos bei Regen, Schnee und Kälte überdacht hat. Die Modernisten können da nur den Kopf schütteln. Sie möchten die klappbaren Stahlkonstruktionen nicht missen, die dank pfiffiger Ingenieure seit einigen Jahren auf dem Markt sind und in immer mehr Modellreihen Einzug halten. Und die Autobauer? Sie stehen zwischen den Fronten und müssen überlegen, auf welche Käufergruppe sie verzichten wollen, wenn sie ein neues Cabrio auf die Räder stellen.

Rechtzeitig zur Open-Air-Saison 2008 ist Audi in dieser Glaubensfrage wieder einmal an den Start gegangen. Die Ingolstädter bringen mit dem A3 Cabriolet erstmals ihren Kompakten in einer Frischluftversion auf die Straße – und setzen dabei auf Bewährtes. Aus dem Kofferraum des Dreitürers entfaltet sich ein Stoffdach. Ist das einfach nur trotzig, weil es ein klares Bekenntnis zur Tradition der Marke mit den vier Ringen ist? Schließlich setzen auch der größere A4 und der TT in der offenen Version auf die leichte Haube. Oder ist das Stoffdach für den kleinen Audi einfach die beste Lösung? Wir haben eine erste Probefahrt gemacht.

Dank einer speziellen Falttechnik nimmt das eingeklappte Dach nur wenig Platz im Kofferraum ein. Gut, dort bleiben bei offenem wie geschlossenem Dach nur 260 Liter Stauraum übrig. Das ist nun mal die Größenordnung, auf die man sich bei Cabrios einstellen muss. Doch anders als bei Stahldach-Autos ist dem A3 kein buckeliges Heck gewachsen. So kann Audi den Gewichtsvorteil der Stoffmütze nutzen und gleichzeitig bei der Karosserie voll auf sportliche Linienführung setzen.

4,24 Meter sind die beiden Nummernschilder voneinander entfernt und den Raum dazwischen haben die Designer knackig gestaltet. Der mächtige Singleframe-Kühlergrill dominiert die Front, die Scheinwerfer sind mit einem Leuchtenband bestückt, das fürs Tagfahrlicht zuständig ist. Dadurch wirken die Scheinwerfer flacher, aggressiver. Am Heck ist ein kleiner Spoiler integriert, die Rückleuchten sind weit in die Flanken gezogen. Ist das schon ein Ausblick auf die Überarbeitung der A3-Geschwister? Nein, heißt es bei den Designern, das Cabrio habe einen völlig eigenständigen Auftritt. Und der zeugt von Selbstbewusstsein: Wo Premium draufsteht, soll auch Premium drinstecken.

Das zeigt sich auch im Innenraum des Viersitzers. Kunststoffe und Leder sind hochwertig und sauber verarbeitet. Die klassischen Rundinstrumente sind klar ablesbar. Die runden Luftdüsen, die Applikationen aus Wurzelholz oder Aluminium, die Drehschalter – all das fasst man gern an. Die vorderen Sitze sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt auf kurvigen Landstraßen. Und auch auf den beiden hinteren Plätzen kann man bequem sitzen. Der Frischling aus dem Hause Audi legt damit die Messlatte hoch, zum Beispiel für die Konkurrenz aus München, die mit dem 1er Cabrio ebenfalls in diesem Frühjahr an den Start gehen will.

Die großen Außenspiegel zeigen dem Fahrer deutlich, was hinter ihm auf der Straße passiert. Die Sicht durch den Innenspiegel ist – wie üblich bei Cabrios – durch die kleinere Heckscheibe eingeschränkt. Beim A3 wird dieses Sichtfeld allerdings noch zusätzlich geschmälert. Die Audi-Entwickler haben nämlich bei den hinteren Plätzen fest montierte anstatt ausfahrbarer Überrollbügel hinter den Kopfstützen eingebaut. Das Design stört das nicht wesentlich, schränkt aber den Blick zurück noch ein bisschen mehr ein.

Einen Pluspunkt gibt es dafür, dass die Rücksitzlehnen umklappbar sind. So lässt sich der Laderaum auf insgesamt 674 Liter Volumen vergrößern. Vor allem aber hat man dann eineinhalb Meter Ladetiefe. So soll sogar ein Mountainbike im Kofferraum Platz finden. Dessen Öffnung ist allerdings gerade einmal so groß, dass man eine Wasserkiste hindurchzirkeln kann. Das ist knapp kalkuliert. Fahrersitz, Lenkrad und Spiegel sind im Handumdrehen eingestellt, die entsprechenden Schalter muss man nicht lange suchen – und dann kann es losgehen.

Unter der Haube hat das Cabrio zwar nichts Neues zu bieten. Doch die vier Motoren, die aus dem Audi-Sortiment für den offenen A3 ausgesucht wurden, sind gut gewählt. Mit 160 PS lockt der kleinere der beiden Benziner, der 1,8-Liter-TFSI. Und der macht richtig Spaß. Drehfreudig beschleunigt er in gut acht Sekunden auf Tempo 100, wer will, kann Spitze 218 km/h fahren. Das Sechs-Gang-Getriebe ist gut auf den Motor abgestimmt. Wer’s etwas sportlicher mag, bestellt sich das aufpreispflichtige S-tronic-Schaltwerk, mit dem man die Gänge automatisch oder über Schaltwippen am Lenkrad wechselt. Der Vorteil: Bei der Beschleunigung ist dann nicht mehr die geringste Schaltverzögerung zu spüren.

Der 1,8-Liter-Motor beschleunigt schon flott und schnurrt geradezu vor sich hin. Wahlweise wird aber auch ein Zwei-Liter-Aggregat angeboten. Dessen 200 PS machen den offenen Audi noch eine Nummer flotter. Ob man das wirklich braucht, sei dahingestellt. Für die Probefahrt stand alternativ auch der Zwei-Liter-Diesel zur Verfügung. Der bestach durch seine unerwartete Laufruhe. Lediglich im Stand ist er als Selbstzünder zu erkennen. Allerdings bietet er nicht den gleichen Fahrspaß wie die Benziner, ist etwas behäbiger. Er soll durchschnittlich 5,3 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer schlucken, das sind zwei Liter weniger als sich der kleine Benziner genehmigt. So kann man mit dem Diesel entspannt auf große Tour gehen. Immerhin passen 55 Liter in den Tank. Als zweiter Dieselmotor wird auch das 1,9-Liter-Aggregat angeboten, mit 105 PS die kleinste Motorisierung.

Und wie benimmt sich derweil die Stoffmütze? Audi bietet das Verdeck in zwei Versionen an. Als halbautomatisches Softtop mit zwei Lagen oder als vollautomatische, dreilagige Variante – und letztere ist eindeutig die bessere Wahl. Dieses Dach ver- und entriegelt auf Knopfdruck in gerade einmal neun Sekunden nicht nur vollautomatisch. Bei der halbautomatischen Version muss da von Hand nachgeholfen werden. Das Vollautomatikdach dämmt die Windgeräusche auch hervorragend und lässt sich während der Fahrt öffnen und schließen – bis 30 km/h. Die Heckscheibe ist beheizbar und das Cabrio damit ein echter Ganzjahreswagen. Lediglich an den Frontscheiben sind bei schnellerer Fahrt auf Höhe der Außenspiegel Luftgeräusche zu hören, wohl wegen des fehlenden Fensterrahmens. Das ließe sich noch verbessern.

Dieser fast tadellose Eindruck wird von der Karosserie noch übertroffen. Verstrebungen mit hoch- und höchstfesten Stählen sollen Steifigkeit und damit auch maximale Crashsicherheit schaffen. Selbst in zügig gefahrenen Kurven in den Bergen ist deshalb nicht das geringste Knarzen zu hören. Das Fahrwerk hält den Wagen in allen Situationen sicher auf dem Asphalt und dank der feinfühligen Servolenkung lässt er sich präzise manövrieren.

Das A3 Cabriolet kann man ab sofort beim Händler bestellen. Auch der Preis ist allerdings Premiumklasse. Der Einstieg beginnt bei 27950 Euro. Ein Schnäppchen haben die Traditionalisten aus Ingolstadt damit nicht im Angebot, aber ein Auto, das sich anstandslos in die Produktfamilie einreiht – mit hohem Qualitätsanspruch, konsequenter Weiterentwicklung eigener Stärken und dem Versprechen auf eine Menge Fahrspaß.

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