Audi SQ7 : Der König aller Quattros

Der neue Audi SQ7 ist das stärkste SUV mit Dieselmotor und bietet viel – für sehr viel Geld.

Peter Maahn
Stärker als alle anderen. Die 435 PS können dank technischer Finessen ohne Turboloch auf die Straße gebracht werden. Dazu gibt es erstmalig ein 48-Volt-Bordnetz.
Stärker als alle anderen. Die 435 PS können dank technischer Finessen ohne Turboloch auf die Straße gebracht werden. Dazu gibt es...Foto: Audi

Hinter der Formel D+Q+S=SQ7 versteckt sich kein Konzept für einen innovativen Fruchtjoghurt mit links-drehender Milchsäure, keine Gleichung für die gerechte Besetzung von Aufsichtsräten und schon gar nicht der vorberechnete Weg eines fernen Kometen weit draußen im Weltall. Die Lösung nach Audi-Art ist viel einfacher, lässt sie doch zusammenwachsen, was eigentlich noch nie so richtig zusammengehörte: Ein betont sportliches Modell mit Dieselmotor verpackt in das derzeit größte SUV der Q-Baureihe. Beim Audi-Händler heißt das Ganze dann ab Sommer SQ7 TDI und kostet mindestens 89.900 Euro.

Ein gewaltiger Preis für ein gewaltiges Auto, das schon auf dem Papier mit satten Zahlen beeindruckt und erstmals neue Technologien nutzt, die sicher bald auch den Weg in ganz normale Autos finden. Unter der Haube des 5,07 Meter langen Fünftürers sitzt ein Vierliter-Achtzylinder mit gleich dreifacher Aufladung, einer Leistung von 435 PS und einer Durchzugskraft von 900 Newtonmetern. Da kann derzeit kein anderes Diesel-SUV mithalten.

„Wir erreichen mit einem Achtzylinder den Verbrauch eines Motors mit nur sechs Zylindern“, ist sich Technik-Vorstand Stefan Knirsch sicher und nennt einen Normverbrauch 7,4 Liter auf 100 Kilometer. Eine der spannenden Fragen vor dem Start zur Testrunde in den Vogesen. Wie realistisch ist es wohl, mit einem gut 2,3 Tonnen schweren, hochmotorisiertem Riesen auch nur annähernd die Prüfstandwerte zu erreichen. Um es vorweg zu nehmen: Wer der Logik eines solchen auf sportliche Fahrweise getrimmten Autos gerecht werden will, wird seinen Tankwart bald mit Vornamen ansprechen. Die Gesetze der Physik sind ebenso alt wie gnadenlos.

Turbomotor ohne "Turboloch"

Daran ändern auch die technischen Leckerbissen nicht, die derzeit nur dem SQ7 zugestanden werden: So sorgt ein elektrisch angetriebener Verdichter dafür, das bei klassischen Turbomotoren immer noch störende „Turboloch“ zu schließen. Der zusätzliche Blasebalg tritt bei niedrigen Drehzahlen in Aktion, wenn der Druck der Abgase für den Betrieb eines normalen Turboladers noch nicht für flottes Fortkommen ausreicht. Das EAV genannte System wird von einem kompakten Elektromotor angetrieben, sein Schaufelrad arbeitet mit bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute. Die Energieversorgung übernimmt im Audi SQ7 erstmals ein zusätzliches 48-Volt-Bordnetz mit einer eigenen Lithium-Ionen-Batterie. Es versorgt neben dem Kraftspender für den Motor auch eine weitere Neuheit: Im Sport-SUV sorgt eine aufwendige Wankstabilisierung dafür, dass die Seitenneigung der Karosserie in schnell durchfahrenen Kurven deutlich reduziert wird. Auch hier kommt ein eigener Elektromotor zum Einsatz.

In unserem Test-Quattro war das System, das extra bezahlt werden muss, natürlich an Bord. Es gehört zu einem Dynamikpaket, das auch die aus dem normalen Q7 bekannte Allradlenkung enthält, die das Einparken erleichtert und höhere Kurvengeschwindigkeiten erlaubt. Dabei werden die Hinterräder um bis zu fünf Grad eingeschlagen. Ein zentrales Steuergerät sorgt für die Vernetzung aller Komponenten, zu denen auch die serienmäßige Luftfederung, die geregelten Dämpfer und das Sportdifferential gehören.

So gerüstet, sollten die Serpentinen der „Route de la Schlucht“, der kurvigen Verbindung zwischen Elsass und Lothringen, locker zu meistern sein. Auch wenn ganz oben in gut 1200 Metern Höhe die Schneereste ihr Tauwasser über den Asphalt laufen ließen. Kein Problem, schließlich hat unser SQ7 Allradantrieb und gleich 24 elektronische Assistenzsysteme an Bord, so viel wie kein anderes Serienmodell. So gilt die Aufmerksamkeit den beiden wichtigsten Neuerungen unter Blech und Aluminium.

Der elektrische Lader schaufelt nach Durcheilen einer Spitzkehre in Bruchteilen von Sekunden die vom Motor ersehnte zusätzliche Frischluft in die acht Zylinder, sorgt so sofort für die gewünschte Kraft an allen Rädern, bis sich seine beiden Abgas-Kollegen wieder am Fahrbetrieb beteiligen können. Das alles trägt dazu bei, dass Audi, den es auch als Siebensitzer gibt, in nur 4,8 Sekunden auf Tempo 100 sprinten kann.

Viele Extras, horrender Eintrittspreis

In schnell durchfahrenen Kurven kann die Fliehkraft der Stabilität des Schwergewichts dank des „Wankverhinderers“ nichts anhaben. Durchaus beeindruckend. Aber: Wollen die üblichen Nutzer dieser Gattung von Autos das wirklich? So ein SUV wird wegen seines Platzangebots, seiner erhöhten Sitzposition und seiner Verwandtschaft zu echten Geländewagen geschätzt. Nicht wegen seiner sportlichen Fähigkeiten.

Wie dem auch sei, ein Audi SQ7 wird seine betuchten Kunden finden. Vor allem in den USA und natürlich in China. Mit all den technischen Feinheiten will Audi auch der Rückkehr des Selbstzünders auf den nach dem Abgas-Skandal der Mutterfirma VW nahezu dieselfreien US-Markt den derzeit so holprigen Weg ebnen. Diese Kunden werden sich dann auch nicht wirklich um den Verbrauch ihres Boliden scheren. Auf unserer Fahrt meldete der Bordcomputer gut neun Liter, solange es durch die recht flache Ebene am linken Rheinufer mit ihren vielen Kreisverkehren und Ortsdurchfahrten ging. Als die auf gut deutsch Schluchtenpass genannte Bergstraße erste Steigungen und Kurven bereithielt, kam die Verbrauchsanzeige ins Rotieren. Beim versuchsweisen Rumtoben um die Serpentinen stand dann sogar eine „16“ vor dem Komma.

In Summe bietet das neue Audi-Flaggschiff dennoch eine Menge für seinen horrenden Eintrittspreis. LED-Scheinwerfer sind Serie, Matrix-LED mit 30 einzelnen Leuchtdioden pro Scheinwerfer kostet Aufpreis. Zu haben ist auch das inzwischen bekannte virtuelle Cockpit, das zum Beispiel die Karte des Navigationssystems direkt ins Fahrerblickfeld hinter dem Lenkrad bringt. Dazu kommen die erwähnten elektronischen Beifahrer wie zum Beispiel Abstandsradar mit Staufolge-Funktion. Natürlich kann auch eine Internet-Anbindung oder ein Soundsystem mit 23 Lautsprechern in der noch nicht bekannten Preisliste gewählt werden. Unter Strich wird der Endpreis eines gut bestückten SQ7 die 100.000-Euro-Marke mit Bravour überspringen.

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