Audi überarbeitet A4 : Mit zarter Hand

Audi frischt seinen A4 auf und sieht sich in der Design-Falle: Bewährtes nicht grundlegend ändern, aber dennoch das Auto neu aussehen lassen. Herausgekommen ist ein Modell, das sich nur in Nuancen vom Vorgänger unterscheidet.

Da muss man schon genauer hinsehen: Der Single-Frame-Kühlergrill ist beim neuen A4 an den oberen Ecken abgeflacht. Ansonsten ist man bei der Überarbeitung sehr behutsam vorgegangen.
Da muss man schon genauer hinsehen: Der Single-Frame-Kühlergrill ist beim neuen A4 an den oberen Ecken abgeflacht. Ansonsten ist...Foto: Hersteller

Audi sieht sich im Spagat. Trotz gewollter Ähnlichkeiten aller Modellreihen hinter dem großen A und Q soll sich der A4 vom größeren A6 unterscheiden. Doch zunehmend verwischt der modellübergreifende Leitsatz "Vorsprung durch Technik" Unterschiede in den Baureihen. Zu einer Herausforderung musste werden, den A4 als achte Generation zwar zu überarbeiten, Erscheinung und Wesen des Mittelklässlers jedoch nicht anzutasten. Experimente waren tabu. Schließlich ist der A4 Audis Bestseller. Vom Vorgänger Audi 80 und nachfolgenden A4 wurden bisher zehn Millionen Einheiten gebaut.

Nun also gibt Audi Ende Januar 2012 den Start frei für die achte Generation seiner so erfolgreichen Mittelklasse. Äußerliche Design-Korrekturen erschließen sich flüchtigem Betrachten kaum, sofern nicht zufällig ein Vorgänger zum Vergleichen daneben steht. Audi verweist auf die "stärker betonten horizontalen Linien" an der Front, die angeschrägten oberen Ecken des Singleframe-Grills, das dreidimensionale Hervortreten der Querrippe und der Audi-Ringe. Das sind allerdings Stilelemente, die schon mit dem A8 eingeführt wurden. Auffallender sind die Schweinwerfer, deren Inneres neu gegliedert wurde. Insgesamt ist das Facelift, was die Optik angeht, aber als zart zu bezeichnen. Nur Kennern wird der Unterschied geläufig sein. Immerhin dürfte damit der

Aufwertung im Innern

Im Innenraum des A4 geht es noch edler zu als bislang schon. Glanzpunkte im Cockpit setzen schmale Chromspangen um Bedienungselemente herum. Wer vorn Platz nimmt, kann im Grunde keine markanten Gestaltungsunterschiede zwischen einem A4 und einem A6 ausmachen. Empfunden wird ganz allgemein Höherwertigkeit. Löblich, dass dem optionalen Infotainmentsystem MMI Navigation plus zwei Tasten abhanden gekommen sind, ohne dass das System jetzt weniger kann. Im Gegenteil. Zum Beispiel verbesserten sich Sprachbedienung und optionaler digitaler Radioempfang.

Der Kombi, bei Audi Avant genannt, kommt zeitgleich mit der Limousine auf den Markt.
Der Kombi, bei Audi Avant genannt, kommt zeitgleich mit der Limousine auf den Markt.Foto: Hersteller

Wie kaum anders zu erwarten, tritt der neue A4 mit Motoren an, die mehr leisten, dennoch aber mit weniger Kraftstoff auskommen. Im Schnitt sanken die Verbrauchswerte um elf Prozent. Anteil daran haben vor allem ein optimiertes Thermomanagement, das die Warmlaufphase der Motoren mit erhöhten Reibungsverlusten verkürzt, lange Übersetzungen in den oberen Gängen und das generell serienmäßige Start-Stop-System. Alle Motoren sind aufgeladene Direkteinspritzer. Sechs TDI und vier Benziner stehen bei der Limousine und beim Avant zur Wahl. Die TFSI leisten zwischen 88 kW(120 PS) und 200 kW (272 PS). Die 2.0-Vierzylinder-TDI warten mit 88 kW (120 PS), 100 kW (136 PS), 105 kW (143 PS) bzw. 130 kW (177 PS) auf, während der 3.0 V6 TDI mit 150 kW (204PS) bzw. 180 kW (245 PS) die Leistungsspitze bei den Turbodieseln darstellt.

