Auto : Auf zur Muckibude

Am Montag startet der Peugeot 208 GTi – dabei hat es der aufgemuskelte Kleinwagen gar nicht so leicht, an einen legendären Vorfahren anzuknüpfen.

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Lange Zeit hat Peugeot den Mythos eines wichtigen Modells nicht gepflegt. Nachdem 1995 der letzte 205 GTI (mit großem I!) vom Band gerollt war, wurde es still um das legendäre Spaßmobil. Selbst der ab 2003 angebotene 206 RC mit 177 PS sowie der 2007 angebotene 207 RC erwiesen sich als eher halbherzige Varianten. Ab nächster Woche trauen sich die Franzosen nun endlich, den legendären und nun wieder belebten GTI in der Kleinwagenklasse erneut anzubieten – dieses Mal aber mit kleinem i; hat der Mut für ein großes nicht gereicht? Und der neue 208 GTi hat ein wahrlich schweres Erbe zu schleppen, weil er von Kundigen und Fans an seinem legendären Vorbild 205 GTI aus den Achtzigern gemessen wird. Der musste sich zwar anfangs mit 105, später mit 128 PS begnügen, wog aber auch weniger als 900 Kilogramm – und bot so mit recht wenig Leistung und noch moderatem Verbrauch vergleichsweise viel Fahrspaß.

Sein aktueller Nachfahre dagegen ist geradezu feist geworden, hat sieben Zentner (!) mehr zu beschleunigen und um Kurven zu wuchten. Doch das gelingt ihm erstaunlich gut. Wenn auch mit gewissen Einschränkungen: Die vorderen Sportsitze sind zwar jeweils einen Zentimeter niedriger als beim normalen 208 eingebaut, aber für einen solchen Kurvenflitzer wie den GTi sitzt man dennoch zu hoch. Und der Beifahrer rutscht bei schneller Kurvenfahrt – wozu der Kleine dank seines gut ausbalancierten Fahrwerks animiert– haltlos hin und her. Der Nebenmann empfindet mehr Frust als Lust, weil schlicht ein Haltegriff fehlt. Zudem fällt auf, dass die Lenkung zu spitz ausgelegt ist und mit nicht linearer Wirkung zu eckig agiert. Sie macht das Auto unnötig nervös. Das kann der neue Ford Fiesta ST viel besser.

Schade, denn ansonsten ist den Peugeot-Technikern ein Flitzer gelungen, der Spaß mit Ernsthaftigkeit beim Fahren verbindet und sogar noch vernünftig federn kann. Dieser 208 gehört zu den komfortabelsten GTi; ein voll alltagstaugliches Auto. Da ist der Neue seinem sehr straff gefederten Vorbild weit überlegen.

Der 2013er GTi ist erfreulicherweise auch ein Auto ohne Firlefanz geworden. Keine wilden Spoiler und Anbauten außen und innen ein Cockpit mit feinen roten Applikationen sowie einer Besonderheit: Die Uhren sitzen sehr hoch, das extrem kleine Lenkrad ganz weit unten. Fast auf den Oberschenkeln. So sieht man die Instrumente, ohne den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Bei den meisten jedenfalls klappt dieser Trick.

Ohne Tricks sorgt ein 1,6 Liter großer Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer für das i-Tüpfelchen auf der Spaßleiter. Das 200 PS starke Triebwerk aus einer Kooperation mit BMW ist ein Quell reiner Freude: stämmige 275 Newtonmeter Drehmoment bereits ab 1700 Touren, kein Turboloch, sämige Kraftentfaltung, vernünftiger Klang. Die Maschine lässt sich mit dem präzisen Sechsganggetriebe sowohl zahm als auch brutal fahren. Null bis 100 in nur 6,8 Sekunden und 230 km/h Spitze sind Ansagen. Die versprochenen 5,9 Liter Verbrauch sind im flotten Alltag allerdings blanke Illusion.

Mindestens 22 900 Euro verlangen die Franzosen heute. Vor 30 Jahren nahmen sie für den erfrischenden 205 GTI nur gut die Hälfte: exakt 19 295 DM.

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