Audi R8 Spyder : Kompromissloser Sportwagen mit 540 PS

Der neue Audi R8 Spyder, das ist große Geste und viel Drama mit mehr als 300 km/h Höchstgeschwindigkeit. So viel Power hat jedoch ihren Preis.

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Der Spyder, das ist große Geste und viel Drama.
Der Spyder, das ist große Geste und viel Drama.Foto: Promo

Es muss nicht immer Turbo sein. Geht auch ohne. Man muss nur genügend Mut haben, beim guten alten Saugmotor zu bleiben – vorausgesetzt, der hat genügend Hubraum. Und den hat der Audi R8 Spyder allemal. Und er zeigt, was man aus 5,2 Liter Hubraum und zehn Zylindern so machen kann. Das Kraftpaket mit 540 PS unterm langen Rücken bringt ein Drehmoment von bärenstarken 540 Newtonmeter auf die Straße. Selbst mancher Lastwagen hat nicht so viel Power unter der Haube.

Der Spyder, das ist große Geste und viel Drama. Ein PS muss beim Spyder mit seinem charakteristischem Doppelbuckel hinter der Fahrgastzelle gerade einmal drei Kilo Gewicht beschleunigen. Jenseits der kühlen Zahlen bedeutet das: Der nur 1,24 Meter hohe Mittelmotor-Renner, in dem das Antriebsaggegat direkt hinter den Schalensitzen anfängt, geht dermaßen ab, als wollte er gleich von der Piste abheben. Und das mit einem Sound, der das Adrenalin hochtreibt, und jede Stereoanlage überflüssig macht. Dabei hat sich Audi doch so viel Mühe gegeben mit einer Anlage, die erstmalig Lautsprecher in die Kopfstützen integriert und mit insgesamt 13 Lautsprechern einen beeindruckenden Raumklang bietet. Aber den kann man ja auch noch im geparkten Zustand genießen.

Doch die zweite Generation des offenen Zweisitzers, den Audi ein Jahr nach dem Coupé auf dem Markt bringt, weiß sich durchaus zivilisiert zu benehmen, ohne die ganze Nachbarschaft gegen sich aufzubringen, wenn man morgens den Motor anlässt. Ein Wagen mit zwei Gesichtern. Wenn man das Gaspedal behutsam streichelt, dann schnurrt er so gedämpft und schleicht entspannt durch den morgendlichen Berufsverkehr, dass kaum etwas an den rauen Gesellen erinnert, bei dem es heiser aus dem Auspuff bellt, wenn das Pedal durchgetreten wird. Besonders, wenn dann auch noch die dynamische Abstimmungslinie gewählt wird.

Hälfte der Teile identisch mit Rennwagen-Linie R8 LMS

In weniger als vier Sekunden ist dann der Spyder auf Tempo einhundert, bis zur Marke von 200 km/h dauert es insgesamt 11,8 Sekunden. Bis zu 318 km/h, so heißt es, sei zu erreichen – sofern man einen entsprechenden Rennkurs zur Verfügung hat. Dass der Supersportwagen dort seine Heimatgründe sieht, wird allein daran deutlich, dass die Hälfte aller Teile identisch sind mit dem Fahrzeug der professionellen Rennwagen-Linie R8 LMS. Der 1,94 breite Wagen liegt satt auf der Straße und lässt in Kurven dank ESP und permanentem Allrad-Antrieb keinerlei Nervosität hinterm Steuer aufkommen. Kritische Situationen entschärft zudem die elektronische Stabilisierungskontrolle durch gezielte Bremseingriffe an den kurveninneren Rädern. Es kommt hinzu, dass die Bremsanlage – optional auch mit Keramikscheiben – knallhart zupackt. Auf ein manuelles Schaltgetriebe hat Audi verzichtet, angeboten wird ausschließlich ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen.

Die nackte Aluminium-Karosserie wiegt federleichte 208 Kilogramm. Insgesamt bringt der Spyder, dessen dynamische Seitenlinie von auffallenden Lufteinlass hinter der Carbon-Abdeckung geprägt wird, 1700 Kilogramm auf die Waage. Dabei ist die offene Variante überraschenderweise – trotz des Einsatzes von Carbon – sogar 80 Kilo schwerer als das Coupé. Gerade weil das feste Dach fehlt, musste die Karosserie verstärkt werden, um die notwendige Steifigkeit zu erreichen. So sind die Schweller und die Frontscheiben-Säulen massiver ausgelegt als beim Coupé. Dafür kann das fahren unterm offenen Himmel nicht schöner sein, zumal Audi auch die Fahrtwindturbulenzen gut im Griff hat. Muss doch mal mit Mütze gefahren werden, dann kann das durch mehrere Materialschichten gut dämmende Stoffdach bis zu Tempo 50 ausgefahren werden.

Damit der R8 Spyder trotz des großvolumigen Motors nicht zum Spritfresser wird, hat sich Audi einiges einfallen lassen – auch wenn das in dieser Preis- und Leistungsklasse wohl kaum einen Nutzer interessiert. Im gemächlichen Stadtmodus etwa schalten sich fünf der zehn Zylinder von selbst ab – was man als Fahrer nicht einmal spürt. Eine parallel arbeitendes direktes und indirektes Einspritzsystem sorgt ebenfalls für effizienten Spritverbrauch. Und über Tempo 55 wird der Spyder zum Segler: Ab dieser Geschwindigkeit kuppelt sich das automatische Siebengang-Getriebe selbsttätig aus, wenn der Fahrer vom Gaspedal geht. Dann gleitet der Spyder ohne störende Motorbremse einfach weiter. Einen Durchschnittsverbrauch von 11,7 Liter gibt Audi an – wenn man den Spyder mit höherem Tempo über die Piste oder durch kurviges Gelände jagt, sind es real aber doch etliche Liter mehr.

Basispreis: 179.000 Euro

Dass die Verarbeitung der Materialien erstklassig ist und die Sinne der Insassen mit feinstem Leder und perfekt gesteppten Doppelnähten schmeichelt, ist in dieser Preisklasse selbstverständlich. Dazu kommt ein komplett auf den Fahrer ausgerichtetes Cockpit-Infosystem mit hervorragendem Navi und komfortable Verbindungsmöglichkeiten mit Smartphone, Online-Portalen oder Streaming-Diensten. Nur für die große Urlaubsreise ist der Spyder nicht so recht geeignet – was wohl auch niemanden überraschen wird. Unter der flachen Fronthaube gibt es lediglich 112 Liter Stauraum: da passen gerade zwei schlanke Bordcases rein.

Das Cockpit-Infosystem ist komplett auf den Fahrer ausgerichtet.
Das Cockpit-Infosystem ist komplett auf den Fahrer ausgerichtet.Foto: Promo

Der Basispreis für den R8 Spyder, der ab Ende Oktober in den Audi-Häusern stehen soll, wird mit 179.000 Euro angegeben. Dazu kommen noch viele sogenannte Individualisierungsmöglichkeiten – von Sonderlackierungen bis zum optionalen Laserlicht. Ein stolzer Preis. Nun kann man sich fragen, was man im Alltag mit einem solchen Fahrzeug soll, das auf normalen Straßen niemals auch nur ansatzweise ausgefahren werden kann – außer, dass dadurch Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden. Aber um Funktionalität geht es in der Luxus-Preisklasse nicht, sondern um Gefühle. Und die sind eben unbezahlbar. Die Audi-Strategen sind sich jedenfalls sicher, dass der Supersportwagen seine Liebhaber finden wird – vor allem in den USA, wo derzeit jeder vierte Spyder einen Abnehmer findet, und auch in China.

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