Audi Q7 : Miles and more

Die Amerikaner mögen keine Diesel. Ein neuer Motor soll das ändern – und eine Marathon-Spar-Tour von Küste zu Küste.

Wolfgang Gomoll

Zwischen mir und dem sauberen Diesel sitzt nur noch Paul. Paul arbeitet bei der US-Immigrations-Behörde und könnte meine Teilnahme am „Mileage-Marathon“ noch in letzter Sekunde vereiteln. Doch der überzeugende Sieg des örtlichen Football-Teams – der New York Giants – hat den Officer mit dem Bürstenhaarschnitt offenbar milde gestimmt. Die obligatorische Einreise-Fragerunde fällt deshalb kurz aus.

Mit dem Run will Audi in den USA demonstrieren, das man mit den anderen Premium-Herstellern auf Augenhöhe ist und im Diesel-Entwicklungsland gleich noch Werbung für die selbstzündende Produktpalette machen: Je sieben Q7s und Q5s sowie sechs A4s mit Drei-Liter-TDI und zwei A3 2.0 TDI sollen deshalb innerhalb von rund zwei Wochen rund gut 7700 Kilometer von New York nach Los Angeles zurücklegen. Etwas Werbung hat Audi auch nötig: 2007 wurden gerademal 93 506 Autos an den Mann gebracht. Zum Vergleich: BMW verkaufte im gleichen Zeitraum 313 603 Autos. Augenhöhe sieht anders aus. Darum folgt jetzt der Großangriff.

Und das auch noch mit einem Produkt, in das die Amerikaner nicht wirklich verliebt sind: Der Diesel ist zwischen New York und Los Angeles als schwach, laut und dreckig verpönt. Die Massenmissionierung soll nun mit neuester Technik gelingen. Dazu wird Audi Anfang 2009 den Q7 in den USA (Europa folgt etwas später) mit besonders sauberen 240-PS-Dieselmotoren ausstatten, bei denen die Stickoxide durch eine Harnstoffeinspritzung um bis zu 90 Prozent verringert werden. Das Prinzip ist identisch mit der Bluetec-Technik von Mercedes Benz und BMW und erfüllt die strengen Abgasnormen der USA.

Und das, obwohl die Kraftstoffqualität jenseits des großen Teichs manchmal nicht die beste ist: Deshalb hat die sogenannte „zylinderdruckgeführte Verbrennung“ erdacht: In jeder Zylinderbank des V6-TDIs befindet sich ein Sensor, der den Druck in den Brennräumen der Zylinder analysiert. Wird mieser Diesel mit schlechter Brennwilligkeit festgestellt, werden die Zeitpunkte der Einspritzungen angepasst, um ein möglichst reibungsloses Explodieren des Diesel-Luft-Gemisches zu garantieren.

Für Mitteleuropa ist spannender, dass das System dem Motor dabei hilft, die Euro-6-Abgasgrenzwerte zu schaffen, die ab 2014 in Kraft treten sollen. Beim Fahren spürt man keine Leistungseinbußen. Dafür sind die Verbrauchswerte vielversprechend: Beim Q7 sind es 7,2 Liter je 100 Kilometer, der Q5 schafft 6,4 Liter, der A4 5,4 Liter und der A3 4,8 Liter – so in etwa übrigens auch während des „Mileage-Marathon“: Tempomat und die US-Geschwindigkeitsgrenzen sorgen dafür, dass sich selbst der dicke Q7 mit rund sieben Litern fahren lässt.

Die Technik stimmt also. Und um die USA auch emotional zu packen, sollen demnächst 100 Promis und Meinungsbildner den sauberen Q7 fahren. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger soll angeblich einer davon sein. Also: Wenn der Terminator im nächsten Teil der Filmreihe mit Lederjacke und Q7 Jagd auf Killer-Roboter macht, dann wäre das vermutlich kein Zufall.

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