Audi A7 : Zwischen den Welten ist auch noch Platz

Der A7 ist da – ein Audi für alle, die schon immer Probleme hatten, sich für einen Typ zu entscheiden.

von

Da ist die Sache mit dem Knopf. Einfach gedrückt und schon läuft der Motor. Dazu muss man nicht einmal den Autoschlüssel aus der Tasche nehmen. Der Schlüssel hat schon vorher unbemerkt die Tür aufgeschlossen und das persönliche Fahrerprofil für Sitz und Spiegel eingestellt. Recht praktisch. Und typisch für den A7. Man will es dem Nutzer leicht machen; nicht alles anders und weniges wirklich neu, aber vieles besser als bei anderen Schönlingen.

Ein Schönling ist der A7 Sportback tatsächlich. Mit einer betörend spannenden Linie, mit lang gezogenem Fließheck und einer rassigen Frontpartie, in die sich der von einigen immer noch ungeliebte Singleframe-Grill wirklich harmonisch einfügt. Die rahmenlosen Fenster unterstützen die Anmutung als Coupé; die LED-Rückleuchten wie die akkurat gearbeiteten Fugen unterstreichen die elegante Erscheinung.

Bescheiden sind die Ingolstädter Autobauer nicht. Der fünftürige A7 „vereint den emotionalen Charakter eines Coupes mit dem Komfort und Prestige einer Limousine sowie dem funktionalen Nutzen eines Avant“, haben die Marketingleute aufgeschrieben. Von allem etwas. Das ist ein bisschen viel auf einmal. Man ahnt, wie sich die Strategen des unübersichtlich gewordenen Typen-Universums die Zielgruppe für den neuen A7 vorstellen: die Endvierziger, die plötzlich feststellen, dass die Kinder groß geworden und damit die Zeit des praktischen A6 Avants mit Heckklappe vorbei ist, denen aber der A4 zu klein, der A6 zu bieder und der A8 zu protzig ist.

Und der A7 gibt sich viel Mühe, zu gefallen. Er bringt das Fließheck in die Luxusklasse. Das fängt mit den Motoren an. Vier Sechszylinder-Triebwerke haben die Ingolstädter im Angebot, je zwei Benziner und Diesel; von 204 PS bis zum Kraftpaket 3.0 TFSI mit über 300 PS. Der etwas später lieferbare, neu entwickelte 3.0 TDI soll im Mittel nur 5,3 Liter Diesel verbrauchen – bei einer niedrigen CO2-Emission von nur 139 Gramm pro Kilometer. Beim Fahrtest auf holpriger Bergstrecke zeigte sich selbst das schwächste Triebwerk allen Herausforderungen eines normalen Nutzers gewachsen. Dafür sorgen schon das stufenlose Multitronic-Getriebe oder beiden stärkeren Motoren die dynamische Siebengang S tronic im Verein mit einem permanenten Allradantrieb. Nur beim brachialen Beschleunigen aus der Kurve den Berg hoch wird es beim kleinsten Triebwerk etwas ruppiger und lauter.

Der Sportback macht Spaß und jeden kreuzbraven Familienvater munter. Der will ökologisch sein und freut sich über die Start-Stopp-Funktion des Motors an der Ampel, fährt gerne Automatik – und genießt die sportive „Ich-kann-auch-anders“-Schaltwippe am Lenkrad, mit der manuell die Gänge hochgezogen werden können. Ab Tempo 130 fährt automatisch ein Heckspoiler aus. Oder per Knopfdruck, wer es langsamer liebt und dennoch sportlich daherkommen will. Nötig ist es für die Straßenlage im Alltag jedenfalls nicht. Das kleine, knuffige Lenkrad liegt gut in der Hand, auch wenn mancher finden wird, es habe zu viele Funktionen und zu kleine Tasten. Die neu entwickelte elektro-mechanische Lenkung ist so straff, wie man es bei Audi mag, und die Sitze begeistern durch körpernahen Komfort und gute Seitenunterstützung. Auch auf der Rückbank gibt es trotz 142 Zentimeter niedrigem Fahrzeug genügend Kopffreiheit. Und der Kofferraum – serienmäßig mit elektrisch betätigter Heckklappe – hat 535 Liter Fassungsvermögen, bei umgelegter Rückbank sogar 1400 Liter.

Audis Werbe-Sprech – man habe bei der Gestaltung der Instrumententafel ein „Amphitheater-Gefühl“ erzeugen wollen – darf man schleunigst vergessen. Aber den Designern ist durchaus ein überaus eleganter wie funktionaler Innenraum gelungen. Das ist ein Interieur zum Wohlfühlen. Die elegante Linienführung, innovative Materialen wie das Furnier in Schichtholztechnik, eine hervorragende Musikanlage und gute Schallisolierung sind Pluspunkte. Hinzu kommt ein großer Bordmonitor, der automatisch beim Anlassen ausfährt.

Ob das Konzept des in derGrundversion fast 52 000 Euro teuren A7 erfolgreich ist, wird sich zeigen. Immerhin galt ein Fließheck in Deutschland lange als Kassengift; doch Konkurrent Mercedes hat in der Oberklasse mit dem CLS bereits ein Schrägheck vorgelegt. Herausgekommen ist jedenfalls der attraktivste Audi, mit hervorragender Verarbeitung, wie man es in der Oberklasse auch erwarten darf. Schade nur, dass die vielen aufregend nützlichen Funktionen nur gegen Aufpreis zu haben sind. Der active lane assist achtet mit sanftem Lenkereingriff darauf, dass der Fahrer in der Spur bleibt und überwacht den toten Winkel. Der Nachtsichtassistent erkennt per Infrarot-Kamera weit voraus liegendeHindernisse und das Head-up-Display projiziert drohende Gefahren auf die Windschutzscheibe. Und das pre sense Sicherheitssystem greift bei drohenden Auffahrunfällen bis hin zur Vollbremsung automatisch ein. In Verbindung mit dem Navigationssystem reagiert die Leuchtweitenregulierung – schaltet auf Ferne, sobald man auf die Autobahn einbiegt oder schaltet bei entgegenkommenden Wagen selbstständig das Fernlicht aus. Voll großstadttauglich ist der Parkassistent, der den A7 ruck-zuck perfekt selbst in enge Lücken hinein lenkt. So eng, dass die einzige Beule im Vorführwagen auf das Konto eines Testfahrers ging, der es manuell versuchte.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar