Audi A5/S5-Cabrios : Wellnessoasen für die Straße

Wer hier einsteigt, will sich verwöhnen (lassen) – und kann es sich leisten, inklusive der Extras jenseits der Serie. Mit den A5/S5-Cabrios hat Audi Limousinen-Zuverlässigkeit mit Frischluftgefühl geschaffen.

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Das Audi Cabrio S5.
Das Audi Cabrio S5.Foto: Ingrid Müller

Wer das Verdeck einmal geöffnet hat, möchte es eigentlich nicht mehr schließen. Fahrer unterhalb von Gardemaß sind gut hinter der hohen Frontscheibe vor Wind geschützt. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten hält die Frisur, wenn man über den Rücksitzen das faltbare Windschott eingehängt hat. Bei ordentlich Tempo und noch etwas ungemütlichen Außentemperaturen verleiten geschlossene Seitenfenster und vor allem die in die Sitze integrierte kuschelige Drei-Stufen-Nackenheizung allzu schnell zu geballter, offener Unvernunft. Wer es noch genussvoller mag, schaltet die Sitzheizung ein und gönnt sich an der Mittelkonsole außerdem eine der Massagefunktionen dazu. Selbst schlecht sanierte Schlaglöcher oder Seitenwind steckt das Cabrio gut weg und zieht spurtreu durch Kurven.

Sollte man es sich unterwegs doch anders überlegen, schließt sich das Dach während der Fahrt (von 6 bis gut 50 km/h) nach nur einem kurzen Zug am Schalter in der Mittelkonsole innerhalb von 18 Sekunden wieder. Zum Öffnen ruft Audi nur 15 Sekunden auf. Festhalten muss man den Dachhebel nur noch, wenn das Auto im Stehen gelöffnet oder geschlossen werden soll. Ihr neues Dach (in verschiedenen Farben und – natürlich! - aus Stoff) haben die Ingolstädter Akustik-Verdeck getauft. Nicht, weil es mit den Passagieren spricht, sondern weil seine Drei-Lagen-Konstruktion mit Kunststoffschaum zwischen starker Außenhaut und Innenbespannung die meisten Geräusche wegfiltert: Gespräche mit dem Beifahrer und Musikgenuss über das ausgefuchste Infotainment-Angebot sind also auch jenseits von Tempo 100 kein Problem.

Der Audi 3.0 TDI mit 286 PS.
Der Audi 3.0 TDI mit 286 PS.Foto: Ingrid Müller

In die Gurte von Fahrer wie Beifahrer eingebaute Mikrofone sollen selbst bei offenem Verdeck gute Sprachqualität beim Telefonieren garantieren – wenn denn die Mobil-Verbindung hält. In Südspanien, wohin Audi zum Cabriotest lud, ist das nicht überall der Fall, selbst wenn das Signal in der Handy-Mulde verstärkt wird. Für iphone-Nutzer hat Audi extra eine Schatulle entwickelt, damit auch sie ihr Gerät schnurlos unterwegs laden können. „Hält ein Autoleben lang“, versichert der zuständige Kollege. Auch ansonsten zieht die moderne Kommunikation ins „virtual cockpit“ ein: Achtung, Ablenkungsgefahr. Es warten bis zu 30 Assistenzsysteme. Verschiedenste Navigationseinstellungen stehen zur Wahl: Verkehr von hinten signalisiert das Bordsystem ebenso, wie den zu nahen Vordermann. Besonders stolz sind die Entwickler auf die Car-to-x-Funktion, mit der Audis via Cloud Gefahren und Verkehrszeichen miteinander teilen können. Das alles dient der Sicherheit, sagen die Entwickler. Hacker hätten aber keine Chance, auf sicherheitsrelevante Komponenten zuzugreifen. Die Systeme seien wie Bankkonten verschlüsselt und die Informationen würden geprüft, bevor sie weitergegeben werden, versichern die Ingolstädter.

Sogar Skier haben Platz

Alle, die mehr als nur einen kurzen Ausflug machen wollen, werden sich über einen Knopf im Kofferraum freuen, mit dessen Hilfe auf einen Blick zu sehen ist, wie viel Gepäck mit kann, wenn sie offen fahren wollen. 320 Liter sind allerhand mehr als die Aktenköfferchen, auf die das eine oder andere sonstige Modell den Raum im Heck in dem Fall schon mal reduziert. Bleibt das Verdeck geschlossen, sind es 380 Liter. Ein weiterer Hebel schubst auf Wunsch automatisch jeweils einen der beiden Rücksitze um, so dass im Frühjahr sogar noch ordentlich verschnürte Skier für eine Gletschertour Platz haben. Die Vordersitze sind stabil genug, dass deren Stahlkanten selbst bei einer heftigen Bremsung keine Gefahr wären, sagen die Autobauer.

