Audi Q2 : Mitten im Getümmel

Audi gibt 2016 Vollgas in allen Klassen. Der neue Crossover SUV Q 2 spielt dabei die Rolle des dynamischen Stadtflitzers.

Sven Jürisch
Der Buchstabe Q war für Audi bisher eine Erfolgsgeschichte.
Der Buchstabe Q war für Audi bisher eine Erfolgsgeschichte.Foto: Promo

Der Buchstabe Q war für Audi bislang eine einzige Erfolgsgeschichte. Angefangen bei dem in den 80er Jahren erfundenen Allradantrieb "quattro" über die erfolgreichen Modelle Audi Q7, Q5 und Q3 haben die Ingolstädter ein goldenes Händchen für die Modelle mit dem Q in der Nomenklatur. Ein Grund mehr, die "Q"-Modelle auszubauen, war die unübersehbare Lücke bei der unteren Abrundung des Crossover Modellprogramms. Da wo Mercedes seit geraumer Zeit quasi ohne Konkurrenz im Feld den GLA verkauft. Q2 heißt nun die Antwort von Audi auf diese gesteigerte Nachfrage im Sub SUV Segment, doch das Modell basiert nicht, wie kündige Audifans eventuell orakeln könnten auf dem 2005 verblichenem Audi A2, sondern auf dem seit 2010 angebotenem Audi A1.

Durchdachte Basis

Optisch ist dieses Verwandtschaftsverhältnis allerdings kaum auszumachen, denn der 4,19 Meter lange Audi Q2 kommt eigenständiger und gefälliger daher, als der doch etwas bemüht wirkende A1. Eine Prise Q7 atmet durch den riesigen Kühlergrill des neuen Kompakt SUV, dazu scharfe Seitenlinien und ein kecker Heckabschluss.  Bei dem könnte man allerdings vermuten, dass die Designer unter Matthias Fink möglicherweise etwas zu lange neben der Stuttgarter Konkurrenz gestanden haben, so sehr ähnelt die Rückansicht des Audi der des kleinsten Mercedes SUV. Doch sei es drum, das schicke Blade für die C-Säule macht diesen Lapsus wieder wett, wenngleich es natürlich die Sicht nach schräg hinten einschränkt. Innen lässt der Q2 dann die Maske fallen: Die Modelle A1 und A3 (jüngst renoviert) lassen grüßen. Allerdings nur positiv, denn im Q2 ist selbst in Vollausstattung alles leicht zu finden und liegt gut zur Hand. Die Menübedienung des Navi ist dabei genauso schnell erlernt, wie die des adaptiven Tempomats, und häufig benötigte Funktionen sind per Direkttasten zielsicher zu bedienen. Einziger Kritikpunkt: Der etwas preiswert daherkommende Schirm des Headup Displays: Ein Feature, was allerdings die wenigsten ordern dürften. Platz ist im Q2 ebenfalls genug vorhanden: Vorne haben selbst Sitzriesen genug Raum und auch hinten reicht es, um selbst zwei Erwachsenen genug Raum auf längeren Strecken zu geben. Das der Kofferraum etwas klein ausfällt, wird vermutlich niemanden vom Kauf des kleinsten Audi SUV abhalten.

Patt bei den Motoren

Wie groß klein auch im Hinblick auf die Motorenauswahl sein kann, merkt man bei der ersten Runde im Einstiegs Q2. Mit nur drei Zylindern kommt der 116 PS Benziner daher und macht seine Sache in Verbindung mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe richtig gut. Er hat genug Drehmoment untenherum und wo das nicht ausreicht, wird leicht schnatternd hochgedreht und es geht voran. Unangenehm laut wird der Motor dabei nicht, denn er läuft dank einer Ausgleichswelle ruhig und leise. Dazu kommt für den ausschließlich mit Frontantrieb bestellbaren Basis Q2 eine erfreuliche Handlichkeit. Für die große Reise ist er dann aber doch etwas schwach motorisiert, vor allem, wenn das Leergewicht von nur 1.205 Kilogramm mit Insassen und Gepäck in die Höhe getrieben wird. Dann schlägt die Stunde des 150 PS Diesel. Der 2,0 Liter Vierzylinder (auch mit Allrad lieferbar) ist in Sachen Motorisierung der beste Kompromiss. Laufruhig, leistungsstark und sparsam kommt er mit dem Q2 zurecht. In Verbindung mit dem DSG-Getriebe macht er sogar das dynamische Fahren zum Erlebnis- einfach die Fahrstufen "S" wählen und der Q2 macht richtig Spaß. Ähnliches kann auch der gleichstarke Benziner, sodass es am Ende reine Geschmacksfrage bleibt, für welchen Motor man sich entscheidet. Am obersten Ende liegen dann noch die 190 PS Versionen der 2,0 Liter Diesel und Benziner. Sicher nett, aber brauchen tut man soviel Leistung im Alltag der Großstadt kaum.

Angebot und Nachfrage

Audi setzt mit dem neuen Q2 auf die üblichen Verdächtigen: Junge Hippster und ältere Paare, die ein größeres Auto nicht mehr brauchen. Schöne Vorstellung, nur die Wahrheit dürfte anders aussehen. Denn für junge Leute hat das Auto zum einen viel zu wenig Ausstrahlung, zum anderen ist der Q2 mit ein paar Extras so teuer (Basis Q2 1.0 : 22.900 Euro), dass er deren Budget sprengt.

Bleiben die Älteren und die sitzen hierzulande nicht selten in mager ausgestatteten Basis Q3, sodass die Frage erlaubt sein darf, für wen Audi den Q2 eigentlich baut. Die Antwort werden die Kunden geben, die ab November den neuen Star im City Dschungel bei ihrem Audi Händler bestellen dürfen. Der steht dann nämlich mitten im Getümmel zwischen seinen erfolgreichen Brüdern.

Fazit: Audi bringt mit dem Q2 eine perfekte Antwort auf den erfolgreichen Mercedes GLA. Ob aber neben diesem noch genug Platz in der Nische der Sub SUVs sein wird, muss sich erst zeigen, denn besonders günstig ist der Q2 nicht und Mitbewerber wie Seat bieten für den gleichen Betrag mit dem Ateca ebenfalls sehr gute Alternativen.

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