Audi und die Elektromobilität : Vorsprung durch, was noch mal?

Wer sich Audis Umgang mit der Elektromobilität anschaut, muss sich wundern: Anmerkungen zu einer Präsentation in Tempelhof.

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Der Prototyp des Audi R8 e-tron bei seiner Rekordfahrt auf dem Nürburgring. Den Rundenrekord auf der Nordschleife musste der Prototyp gerade an den Mercedes e-SLS AMG abtreten.
Der Prototyp des Audi R8 e-tron bei seiner Rekordfahrt auf dem Nürburgring. Den Rundenrekord auf der Nordschleife musste der...Foto: Hersteller

Wie geht es in Zukunft weiter mit der Zukunft bei Audi? Das zeigten die Ingolstädter vor einigen Tagen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Es war in mehrerlei Hinsicht eine höchst bemerkenswerte Veranstaltung, denn es stand eine außergewöhnliche Testflotte parat, um den „Vorsprung durch Technik“ zu demonstrieren. Und das – ganz clever – unmittelbar nach dem Elektromobilitätsgipfel der Bundesregierung, der einen Tag zuvor zwar zwar viele schöne Worte, aber keine erforderlichen Beschlüsse gebracht hatte. Insgesamt zehn Audi R8 e-tron warteten darauf, auf einen eigens für diese Veranstaltung angelegten rund einen Kilometer langen Handlingkurs vor dem ehemaligen Flughafengebäude losgelassen zu werden. Mehr dieser elektrischen Extremsportler hat Audi bislang noch nicht gebaut.

Also los. Startknopf drücken, und hinter einem surrt es wie im Bienenstock. Das Auto beschleunigt im Sportmodus brachial. Immerhin fallen aus dem Stand sofort und ansatzlos 820 Newtonmeter über die Hinterräder her. Angesichts der folgenden Beschleunigungsorgie nimmt man den Straßenbahn-Klang kaum wahr. Die erste Schikane. Wie auf Schienen zieht der Hecktriebler durch; die Fliehkräfte pressen den Kopf zur Seite. Das Geheimnis? An der Hinterachse arbeiten zwei E-Motoren mit je 140 kW (190 PS), die unabhängig voneinander gesteuert werden können. Damit lassen sich Kurven so agil und zugleich spurtreu wie mit keinem anderen Sportwagen durchfahren, denn die Elektronik teilt jedem Motor einzeln, je nach Situation, das maximal mögliche Antriebsmoment zu. Folgt eine Rechtskurve, bekommt der linke Motor mehr Saft. Die Folge ist eine schier unfassbare Handlichkeit dieses immerhin 1780 Kilogramm schweren Sportlers. Allein die Batterie inklusive Crashschutz sowie den innen verlegten insgesamt 100 Meter langen Leitungen, welche die Akkupacks heizen oder kühlen, wiegt unglaubliche 577 Kilogramm. Diese Masse hindert den R8 e-tron nicht daran, fast in GP-Motorrad-Manier um den Kurs zu fegen.

"Müssen mit jedem Auto Geld verdienen"

Faszinierend, auch weil wir hier etwas Unwiederbringliches erlebten. Denn wir fuhren ein Auto, das nicht zu kaufen sein wird. Wenige Monate zuvor hatten die Ingolstädter unter dem von Porsche gekommenen neuen Audi-Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer den Ökostecker gezogen: Die Elektroautos R8 e-tron sowie A1 e-tron werden ebenso wie der A2 e-tron nicht in Serie gefertigt. „Wir müssen mit jedem Auto Geld verdienen“, erklärte Dürheimer den Stopp des Elektromobilitätsprojekts, das seit 2009 einen dreistelligen Millionenbetrag verschlungen haben soll. Stattdessen will man Erkenntnisse vor allem aus der aufwendigen R8 e-tron-Entwicklung für künftige E-Autos nutzen.

Nicht viel Neues im Gepäck: Audis Technik-Vorstand Wolfgang Dürheimer.
Nicht viel Neues im Gepäck: Audis Technik-Vorstand Wolfgang Dürheimer.Foto: Hersteller

Doch in Berlin waren keine zu sehen. Stattdessen konnte man den Erdgas-A3 g-tron in der Serienversion fahren. Ein seriennahes Modell hatten wir jedoch bereits Ende 2012 bewegt. Eine Technik, die bekannt und nur deswegen hier interessant ist, weil der A3 mit so genanntem klimaneutralem e-gas angetrieben wird, das von Audi selbst aus CO2 und Wasserstoff hergestellt wird. Ende dieses Jahres ist Marktstart für den 25 900 Euro teuren A3 g-tron. Der kostet damit gut 2500 Euro mehr als ein entsprechender Diesel. Nachteil des Gas-A3: 100 Liter weniger Kofferraum und geringe Reichweite von maximal 400 Kilometern im ökonomischen und umweltfreundlichen Gasbetrieb.

Auf den Markt kommt nur der Plugin-Hybrid

Lediglich gezeigt wurde uns innerhalb einer 3-D-Animation die künftige Plug-in- Hybridversion A3 e-tron, die rund 50 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Können wir auch fahren? Nein. Reinsetzen ja. Dieses Auto komme ja erst Ende 2014 auf den Markt; zu einem Preis ab 38 000 Euro. Damit etwas teurer als der Toyota Prius Plug-in-Hybrid (36 550 Euro), den es bereits zu kaufen gibt. Der A3 soll nur 1,5 Liter verbrauchen, aber nach dem völlig weltfremden ECE R 101-Zyklus. Real dürften es, wie beim Prius, so um die vier Liter werden, denn Audis 150-PS-TSI fährt ja nicht mit Luft und Liebe, sondern mit Sprit. Genau so wie der 75 kW (105 PS) starke E-Motor elektrische Energie benötigt. Nachteil des Hybrid-A3: auch 100 Liter weniger Kofferraum und gut 300 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem normalen A3, die zu beschleunigen und abzubremsen sind. Übrigens nutzt der VW Golf Plug-in-Hybrid, der vor dem Audi A3 startet, die gleiche Technik.

Eingestellt: Audi hat seine Projekte mit reinen Elektroautos erst mal begraben. Eigentlich schade, denn die Technik des Prototyps war vielversprechend.
Eingestellt: Audi hat seine Projekte mit reinen Elektroautos erst mal begraben. Eigentlich schade, denn die Technik des Prototyps...Foto: Hersteller

Was also ist geblieben von der 2009 groß angekündigten Elektro-Offensive der Ingolstädter? Kein E-Auto; nur zwei Modelle mit bereits bekannter Technik. Da sind BMW mit dem i8 und Mercedes mit dem SLS E-Cell einen Schritt weiter. Beide haben den Mut, in Kleinserie gefertigte extreme Elektro-Sportler anzubieten, die sicher nur solvente Technikverrückte interessieren, weil sie teuer sind und nach zwei schnellen Runden auf der Nürburgring-Nordschleife bereits wieder aufgeladen werden müssten. Das wussten natürlich auch die Audi-Leute. Denn den Rekord auf der Nordschleife für E-Autos hielt der Audi R8 e-tron. Just gestern nahm ihm der Mercedes SLS E-Cell diesen ab. Auch das ein Statement.

Übrigens: Das erste in Serie gefertigte reine Elektroauto der Ingolstädter soll ab 2015 der derzeit noch namenlose A? e-tron werden. Auf Basis des elektrischen VW up! und zu Preisen von knapp unter 30 000 Euro.

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