Den Platz auf der Rückbank haben die Entwickler zwar etwas erweitert. Aber als Vier-Sitzer eignet sich auch die neue Generation eher, wenn Kinder mitfahren oder für einen spontanen Restaurant-Besuch oder einen Abstecher zum nahen Badesee mit dem Pärchen von nebenan an einem lauen Sommerabend.

Die Ausstellung der neuen Modelle in Cadiz.
Die Ausstellung der neuen Modelle in Cadiz.Foto: Ingrid Müller

Für kurze Stadt-Touren sind sämtliche Modelle mit hochwertigen Materialien und den kantigen Wellen, die die Designer gewählt haben, allerdings eigentlich natürlich nichts. Denn die Cabrios der obersten Mittelklasse starten mit 190 PS im kleinsten A5 (2.0 TDI, 7-Gang S Tronic, ab 49.350 Euro). Star der Serie aber (und bei den Kunden beliebteste Variante) ist der S5, mit stolzen 354 PS, 250 km/h Spitze und sattem Sound, der Spezialisten sogar die Musikanlage ersetzt. Stolz auch sein Preis, der bei 67.800 Euro (3.0 TFSI quattro, 8-Gang tiptronic) startet. Die 7,7, Liter kombinierten Normverbrauch des S-Modells sollte jeder sofort vergessen – das Display zeigt rasch andere Werte. Das komfortable Head-Up-Display, das Fahrinformationen höhenverstellbar direkt auf die Frontscheibe projiziert, ist in dem Preis noch nicht inklusive. Dafür sind weitere 980 Euro fällig.

Ein bisschen Fahrtwind um die Nase gefällig? Das neue Audi-Cabrio.
Ein bisschen Fahrtwind um die Nase gefällig? Das neue Audi-Cabrio.Foto: Ingrid Müller

Sportlichen Fahrern wird im Top-Modell nicht verborgen bleiben, dass die Automatik selbst in der Dynamik-Variante eine spürbare Verzögerung beim Weiterschalten hat. Sie werden wohl mindestens zusätzlich die Sportstellung am Schalthebel wählen, wenn sie nicht gleich mit tief eingestelltem Lenkrad rechts raus aufs Manuelle oder die Paddel am Lenkrad wechseln. Diejenigen, die auch offen gern schnell die Kraft eines Autos auf der Straße spüren, werden vermutlich das Drehmoment (620 Newtonmeter) des Dreiliter-TDI mit 286 PS mögen, der sparsamer sein soll. Der wird allerdings erst etwas später zu haben sein als die übrigen Cabrios der Reihe, die ab 24. März bei den Händlern stehen sollen.

Diesel bleibt für Audis Große der Motor der Wahl

Spätestens jetzt klopft das Hirn mit dem schlechten Gewissen an. Stuttgart droht gerade mit Dieselfahrverbot. Kein Problem, sagt der Chef der Audi-Produktkommunikation, Peter Oberndorfer. Die Neuen halten doch die Euro-6-Norm ein. Noch ist das auch in Stuttgart die Lizenz zum Fahren. Und wie war das mit der Softwaremanipulation, die auch Audi Probleme macht? Davon hat von den zum Test nach Spanien geschickten Audi-Abgesandten nach eigenem Bekunden jedenfalls niemand etwas mitbekommen. Allerdings kann sich auch keiner vorstellen, dass ein Einzelner so etwas allein auf den Weg gebracht haben könnte.

So oder so: Diesel bleibt jedenfalls für Audis Große der Motor der Wahl: „Bei den größeren Fahrzeugen werden wir noch eine Weile Diesel haben. Anders kriegen sie die CO2-Ziele gar nicht hin“, sagt Oberndorfer. Die Kohlendioxidwerte der Benziner-Cabrios sind stattlich (151 – 177 g/km, bei den Dieselvarianten 124 – noch ohne Angaben für den 3.0 TDi mit 286 PS)). Das Umweltgewissen kann all das jedenfalls nicht beruhigen. Wie steht es mit einem E-Cabrio? Da ist keins in Planung. „Das wäre ein komplett neues Auto, die Entwicklung würde Milliarden kosten“, winkt Oberndorfer ab. Dafür käme eher ein A3 wegen der entsprechend größeren Stückzahlen in Frage, heißt es bei den Entwicklern.

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