Zwei Optionen für den Offroader

Der A4 allroad quattro wird entweder mit dem 2.0 TFSI befeuert (155 kW/211 PS, 3.500 Nm Drehmoment) oder mit einem der beiden 3.0 V6 TDI. Ebenso imponierend wie deren maximale Drehmomente von 400 beziehungsweise 500 Newtonmetern ist der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von 4,9 bzw. 5,7 l/100 km.

Mehr Bodenfreiheit und Beplankung der Radläufe: Mit dem Allroad zielt Audi auf die sportiv orientierte Kundschaft.
Mehr Bodenfreiheit und Beplankung der Radläufe: Mit dem Allroad zielt Audi auf die sportiv orientierte Kundschaft.Foto: Hersteller

Den Sprint von Null auf 100 km/h absolvieren die Power-TDI in 7,1 bzw. 5,9 Sekunden. Noch mehr Temperament verleiht der 3.0 TFSI, der im S4 (Limousine/Avant) verbaut wird. Der von einem Kompressor aufgeladene V6 leistet 245 kW/333 PS. Fulminanter Sound begleitet die Fahrt, wenn der überlegene Treibsatz sportlich gefordert wird. Siebengang S tronic und Start-Stop-System sind beteiligt an der gelungenen Reduzierung des durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchs der beiden potenten A4-Sportler. Für die S4 Limousine gibt Audi 8,0 l/100 km an.

Vielfältige Aufrüstoptionen
Durchweg Serienausstattung ist nun ein Müdigkeitswarnsystem, dass es bei Volkswagen schon länger gibt: Erkennt das Fahrerinformationssystem an den Lenkbewegungen und einigen weiteren Parametern, dass der Fahrer offensichtlich müde wird, gibt es mit Gong und Anzeige eine Pausenempfehlung. Optional lässt sich ein A4 sehr vielseitig aufrüsten; etwa mit dem radargestützten System "adaptive Cruise control" (ACC), das das Auto im Geschwindigkeitsbereich von 30 bis 200 km/h auf gewünschtem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält. Beim Erkennen eines drohenden Auffahrunfalls wird der Fahrer gewarnt und beim Bremsen je nach konkreter Gefahrenlage unterstützt. Bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h bringt das System angesichts akuter Auffahrgefahr das Auto selbsttätig zum Stehen. Darüber hinaus können optionale Systeme Unterstützung bei der Überwachung des toten Winkels und beim Spurhalten geben. Auch eine Einparkhilfe mit Video-Heckkamera lässt sich beim neuen A4 ordern. Mit all den nützlichen und komfortablen Helferlein lässt sich der Preis für den A4 allerdings auch schnell auf Oberklasse-Niveau heben.

Die Heckleuchten wurden, ganz im Stil von Audi, mit LED-Leuchten neu gezeichnet.
Die Heckleuchten wurden, ganz im Stil von Audi, mit LED-Leuchten neu gezeichnet.Foto: Hersteller

Im Angebot ist noch weit mehr: "Audi connect" macht es möglich, vielseitigen Kontakt mit der Umwelt aufzunehmen. Im Auto geht es ja längst nicht mehr nur um aktuelle Verkehrsinformationen. Beifahrern erlaubt der WLAN-Hotspot, bis zu acht mobile Endgeräte (iPhone, Notebook) anzukoppeln. Und selbst die Verkehrsinformationen präsentieren sich in neuer Qualität, nämlich hochaktuell online.

Alles hat seinen Preis

Daraus, dass immer mehr Erwartungen und Ansprüche von Autokäufern erfüllt werden sollen, erklären sich wohl auch die Preise von Neuerscheinungen. Im Falle des neuen Audi A4 beginnt die Preisliste für die Limousine A4 1.8 TFSI mit 88 kW/120 PS bei 27.500 Euro. Das gleichstarke Einstiegsmodell der Dieselfraktion (2.0 TDI) kostet 29.900 Euro. Fällt die Wahl auf einen A4 3.0 TDI clean Diesel quattro (3-Liter-V6, 180 kW/245 PS) in der Topausstattung Ambiente, nähert man sich einer hohen Hürde: 50.000 Euro. Überboten wird sie vom S4 als Grundmodell mit 54.900 Euro (Limousine) oder 56.550 Euro (Avant). Damit zeigt sich Audi, zumindest unter den deutschen Premiumherstellern, sogar noch relativ preiswert. Die Konkurrenz aus München und Stuttgart verlangt zwischen 1000 und 4000 Euro mehr für ihre Basismodelle. (AR)

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben