Audi : Abseits

Audi bringt einen A4, der es schmutzig mag: Der allroad quattro hat im Gelände erstaunliche Qualitäten.

Wolfgang Gomoll

Erinnern Sie sich noch an den Golf Country? Dieser Golf II syncro auf Stelzen polarisierte mit seiner brachialen Offroad-Optik die Käufer. Die einen fanden ihn cool und lässig, die anderen grottenhässlich – aufgeklärte Mobilisten hielten ihn schlicht für ein Auto, dass keiner braucht. Warum wir das erzählen? Im Gegensatz zum Wolfsburger Kraxel-Mobil, das 1990 eingeführt und schon ein Jahr später eingemottet wurde, hält Audi verbissen an seiner Gelände-Design-Und-Mehr-Strategie fest. Nach dem A6 allroad quattro, soll jetzt ein Offroad-A4 die Klientel bedienen, die sich nicht traut, einen echten SUV mit hohem Anfeindungspotential zu kaufen.

Um den A4 allroad quattro von den SUV abzugrenzen, haben die Ingolstädter Marketing-Experten verbal zunächst einen Dreifach-Salto mit doppelter Schraube hingelegt: Sie attestieren dem Neuling eine „ausgeprägte Schlechtwege-Fähigkeit“. So groß die Kopfschmerzen sind, die diese Phrase bereitet, so überzeugend sind die Fähigkeiten des A4 allroad quattro. Der schlägt sich nämlich jenseits der Straße ziemlich wacker, wühlt sich unverdrossen durch tiefe Wasser-Kuhlen und bezwingt selbst verschlammte Hügel locker.

Eine Grundvoraussetzung dafür ist die – gegenüber dem Standard-A4 – um 37 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit. Dazu kommt, natürlich, ein Quattro-Antrieb mit einem selbstsperrenden Mitteldifferential, das 60 Prozent der Kraft auf die Hinterräder lenkt, garniert mit einem modifizierten Fahrstabilitätsprogramm. Dieses „ESP mit Offroad-Detection“ (wieder so ein Marketing-Wortungetüm) lässt beim Gasgeben mehr Schlupf zu als die für den normalen Straßenbetrieb konfigurierten Schleuderverhinderer. Außerdem wird beim Bergabbremsen das ABS etwas zurückgedreht. So bildet sich ein Keil vor den Reifen, der die Verzögerung unterstützt, was gerade bei steilen Bergab-Passagen sehr beruhigend wirkt. Dazu trägt auch der Edelstahlunterbodenschutz bei, der beim A4 allroad quattro also alles andere als effektheischende Mimikry ist. Anders sieht es da schon bei den breit ausgestellten Kotflügeln mit Plastikeinsätzen aus. Die tragen etwas dick auf. Immerhin steht der A4 allroad trotz der erhöhten Bodenfreiheit tatsächlich noch einigermaßen satt da: Seine Spur ist um zwei Zentimeter weiter als die des Normal-A4s.

„Der fährt sich so gut, wie er aussieht“, sagt Techniker Dr. Peter Kohoutek. Das mag für die Offroad-Fähigkeiten stimmen, auf der Straße offenbaren sich kleine Fahrwerksschwächen. Bei schneller Fahrt über kurze Schläge ist ein leichtes Stuckern festzustellen und die Karosserie wippt leicht nach. Da macht es sich negativ bemerkbar, dass der A4 allroad im Gegensatz zu seinem A6-Pendant keine variablen Dämpfer hat.Sieht man von dieser Nachlässigkeit ab, macht der A4 allroad quattro eine gute Figur. Vor allem der kräftige (aber ruhige) 240-PS-Common-Rail-Diesel mit drei Liter Hubraum vermittelt im Zusammenspiel mit dem famosen Doppelkupplungsgetriebe S tronic wirklich Spaß. Etwas angestrengter wirkt da schon der 2.0-Liter-Selbstzünder mit seinen 170 PS. Für alle, die partout einen Benziner wollen, ist der 2.0-Liter-TFSI die richtige Wahl.

Wie auch immer – im Innenraum des rustikalen A4 spielt Audi seine ganze Fertigungs-Stärke aus. Das Cockpit gefällt durch die grundsolide, hochwertige Verarbeitung, wie wir sie kennen. Und da es den A4 allroad quattro nur als Avant gibt, ist auch der Kofferraum mit einem Volumen von 490 bis maximal 1430 Litern groß genug. Für Playstation-Fans ist auch gesorgt: Bei allen Fahrzeugen mit Start-Stopp-System ist ein Effizienzprogramm enthalten. Damit informiert der Bord-Computer via Balkengraphik genauestens, wie viel extra Sprit zum Beispiel die eingeschaltete Klimaanlage oder die Sitzheizung verbraucht. Letztere wird bei den A4-allroad-Fans aber nur selten anheschaltet: Schließlich sind Offroad-Helden keine Weicheier.

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