Audi-Chef Rupert Stadler im Gespräch : 2016 fährt der A8 autonom

Im Rahmen der Preisverleihung des Audi Urban Future Award spricht Audi-Chef Rupert Stadler über wertvolle Visionen und die Zukunftsprojekte des Autobauers.

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Puls der Stadt: Beim Audi Urban Future Award lässt der Autobauer zur Zukunft der urbanen Mobilität forschen. Audi-Chef Rupert Stadler ist ein Förderer des Projekts.
Puls der Stadt: Beim Audi Urban Future Award lässt der Autobauer zur Zukunft der urbanen Mobilität forschen. Audi-Chef Rupert...Foto: promo

Warum forscht ein Autokonzern an einer Zukunft mit weniger Autos?

Eine progressive Marke wie Audi hat sich mit den Trends in unserer Gesellschaft auseinander zu setzen. Wir haben aus den Trends der letzten Jahre gelernt, dass wahrscheinlich bis 2030 über 50 Prozent der Weltbevölkerung in großen Städten zu Hause sein wird. Daraus folgt, dass Mobilität neu zu organisieren ist. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir durch den Diskurs mit Infrastruktur-Entwicklern oder mit Architekten klüger werden. Speziell bei den Problemen, die übermorgen zu lösen sind.

Inwieweit beeinflussen solche Ideen die Forschung eines großen Autobauers?

Die Elektrifizierung des Autos hat uns vor drei, vier Jahren massiv beschäftigt. Da haben wir einen Plan, wo die Reise für uns hingeht. Der nächste große Trend wird sicherlich die Digitalisierung sein, das beherrschen von Big Data. Das ist der Megatrend der nächsten Jahre. Wie sind die richtigen Informationen zu bekommen, wie sind sie sinnvoll zu filtern und dann im Automobil in Entscheidungen umzusetzen. Das wird eine entscheidende Herausforderung sein. Aus dem Audi Urban Future Award nehmen wir da viele und wertvolle Erkenntnisse mit.

Welche Rolle spielen Daten für das Automobil der Zukunft?

Wir haben die Antwort zu geben, welche Bedeutung Daten in der Zukunft haben können. Viele sagen, sie sind das neue Öl von morgen. Ich bin der Überzeugung, dass wir dort mit einer gewissen Intelligenz nach Geschäftsmodellen forschen müssen. Wir werden das in der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilindustrie sehen, dass Daten immer wichtiger werden. Von der Entwicklung im Haus bis zum Aftersales-Geschäft. Zum Beispiel die Art und Weise, wie wir Kunden ansprechen. Wenn der Kunde das möchte auch rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Die Datensicherheit ist sicherlich eines der Themen, die in der Zukunft hochinteressant werden. Ob die Kunden ihre Daten teilen möchten, ist oft eine kulturelle Entscheidung. Wenn es einen Gegenwert gibt, dann sind die Menschen auch bereit Daten frei zu geben.

Wird Audi neue Konzepte im Mobilitätsbereich anbieten?

Wir werden unsere Premium-Dienstleistungen neu sortieren und aufstellen. Es wird dort auch ein Premium-Angebot im Bereich Carsharing geben namens "Audi Unite" und "Audi Select". Damit versuchen wir zu verstehen, wie wir unseren Kunden einen Mehrwert liefern können. Natürlich mit dem Hintergrund, dass daraus auch ein tragfähiges Geschäftsmodell wird.

Ist das Premium-Carsharing-Projekt "Audi Unite" in Stockholm dazu ein Testballon?
Definitiv. Immer mit der Idee, dass das ein solches Projekt skalierbar und auf andere Städte ausrollbar ist. Jetzt sammeln wir erst einmal Feedback von den Nutzern. Die ersten Rückmeldungen sind sehr positiv. Wir vernetzen solche Projekte aber immer mit Premium-Automobilen. Und wir sehen, dass die Kunden dafür sogar bereit sind mehr zu bezahlen, wenn die angebotene Dienstleistung dazu passt.

Werden Sie also doch Carsharer?
Wenn es um reines Carsharing geht gibt es bereits ausreichend Firmen, die das anbieten. Auch wir sind daran über Fleetservices beteiligt. Unser Ansatz ist ein anderer: Wir nehmen die Position eines Premiumkunden ein und deklinieren seine Lebenswelt herunter. Wofür würde so ein Kunde Geld investieren. Da haben wir durch solche Projekte wie dem Audi Urban Future Award wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Wann werden Ihre Serien-Fahrzeuge autonom fahren?
Der Nachfolger des aktuellen Audi A8 kommt etwa 2016. Bei diesem Modell werden wir pilotiertes Fahren im Angebot haben. Der neue Audi Q7, der im nächsten Jahr kommt, wird das schon in Teilaspekten anbieten.

Rupert Stadler ist seit 2006 Vorstandvorsitzender der Audi AG und sitzt im Aufsichtsrat von Volkswagen.
Rupert Stadler ist seit 2006 Vorstandvorsitzender der Audi AG und sitzt im Aufsichtsrat von Volkswagen.Foto: promo

Zur Person: Rupert Stadler, geboren 1963, ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Dort folgte er dem jetzigen VW-Chef Martin Winterkorn. Bei der Volkswagen AG sitzt er ebenfalls im Vorstand.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
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