Audi TT : Operation an offener Haube

Audi setzt beim TT die Grenzen neu: Mit 272 PS – und einem Dieselmotor

Wolfgang Gomoll

Herzverpflanzungen sind etwas Heikles. Auch im dritten Jahrtausend. Wenn nicht alles optimal zueinander passt, gibt es Schwierigkeiten und im schlimmsten Fall stößt der Körper das fremde Organ ab. Sie fragen sich jetzt sicher, was das Ganze mit einem Auto zu tun hat. Nun, bei einem Fahrzeug ist es ähnlich. Auch da muss das Herz – sprich der Motor – perfekt zum Körper, der Karosserie, passen. Nur sind die Konsequenzen nicht so fatal wie beim Menschen. Wenn das Triebwerk nicht mit dem Rest harmoniert, droht nicht der Exitus. Aber im schlimmsten Fall steht das Auto wie Blei in den Verkaufsräumen.

Bei Audi hat man jetzt gleich mehrere dieser Operationen am TT gewagt. Die heikelste: Man hat einen Selbstzünder in den Sportwagen implantiert. „Wir wussten, dass es nicht damit getan ist, einfach einen Diesel in den TT zu stecken. Der Motor muss zu einem Sportwagen passen und deswegen auch sportlich zu fahren sein“, erklärt Heinz Hollweger, Leiter Entwicklung Gesamtfahrzeug bei Audi. Diese Prämisse ist erfüllt: Der ab Juni lieferbare 170-PS-Common-Rail-TDI dreht geschmeidig über 5000 Touren und hat nichts von der der bekannten Erst-nichts-und-dann-alles-Kraftentfaltung der vergangenen Pumpe-Düse-Triebwerke. Der Traktor-Sound der Vorgänger-Generation ist ebenfalls passé.

Freilich kann man von einem 170-PS-Motor keine Wunderdinge erwarten. Da ändern auch 350 Newtonmeter Drehmoment nichts, die zwischen 2500 und 5000 U/min anliegen. Auch das breite Drehzahlband macht aus dem Selbstzünder noch keinen spritzigen Benziner. Aber das Fahren auf kurvigen Landstraßen mit dem TDI-TT macht durchaus Laune, da der gut abgestimmte Quattro-Antrieb in schnell durcheilten Kurven die 40 Kilogramm Mehrgewicht des Diesel-Motors und die damit verbundene Tendenz zum Untersteuern gut kaschiert. Und beim entspannten Gleiten ist der 34 850 Euro teure Diesel einfach Top. Mit einem Sprint von 7,7 Sekunden von null auf 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h (Roadster: 223 km/h) ist der Diesel-Sportler auch alles andere als eine rollende Schikane. Der Durchschnittsverbrauch von 5,3 Liter/100 km (Roadster 5,5 Liter/100 km) trägt zur Freude bei.

Weniger Überzeugungsarbeit als der Diesel dürften die anderen beiden Aggregate verursacht haben, die sich demnächst neu im TT finden werden. Da wäre zum einen der 160 PS starke Einstiegs-TFSI mit 1,8 Litern Hubraum und Turboaufladung, der ab 29 400 Euro zu erwerben ist und den Wagen auf 226 km/h Spitze treibt (Roadster: 223 km/h). Und, vor allem, der TTS. Denn das neue Topmodell der TT-Reihe ist ein Spaßmobil reinsten Wassers. Hier waren keine großartigen chirugischen Kunstgriffe nötig, um den Motor an das Auto anzupassen. Der 2,0 TFSI stemmt 272 PS und 350 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Das verhilft dem Coupé zu Fahrleistungen, die eines Topmodells würdig sind: Schon nach 5,2 Sekunden passiert die Nadel die 100 km/h-Marke (Roadster: 5,4 Sekunden). Erst bei 250 km/h stoppt die Elektronik den vehementen Vortrieb. Doch pure Kraft ist die eine Sache, sie auf die Straße zu bringen, die andere. Und hier hat das Fahrwerk alles, was ein Auto schnell macht: Vierlenker-Hinterachse, eine McPherson-Vorderachse mit Dreieckslenkern und obendrauf noch serienmäßig das adaptive Dämpfersystem „magnetic ride“, das Wankbewegungen in Kurven fast vollständig eliminiert. Dazu gibt es große 17 Zoll-Bremsscheiben und eine hydraulische Servolenkung, mit der sich der TTS laserpräzise um die Kurven zirkeln lässt.

Eine ideale Ergänzung zu diesem Technikarsenal, die Handschalter-Puristen mögen es dem Tester nachsehen, ist das Sechsgang-DSG, das bei Audi „S tronic“ heißt. Mit dem automatisch oder per Hand schaltbaren Doppelkupplungsgetriebe lassen sich optimale Sprintwerte erreichen, außerdem minimiert sich der Verbrauch. Denn die Elektronik findet immer den richtigen Gang. Wer sein Glück trotzdem in die eigenen Hände nehmen will, der kann mit den etwas fummeligen Lenkradpaddeln selbst schalten. Für Drift-Fans erlaubt das zweistufige ESP im Sport-Modus kontrollierte Rutschpartien in den Kurven. Soviel Spaß hat natürlich seinen Preis: Das Coupé ist ab 44 900 Euro zu haben, der Roadster kostet 2 850 Euro mehr. Dafür gibt's aber auch einiges an Ausstattung: Leder-Sportsitze mit hervorragendem Seitenhalt, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht fürs Überholprestige und eine vierflutige Auspuffanlage, die für knackigen Sound und eine ansehnliche Heck-Optik sorgt. Und das ist nun wirklich altruistisch von Audi. Denn diese Ansicht werden die meisten Verkehrsteilnehmer ab dem Frühsommer genießen dürfen.

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