Audi A5 : Schön zwischen rein

Audi schließt die Lücke zwischen A4 und A6. Schon jetzt zum Händlerstart ist klar: Das Coupé A5 wird ein Erfolg werden.

Eric Metzler
Audi A5
Der Audi A5 kommt zu den Händlern.Foto: Audi

In der Autobranche geht es seltsam zu. Lückenfüller sind hier nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Lückenfüller erzeugen flächendeckend Glücksgefühle. Das fängt an, wenn die Entwickler grünes Licht vom Vorstand bekommen: Ihr habt unseren Segen, macht euch an die Arbeit! Dann kommen die jungen, hungrigen Designer, die man häufig an Facelifts, aber selten an Urtypen heran lässt. Der Vorstandschef strahlt, wenn er mit der Hand über den handmodellierten Prototypen streicht. Passt. Mein Kind. Kurze Zeit später berechnen sie im Marketing freudig, wie dick das Budget für einen dicken Erfolg wohl sein muss. „Markteinführung“ steht über dem Papier – und die Werbeagentur feiert den Zuschlag für die Kampagne drei Tage am Stück. Auch im Werk und bei den Zulieferern sind Hunderte fröhlich; eine neue Produktionsstraße wird eingerüstet– nun ist der Standort auf Jahre gesichert. Am Ende reiben sich selbst ausgebuffte Händler die Hände: Endlich wieder was zu verkaufen, das es so noch nicht gab. Haben auf den nicht alle gewartet?

Sieht man vom A2 ab, der Mitte 2005 eingestellt wurde, muss man bei Audi darauf immer wieder mit „Ja“ antworten. Autos, die in Ingolstadt Lücken im Programm füllen, werden beinahe zwangsläufig ein Renner. Der A3 im Format des Golf markierte 1996 Audis Start in der Kompaktklasse – heute wird die zweite Generation des Bestsellers allein in Deutschland 80 000 mal jährlich verkauft. Seinen ersten SUV, den Q7, brachte Audi zu einer Zeit ins Spiel, als Konkurrenten wie der X5 schon längst auf dem Feld waren. Doch der Q läuft wie geschmiert; die Fabrikationszahlen werden in schöner Regelmäßigkeit nach oben korrigiert – in Zehntausenderschritten. Beim R8, der seit Anfang dieses Jahres die Leerstelle „Supersportwagen“ besetzt, leiden die Kunden unter dem Fluch der gut verkäuflichen Tat. Wer bestellt, wartet anderthalb Jahre. So heiß wird es beim A5 zwar nicht werden, aber die Wetterprognosen sind gut: Zwischen den Limousinen A4 und A6 ist schön Platz für ein sportliches Coupé – Betonung auf schön.

7333_0_ec9de7a5
Der sportliche Bruder ist der S5. Bereits von außen sind dem Auto die Renngene anzusehen. Der Motor bringt den Boliden in 5,1...Foto: Audi

Der Lückenfüller A5 ist verdammt, eine noch bessere Figur zu machen als die Kollegen aus eigenem Haus. Schönheit ist nicht irgendein, sondern das entscheidende Kaufargument bei einem Gran Turismo. Dieses Etikett verdienen sich nur Autos, deren Linie Eleganz verströmt und großzügiges Reisen verspricht. Für den A5 trifft beides zu – und zwar auf den ersten, und jeden weiteren Blick. Die Motorhaube, das lang gezogene Dach und das kurze Heck beschreiben einen flachen, aber doch spannenden Wagenkörper; die Spur wirkt extrem breit, die Scheinwerfer blicken fordernd, aber nicht aggressiv. Ein Gentleman auf dem Sprung. Wenn Chefzeichner Walter de'Silva bei jeder Gelegenheit von seinem „schönsten Entwurf“ spricht, dürfte diese Kategorie in Bälde zwar vollends ausgeleiert sein. An der gelungenen Sache ändert das nichts. Mal ehrlich: Bei Premieren vieler Marken bleibt der Blick schnell irgendwo hängen. An einer misslungenen Kante, einer strittigen Fläche, einer störenden Proportion. Bei diesem Fünfer ist das anders: Das Auge erfasst gleich das Ganze. Aus einem Guss – so wie es zuletzt bei einem Audi ganz anderer Art war, beim alten TT.

 Reiner Selbstzweck ist die Form der Karosserie freilich nicht. Die Vorderachse ist weiter in Richtung des markentypischen Grills gerückt; den Überhang vorne hat man also zugunsten eines längeren Radstandes minimiert. Der Motor rückte etwas nach hinten, das Getriebe wurdeneu angeordnet. Folge: Die Fahrzeuglasten werden besser auf die Achsen verteilt. Zugute kommt das einem dynamischen Fahrverhalten, das dem des 3er Coupés von BMW nur leicht nachsteht. Der A5 lässt sich direkt und präzise einlenken, die Quattro-Versionen sind bei halbwegs gesetzestreuer Fahrt keinen Deut aus der Spur zu bringen. Insgesamt haben die Ingenieure den A5 recht hart ausgelegt. Empfindsamen Passagieren könnte das einen Tick zu weit gehen, vor allem, wenn sie häufig auf dem gelöcherten Pflaster Berlins unterwegs sind. Den meisten Käufern wird's vermutlich gefallen, entscheiden sich doch viele ganz bewusst für ein Sportcoupé, das den Namen verdient.

Welchen der A5-Motoren diese Liebhaber aussuchen, spielt bei ehrlicher Betrachtung eine Nebenrolle. Stark genug sind nämlich alle, wie erste Ausfahrten zeigten. Aber wie immer lässt sich der Vergnügungsfaktor gegen entsprechendes Entgelt beliebig hochjuchzen. Alle Aggregate, die zum Händlerstart in diesen Junitagen verfügbar sind, bieten Direkteinspritzung und hohes Drehmoment: die beiden Sechszylinder-Diesel (2.7 TDI mit 190 PS und 3.0 TDI mit 240 PS) genauso wie der 265-PS-Benziner 3.2 FSI. Wem Stärke und Spaß in diesen Dimensionen nicht reichen, greift zum Achtzylinder S5 mit 354 PS – zum ersten Mal bringt Audi die Top-Version gleich parallel an den Start. Unser Favorit dagegen wird erst im Herbst nachgeschoben: Dann kommt der 1.8 TFSI, ein viel versprechender Basismotor, der Direkteinspritzung und Turboaufladung kombiniert.

Wer zum ersten Mal die Polster des A5 probiert, wird vermutlich anerkennend nicken: Reichlich Platz auf den zwei Sitzen vorne, ausreichend auf den zweien hinten – dort bei naturgemäß knapper Kopffreiheit. Das Armaturenbrett ist klar gezeichnet, die Mitte dem Fahrer leicht zugewandt. Das große Display des serienmäßigen Bediensystems MMI sitzt weit oben, der Joystick dazu in der breiten Mittelkonsole. Die hohe Qualität der Materialien ist förmlich fühlbar, allein die Plastikblende des CD-Wechslers unter den Lüftungsdüsen wirkt billig. Ein Detail als einzige Angriffsfläche – da darf man getrost auf den A5 wetten: Dieser Lückenfüller bringt noch eine Menge Leute zum Strahlen.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben