Audi bleibt beim A3 konservativ : Kompakt auf hohem Niveau

Mit dem A3 wird im Spätsommer das erste Modell auf der neuen Golf-Plattform auf den Markt kommen. Der Audi A3 macht optisch nicht viel anders als sein Vorgänger, bietet aber für seine Klasse reichlich Hightech.

Zackig: Bei den optischen Veränderungen blieb Audi verhalten. Die Kanten sind schärfer und der Singleframe-Kühlergrill ist vorne nun angeschrägt.
Zackig: Bei den optischen Veränderungen blieb Audi verhalten. Die Kanten sind schärfer und der Singleframe-Kühlergrill ist vorne...Foto: Hersteller

Die Technik teilt sich der neue Dreitürer zwar weitgehend mit dem nächsten VW Golf. Bei Ausstattung und Ambiente hat Audi allerdings eher nach A6 und A8 geschielt. Zumindest gegen Aufpreis gibt es mehr Luxusextras, Infotainment- und Assistenzsysteme als bei den meisten Konkurrenten. Den Grundpreis von aktuell 22.500 und später 21.600 Euro kann man mit genügend Extras allerdings fast verdoppeln.

Kompakt ist nur noch das Format

Wer ordentlich draufzahlt, sitzt aber in einem Auto, das sich nur durch die Länge von 4,24 Metern und die Platzverhältnisse im Fond von der Oberklasse unterscheidet: Die Scheinwerfer arbeiten auf Wunsch mit LED-Technik, das Navigationssystem kann Handschriften lesen und die Musik kommt von einer Bang & Olufsen-Anlage. Dazu halten elektronische Assistenten automatisch den Abstand zum Vordermann, helfen bei Spurführung oder Spurwechsel, straffen in brenzligen Situationen die Gurte und rangieren den A3 in die Parklücke.

Man muss aber gar nicht alle Extras bestellen, um den Aufstieg zu spüren. Schon die etwas gehobenen Ausstattungslinien Ambition und Ambiente (je 1900 Euro) reichen für das neue Wohlfühlambiente. Dann schweift der Blick über schmucke Landschaften aus Lack und Leder und die Finger streifen über Tastenfelder oder Rändelräder, die selbst die Änderung der Temperatur zu einer kleinen Freude machen.

Eher Evolution als Revolution

Oberklasse: Die Ingolstädter stellen fast ihr gesamtes Technikrepertoire für den A3 zur Verfügung. Das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder.
Oberklasse: Die Ingolstädter stellen fast ihr gesamtes Technikrepertoire für den A3 zur Verfügung. Das schlägt sich natürlich auch...Foto: Hersteller

Zum gediegenen Ambiente und der vornehmen Atmosphäre passt die gute Dämmung des A3. Wer nicht betont sportlich fährt, hört von den Motoren nur ein leises Grummeln und wähnt sich auch akustisch in einer höheren Klasse. Zumindest in der ersten Reihe gilt das auch fürs Platzangebot. Denn selbst mit langen Beinen sitzt man bequem. Auch der Kofferraum mit seinem höhenverstellbaren Ladeboden und 365 Litern Volumen ist ordentlich bemessen. Nur der Weg in den Fond ist etwas beschwerlich. Das wird erst besser, wenn zum Jahreswechsel der Sportback mit fünf Türen und bis 2014 eine kleine Limousine kommen.

So kräftig Audi im Innenraum nachgelegt hat, so verhalten ändert sich das Äußere. Nicht nur das Format bleibt außer dem auf 2,60 Meter gestreckten Radstand gleich. Sondern auch an der Form ändert sich nicht viel. Allerdings sind die Kanten jetzt schärfer, die Flächen glatter, die Fugen schmaler und die Proportionen ein wenig knackiger. Aber eine Revolution ist der neue A3 ganz sicher nicht. Eher eine zaghafte Evolution, mit der die Verwechslungsgefahr bei Audi weiter wächst.

Noblesse mit nur zwei Zylindern

Gemeinsamkeiten: Die Plattform teilt sich der Audi A3 mit dem VW Golf, der im Herbst erscheinen wird.
Gemeinsamkeiten: Die Plattform teilt sich der Audi A3 mit dem VW Golf, der im Herbst erscheinen wird.Foto: Hersteller

Zum Marktstart Ende August gibt es den A3 mit einem 110 kW/150 PS starken Diesel und zwei Benzinern mit 89 kW/122 PS oder 132 kW/180 PS. Aber der vielleicht spannendste Motor kommt ein paar Wochen später - ein 1,4-Liter-Benziner mit Zylinderabschaltung. Normalerweise hat der Vierzylinder 103 kW/140 PS und bringt den A3 mit bis zu 250 Newtonmeter Drehmoment flott in Fahrt. Der Motor hängt gut am Gas, beschleunigt zügig an der Ampel oder am Ortsausgang und ist so kräftig, dass man auf einer kurvigen Landstraße durchaus seine Freude am Fahrwerk und der präzisen Lenkung hat. 0 auf 100 schafft er in 8,3 Sekunden und Schluss ist bei 213 km/h.

Aber kaum lupft man den Fuß, melden sich zwei Zylinder ab und der Motor läuft nur noch auf zwei Töpfen. Das hört und spürt man kaum. Aber man merkt es an der Tankstelle: Im Schnitt zehn Prozent sparsamer soll der Motor mit den technischen Kniff werden und kommt auf einen Normverbrauch von 4,9 Litern. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 117 g/km. Zum Vergleich: Der herkömmliche 1,4-Liter mit 90 kW/122 PS steht mit 5,2 Litern und 120 g/km im Datenblatt.

Dass der A3 über alle Motorvarianten hinweg im Mittel um zwölf Prozent sparsamer geworden ist, liegt nicht allein an neuen Motoren wie dem 1,4-Liter. Auch eine strenge Diät trägt dazu bei: Mit Motorhaube und Kotflügeln aus Aluminium, neuen Stählen in der Struktur sowie vielen Leichtbaukomponenten im Motorraum und am Fahrwerk hat Audi bis zu 80 Kilogramm eingespart. So sinkt das Gewicht auf bestenfalls 1175 Kilo und macht den A3 zu einem der leichtesten Autos in seinem Segment.

Fazit: Ein Auto für viele Klassen

Der neue A3 ist ein Auto, das die Grenzen der Kompaktklasse in vielerlei Hinsicht sprengt. Format und Verbrauch liegen zwar auf Niveau von Golf & Co. Doch mit Ambiente und Ausstattung marschiert der Audi schnurstracks in Richtung höherer Klassen. Leider gilt das auch für den Preis. Denn wer die Vorzüge der neuen Generation voll auskosten will, muss dafür tief in die Tasche greifen. (dpa)

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