Auf Camping-Tour durch Europa, Teil 1 : Könnten Sie Kassettentoilette?

Abenteuer Camping-Tour: Schon die Suche nach dem richtigen Wohnmobil wird zum Geduldsspiel - wenn es mit Ehefrau, Tochter und sechs Monate alten Zwillingen durch Europa gehen soll. Teil 1 unseres Camping-Blogs.

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Platzwunder Wohnmobil: Stauraum für Fahrräder, Camping-Garnitur und, und, und.
Platzwunder Wohnmobil: Stauraum für Fahrräder, Camping-Garnitur und, und, und.Foto: Markus Mechnich

Camping. Das ist doch was für deutsche Spießbürger aus dem Exportbier-Millieu, grölende Teenager und Holländer. Oder? Gut 20 Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal auf einem Camping-Platz übernachtet habe. Damals mit zarten 19 bin ich mit einer wilden Horde an Freunden in den Urlaub nach Südfrankreich aufgebrochen. Mit wenig Geld und viel guter Laune verbrachten wir einen zweiwöchigen Urlaub an der französischen Atlantikküste verbracht. Unsere Nachbarn auf dem Campingplatz bei Biarritz zeigten sich komischerweise weniger begeistert. Jedenfalls wurde es um unser Camp herum im Laufe der Zeit immer leerer, obwohl der Platz ausgebucht war.

Einmalige Gelegenheit zum Campen

Seitdem habe ich zu dem Thema keinen Zugang mehr gehabt. Nicht unbedingt aus Unwillen, sondern eher aus Mangel an Gelegenheiten. Es hat sich einfach nicht mehr ergeben. Erst die Kombination aus der Geburt unserer Zwillinge und der daraus resultierenden Elternzeit hat die Idee Camping wieder auf den Tisch gebracht. Drei Monate Elternzeit, die größere Tochter noch nicht in der Schule und der Sommer vor der Tür – Eine solche Gelegenheit wird es wohl nie wieder geben. Der Beschluss war bald gefasst: Wir kaufen ein Wohnmobil und ab in den Süden!

Tagesspiegel-Mobil-Ressortleiter Markus Mechnich berichtet im Camping-Blog vom Abenteuer Wohnmobil-Tour.
Tagesspiegel-Mobil-Ressortleiter Markus Mechnich berichtet im Camping-Blog vom Abenteuer Wohnmobil-Tour.Foto: Markus Mechnich

Bis alle organisatorischen Dinge erledigt sind, befinden wir uns schon in der Mitte des Mai. Nicht gerade die ideale Zeit, um ein Wohnmobil zu kaufen, wie wir schnell feststellen durften. Anrufe bei einschlägigen Händlern ergeben meist die für uns wenig erheiternde Auskunft: „Wir sind ausverkauft, die Saison ist für uns schon vorbei!“ Aha?

Tatsächlich bringen die Suchen bei den einschlägigen Internetbörsen ein ernüchterndes Bild. In Berlin geht das Angebot aus privater Hand gen Null. Zumindest vor dem Hintergrund unserer Vorstellungen. Höchstens 80000 Kilometer, nicht älter als sechs Jahre, mindestens fünf Betten und dabei eine machbare Länge für einen Parkplatz in der Stadt. Freilich soll das Ganze noch im zwar möglichst weit nach oben geschraubten, aber dennoch überschaubaren Rahmen unseres Budgets stattfinden. Nur eine Hand voll völlig überteuerte Angebote von Händlern sind noch zu finden.

Schwierige Suche: Die ersten Wohnmobil-Kandidaten hatten noch einige Macken.
Schwierige Suche: Die ersten Wohnmobil-Kandidaten hatten noch einige Macken.Foto: Markus Mechnich

Kassettentoiletten, Alkoven und Dinette

Ganz nebenbei eröffnet sich dabei eine völlig neue Welt an Technik. Heck-Garagen, Kassettentoiletten, Alkoven, Dinette oder Gas-Kühlschränke? Als Motor-Redakteur bin ich mit Automobilen, Motorrädern, ja sogar Lkw in Kontakt gekommen und recht firm. Von solchen Dingen habe ich bisher höchstens vom Hörensagen was erfahren. Es sollte nicht das letzte Mal sein...

Zwei Termine machen wir im Großraum Berlin. Der erste verläuft ernüchternd. Das Inserat, es sieht eigentlich nach einem privaten Anbieter aus, entpuppt sich als das eines Girlandenhändlers aus Neukölln. Die Daten lesen sich vielversprechend: Baujahr 2011, mit sieben Metern gerade noch im Maß für einen (zugegeben großen) Parkplatz in der Stadt, mit Alkoven für die Eltern, Etagenbetten für den Nachwuchs und natürlich der für uns obligatorische Fahrradträger am Heck.

Allerdings ist spätestens auf den zweiten Blick klar, dass das Baujahr nicht stimmen kann. Papiere gibt es so gut wie keine und der Gesamtzustand passt auch nicht wirklich zu einem knapp drei Jahre alten Fahrzeug. Er verkaufe das Fahrzeug für einen Bekannten und deshalb als privat, heißt es. Tüv und Gasprüfung würde man natürlich neu machen, versichert uns der Händler, aber das ungute Gefühl bleibt. Keine Option also.

Navigation: Ausgerüstet mit Navi, Smartphone und mehr geht es auf große Tour durch Europa.
Navigation: Ausgerüstet mit Navi, Smartphone und mehr geht es auf große Tour durch Europa.Foto: Markus Mechnich

Der zweite Termin passt...fast!

Der zweite Termin ist schon vielversprechender. Das Fahrzeug, sechs Jahre alt, stammt wirklich von einem privaten Verkäufer. Es ist gut gepflegt, und technisch sogar aufgerüstet mit extra großem Fernseher (es war schließlich WM), Navigationssystem und Rückfahrkamera. Die Gespräche mit dem Besitzer ergeben einen ersten Einblick in die Welt der Camper. Als wir uns als Frischlinge outen berichtet er aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Für den Urlaub mit der Familie ideal, aber seine Kinder waren schon im pubertierenden Alter angekommen und nicht mehr willens mit der Elternschaft in Urlaub zu fahren. Man müsse aber auf wichtige Dinge achten, die bei seinem Wohnmobil natürlich kein Problem wären. Das passende Vorzelt zum Beispiel (Größer ist besser), die Toilettengewohnheiten (Benutzung der Bordtoilette ist eigentlich tabu) und das richtige Zubehör (Der Trend geht zum Zweitkühlschrank).

Alles ganz hübsch und das Angebot passt auch ins Budget. Ich schaue mir den Motor an. Bei einer Reise von zwei Monaten und geschätzten 5000 Kilometern nicht so ganz unwichtig. Oben sieht es gut aus, aber von unten ölt der Motor. Nicht viel, aber auch nicht wegzudiskutieren. Schon bei der Suche fanden sich erstaunlich viele Fahrzeuge mit Ford-Unterbau, die schon bei weniger als 100 000 Kilometern Austauschmotoren hatten. Mmh,schade, denn ansonsten passt alles.

Wir brauchen mehr Auswahl! Göttingen und Bielefeld entpuppen sich als Epizentren der deutschen Wohnmobilisten. Zwei große Händler und zahlreiche Angebote von privaten Anbietern – Das ist eine Reise wert. Wir entscheiden uns für den Großraum Göttingen und planen einen ganztägigen Ausflug mit vier Besichtigungsterminen. Die erste Station, ein Händler, ist schon mal ein Fehlgriff. Das einzig interessante Fahrzeug steht gar nicht auf dem Hof sondern in Köln. Der Rest ist zu teuer oder passt nicht zu unseren Bedürfnissen.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
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